Wie T-Systems Schweiz die SBB-Pleite verdaut

29. September 2005, 16:31
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Trotz verlorenem Desktop-Service-Auftrag bei der SBB ist T-Systems mit dem laufenden Geschäftsjahr zufrieden.

Trotz verlorenem Desktop-Service-Auftrag bei der SBB ist T-Systems mit dem laufenden Geschäftsjahr zufrieden.
Die Schweizer Niederlassung des deutschen IT-Dienstleister T-Systems informierte heute in Zürich über den aktuellen Stand des laufenden Geschäftsjahres. Das Unternehmen blicke einem "sehr guten Jahr" entgegen, sagte CEO Gregor Stücheli. Man habe einige gute Projekte an Land ziehen können. So zum Beispiel den Betrieb der IT-Plattform der Graubündner Kantonalbank (GKB).
Mit bestehenden Kunden, wie Agfa, Visana, Mobiliar und SBB konnten zudem bestehende Dienstleistungsverträge fortgeführt werden – wenn auch zum Teil reduziert, wie das Beispiel SBB zeigt. Man erwarte für dieses Jahr noch zwei bis drei Deals, sagte Stücheli.
SCIS ist wie Aldi
Einen wichtigen Vertrag konnte T-Systems jedoch nicht verlängern. Vor einer Woche teilten die SBB mit, dass der Betrieb der Client-Umgebung an Swisscom IT Services (SCIS) vergeben wurde. Dieser Outsourcing-Auftrag wurde in den letzten acht Jahren von T-Systems erbracht. Die SBB konnten mit der Vergabe an SCIS enorm Geld sparen. (T-Systems behielt aber immerhin den Betrieb von Server und Plattformen.)
War die Offerte von T-Systems zu teuer? Gemäss Stücheli sind die Kosten nicht das Wichtigste eines Outsourcing-Auftrags. T-Systems zähle auf "Flexibilisierung und Innovation". Ausserdem habe man im Frühling mit Gartner festgestellt, dass Preis und Leistung angemessen waren. Dass SCIS aggressiv offeriert habe, sei normal für ein Unternehmen, das noch Marktanteil gewinnen muss. Das sei wie bei Aldi und Lidl, die neu in den Schweizer Markt eintreten und die Preise drücken.
Abgesehen vom Outsourcing-Auftrag betreut T-Systems drei Grossprojekte für die SBB: Die Umstellung des internen Mail-Systems, die OPUS-Plattform, die neu aufgesetzt wird und den ganzen Webbereich (Online-Ticketkauf). Stücheli gesteht aber, dass wenn T-Systems noch einmal so einen Auftrag verlieren würde, man "sich langsam fragen müsste, was das Problem ist."
Wohin mit 150 Leuten?
T-Systems analysiere gerade, was mit den Fachleuten geschehen soll, die in den letzten acht Jahren für die SBB den Desktop-Service managten. Betroffen seien zirka 100 bis 150 Personen. T-Systems beschäftigt in der Schweiz mehr als 1000 Mitarbeitende. Zunächst sei anzumerken, so Stücheli, dass diese Leute bis Ende März ihre Arbeit fortsetzen. Durch die Stabübergabe an SCIS entstehe sogar noch mehr Arbeit. Danach gebe es verschiedene Optionen, die man momentan mit den Betroffenen evaluiere.
Da T-Systems in verschiedenen Bereichen Leute sucht, werde man versuchen, diese Stellen intern zu besetzen. Auch durch den Gewinn von neuen Aufträgen, gerade mit Neukunden, bestehe ein Bedürfnis nach Fachkräften. 10 bis 15 Personen können für ein Citrix-Zentrum in der Schweiz eingesetzt werden. Gleich viele könnten (zumindest temporär) in Frankfurt, Berlin, Barcelona oder London eingesetzt werden, wo T-Systems Niederlassungen hat. Stücheli sagte aber auch, dass das Unternehmen mit SCIS im Kontakt sei, um Mitarbeitenden eine Lösung anzubieten. Sprich: Ein logischer Wechsel von T-Systems zu SCIS. Hierbei würde sicher auch SCIS profitieren.
Stücheli sagte, es werde nach dem geplatzten Deal keine Arbeitslosen geben, weil jedem Mitarbeitenden eine Alternative angeboten werde. "Stempeln" müsse nur, wer die Alternativen, die T-Systems anbiete, nicht annehmen wolle. Also wer beispielsweise nicht nach Barcelona oder zu SCIS gehen will.
Diese ganzen Personaloperationen kosten natürlich Zeit und Geld. Die Kosten werden sich zwangsläufig auf die Ergebnisse des laufenden und des kommenden Geschäftsjahres auswirken. Man müsse 2006 "Gas geben", will man den Umsatz halten, sagte Stücheli. (Maurizio Minetti)

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