Wie viel Platz brauchen Basler Kantons-Server?

8. September 2008, 14:12
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Das neue Rechenzentrum der Informatik-Dienststelle des Kantons Basel-Stadt wird teurer als angenommen. Umstritten ist, ob das RZ tatsächlich 500 Quadratmeter gross sein muss.

Das neue Rechenzentrum der Informatik-Dienststelle des Kantons Basel-Stadt wird teurer als angenommen. Umstritten ist, ob das RZ tatsächlich 500 Quadratmeter gross sein muss.
Im Kanton Basel-Stadt sorgt der Neubau der Zentralen Informatik-Dienststelle (ZID) nach wie vor für Schlagzeilen. Im November 2007 war bekannt geworden, dass der Umzug der Kantons-Informatik inklusive Neubau im ehemaligen Hotel Steinengraben viel mehr kostet, als zunächst angenommen. Mittlerweile ist klar, dass das ganze Projekt 31 Millionen Franken verschlingen wird.
Planbedarf stieg nachträglich
Am kommenden Mittwoch wird das Basler Parlament darüber entscheiden, ob das Projekt bewilligt wird. Eine Zustimmung schien bisher Formsache. Doch jetzt zeigt sich, dass die ZID bei der Begründung ihres Raumbedarfs für das Rechenzentrum mit falschen Angaben argumentierte, wie die 'Basler Zeitung' heute berichtet.
Obwohl die heutigen Serverräume mit einer Fläche von 320 Quadratmetern angeblich voll belegt sind, sollte der Neubau ursprünglich nur 300 Quadratmeter Nutzfläche für das Informatik-Herz bieten. Die ZID ging offensichtlich davon aus, dass sich die Server rationeller aufstellen lassen. Mit der Begründung, die Verwaltungsinformatik solle stärker zentralisiert werden, stieg der Planbedarf aber nachträglich auf 500 Quadratmeter. Die Mehrkosten von drei Millionen Franken gingen anfänglich in der Kalkulation vergessen. Als sie dann mit dem ebenfalls nachträglich erkannten Bedarf nach einer Dieselnotstromversorgung (2,4 Millionen) publik wurden, interessierte sich niemand dafür, wie sich der Bedarf rechtfertige.
Rechenspiele
Gemäss 'baz' war es Zufall, dass dem Basler Informatiker Thomas Kubli im Mai dieses Jahres "Datenmaterial in die Hände fiel", das ihn stutzig machte: In der gesamten Basler Verwaltung seien 444 Server im Einsatz. Laut Kubli finden in der Regel 42 Server Platz in einem Rack, das wiederum 2,5 Quadratmeter Fläche benötigt. Zusammen mit weiteren Komponenten müssten die Rechner demnach auf 50 Quadratmeter Platz finden, rechnete Kubli der Basler Bau- und Raumplanungskommission in einem Brief vor. Die Kommission bat die ZID um eine Antwort.
ZID-Leiter Markus Giavina kalkulierte grosszügig: Ausgehend von der heutigen Fläche von 320 Quadratmetern rechnet er mit einer Steigerung um 25 Prozent. Weitere 20 Prozent sollen als Reserve gelten. Die daraus resultierenden rund 500 Quadratmeter seien "sehr wohl gerechtfertigt". Giavina verwies dabei auf die Stadt Zürich, die ein Rechenzentrum mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche plane. Daniel Heinzmann, Direktor des Amtes für Organisation und Informatik der Stadt Zürich, widerspricht in der 'baz': Richtig sei, dass das gesamte Rechenzentrum 1800 Quadratmeter umfassen werde. Doch davon werde die Hälfte fremdvermietet. Auf der verbleibenden Fläche von 900 Quadratmetern werde die Stadt aber rund dreimal so viele Server unterbringen wie die 444, die für die kantonale Basler Verwaltung im Einsatz sind.
Kubli sieht darin eine Bestätigung dafür, dass die ZID weit mehr Platzreserven schaffen will, als die 20 Prozent, die sie offiziell ausgewiesen hat. "Ein unabhängiger Experte muss prüfen, welchen Platz die ZID tatsächlich benötigt", sagt er. (Maurizio Minetti)

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