Wie weiter nach "Moore"?

18. November 2016, 14:50
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RZ-Betreiber versuchen mit verschiedenen Ansätzen, ihre Leistung zu steigern, ohne die Preise in die Höhe zu treiben.

Die Kurve der stetig steigenden Leistung, die Moore's Law voraussagt, flacht ab. Aber wie können die grossen RZ-Anbieter ihre Leistung weiter steigern, ohne die Preise in die Höhe zu treiben?
Moore's Law, das besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Prozessor alle 18 Monate verdoppelt, wurde des öfteren für tot erklärt. Laut dem Verband IEEE wird das Gesetz wohl um das Jahr 2021 seine Gültigkeit verlieren. Die Menge an zu verarbeitenden und zu speichernden Daten aber, steigt stetig an. Cloud-Anbieter brauchen spezialisiertere Technologien, um die Rechenleistung zu erhöhen, sagt der ETH-Ingenieur Urs Hölzle, Googles SVP Infrastructure.
Google und weitere grosse Anbieter hätten in den vergangenen Jahren ihre Leistung immer massiv verbessern und gleichzeitig die Kosten reduzieren können. Doch dies gehe nicht mehr lange so weiter, berichtet 'Informationweek' von einer Rede Hölzles an der Konferenz "Structure 2016" in San Francisco. Die Wachstumskurve wird langsam flacher. Weder Google noch andere Unternehmen können ihre Daten jedes Jahr vervielfachen, ohne auch die Kosten nach oben zu treiben. Gebiete wie Machine Learning, künstliche Intelligenz oder Business-Analytics fordern konstant mehr Rechenleistung.
"Infrastruktur ist eine dieser Sachen, die niemanden interessieren, solange sie funktionieren", sagt Hölzle. Doch mit dem Verblassen des Moorschen Gesetzes wird die Herausforderung für die Anbieter immer grösser: Grössere Workloads und die steigende Menge an Daten sind unvermeidlich. Doch wenn die Kosten für Unternehmen gleich schnell steigen wie die Workloads wachsen, besteht das Risiko, dass einige Unternehmen aus dem Geschäft gedrängt werden, heisst es weiter.
Verschiedene Ansätze der Tech-Giganten
Flash-Speicher und die Nutzung des OpenCAPI-Standards seien zwei Ansätze, mit denen Hersteller neue Wege testen, arbeitsintensive Workloads zu kompensieren, so der Bericht von 'Informationweek' weiter. Der Standard Open Coherent Accelerator Processor Interface (OpenCAPI) wurde von einer mächtigen Allianz von US-Tech-Firmen, darunter IBM, Google, Dell und AMD, ins Leben gerufen. Es geht darum, kostenlose Standards für den Bau von schnelleren Servern zu erarbeiten und zu veröffentlichen.
Laut 'Informationweek' haben Rackspace und Google zudem Interesse angekündigt, Power9-Chips, die OpenCAPI unterstützen, zu kaufen und in ihren RZs einzusetzen. Ob diese Next-Generation-Chips bei Google und Rackspace allgemein zum Einsatz kommen oder ausschliesslich Daten-intensiven Workloads vorbehalten sind, bleibt offen. Auch IBM arbeitet an Servern um die Power9-Chips. Erste Geräte sollen nächstes Jahr auf den Markt kommen. Hinter den Power-Servern steckt die von IBM 2014 ins Leben gerufene Openpower Foundation. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehören Google und diverse Chip- und Komponentenhersteller. Als Zielkunden wurden von Anfang an ISPs und insbesondere auch Cloud-Provider genannt.
Facebook "verschenkt" Know-how
Weitere Projekte in diese Richtung stammen von HP und Facebook. HP hat vergangenes Jahr die ultraschnellen "Open Network Switches" angekündigt, die für den Markt der sehr grossen Rechenzentren entwickelt werden. Gebaut werden die Switches nicht von HP selbst, sondern von der taiwanischen Firma Accton Technologies. Laut HP seien die Geräte bedeutend billiger als Ciso-Hardware und zudem versprach HP, dass man damit einfacher und schneller moderne RZ-Architekturen zustande bringt.
Facebook hat 2011 damit angefangenen, Rechenzentrums-Know-how zu "verschenken". Die Facebook-RZ-Infrastruktur wurde zuvor neu konstruiert und aufgebaut, wobei es den Ingenieuren eigenen Angaben zufolge gelungen ist, die RZs um 24 Prozent billiger zu machen. Die technischen Daten der selbst entwickelten Server, beziehungsweise der neu entwickelten Motherboards sowie die Spezifikation der Stromversorgung und Wasserkühlung des RZs stellt Facebook mit dem "Open Compute Project" der Community zur Verfügung. (kjo)
Bild Startseite: Google-RZ The Dalles in Oregon, USA.

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