Wieso Windows 10 nicht 9 heisst

2. Oktober 2014, 12:30
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Ein plumper/raffinierter Marketingtrick? Oder ein "historischer Imperativ", verborgen im Code älterer Windows-Programme?

Ein plumper/raffinierter Marketingtrick? Oder ein "historischer Imperativ", verborgen im Code älterer Windows-Programme?
Microsoft hat vorgestern Abend einen Vorgeschmack auf die nächste Windows-Version gegeben. Die konkreten Features, die der Softwareriese dabei enthüllte, erstaunten kaum mehr. Sie waren alle in den letzten Monaten entweder von Microsoft selbst bereits angekündigt worden oder durch plausible Gerüchte an die Öffentlichkeit gedrungen.
So ist es kein Wunder, dass sich nun die meisten Kommentare im Web um den Namen "Windows 10" drehen. Der ist zwar eher eine Nebensache, war aber die einzige richtige Überraschung der Microsoft-Ankündigung. Wieso soll das nächste Windows Windows 10 und nicht Windows 9 heissen? Vor allem Kommentatoren und Microsoft-Watcher, die in den letzten Wochen ihre Recherchierkünste unter Beweis stellen wollten und im Brustton der Überzeugung verkündeten, dass Microsoft Windows 9 zeigen werde, scheinen schon fast etwas beleidigt. Warum lässt Microsoft die Nummer 9 einfach schnöde aus? Die Erklärung von Microsofts-Betriebssystemchef Terry Myerson, dass die Nummer 10 "am besten damit im Einklang steht, was das nächste Windows bringen wird", befriedigt kaum jemanden.
Ein grosser Teil der Kommentatoren im Web unterstellt Microsoft, dass man sich durch den Nummernsprung stärker vom vielkritisierten Windows 8 distanzieren und dem neuen Windows einen unbelasteteren Start ermöglichen wolle. Andere glauben, dass Windows 10 den Start in eine Zukunft andeutet, in der es keine grossen Windows-Releases mehr geben wird, sondern "nur" noch durch inkrementelle, kostenlose Updates.
Vielleicht ist der Hauptgrund aber auch einfach technischer Natur, wie 'Cnet' berichtet. Der Name Windows 9 hätte demnach grosse Probleme für die Rückwärtskompatibilität bedeutet. Bei Microsoft gehe laut einem anonymen Microsoft-Entwickler intern das Gerücht um, dass man zu viele Windows-Applikationen von Drittentwicklern mit folgendem Codeschnipsel entdeckt habe:
if(version.StartsWith("Windows 9")) { /* 95 and 98 */ } else {
Diese Programme würden Windows 9 als Windows 95 oder 98 erkennen, und darum nicht mehr funktionieren. Dabei geht es laut 'Cnet' nicht nur um obsolete Desktop-Programme, sondern auch wichtige Business-Applikationen, die bei vielen Unternehmen noch im Einsatz stehen.
Ein Windows für alle
Wenn man sich die vorgestern angekündigten Features anschaut, scheint Windows 10 aus Usersicht, sowohl für Privatanwender als auch Unternehmen, trotz des Nummernsprungs nicht viel mehr als ein Win-8-Update zu sein. Immerhin soll Win-10 einige der seit langem geforderten Verbesserungen für Maus- und Keyboard-User bringen, darunter das "neue", alte Startmenu und "moderne" Applikationen für die Touch-Oberfläche, die auch auf dem Desktop und in den altbekannten Fenstern laufen.
Wer genaueres herausfinden will, kann das neue Windows seit gestern als kostenloses technical Preview herunterladen und installieren.
Die aus unserer Sicht tatsächlich tiefgründige Neuerung steckt unter der Oberfläche und dürfte für die Softwareszene und den Microsoft-Channel einiges ändern: Windows 10 ist nicht nur ein Windows für PCs und Tablets, sondern soll alle bestehenden Windows-Varianten ersetzen. Wie Terry Myerson erklärt, wird Windows 10 in allen Arten von Geräten, vom "Internet der Dinge" über Smartphones und Tablets bis zum Server im Rechenzentrum zum Einsatz kommen. Windows-Varianten wie Phone, RT oder Embedded dürften damit der Vergangenheit angehören - Auch wenn Myerson dies, warum auch immer, nicht konkret ankündigt.
Manche der Win-10-Geräte werden 4-Zoll-, andere 80-Zoll-Bildschirme aufweisen. Andere werden gar keinen eigenen Screen haben. Manche dieser Geräte werden mit Touch und Stift bedient werden, andere mit Maus und Tastatur und einige auch via Controller oder Gesten. Myerson betont dabei, dass es nicht um "ein UI für alle" gehe, sondern um eine gemeinsame Applikations-Plattform, die eine für alle Endgeräte geeignete Bedienung ermöglicht. Entwicklern verspricht Myerson, dass sie auf dieser einheitlichen Plattform alle möglichen Applikationen schreiben können, vom Game bis zur Businesslösung.
Vereinheitlicht werden soll auch der Vertrieb und die Softwarewartung von Drittanwendungen, mit einem einzigen App-Store und einem einheitlichen Update-Prozess für alle Apps. (Hans Jörg Maron)

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