Will Microsoft das Netscape-Spielchen wiederholen?

18. Mai 2006, 15:38
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Desktop- und Enterprise-Suche wird tief in Microsoft-Software-Pakete integriert.

Desktop- und Enterprise-Suche wird tief in Microsoft-Software-Pakete integriert.
In einer langen Rede (das Transkript hat 55'000 Zeichen) am gestrigen "Microsoft CEO Summit" räumte Bill Gates erstaunlich viel Platz den kommenden Entwicklungen in Informations-Management ein. Es geht um die Frage, wie Informationen aller Art gefunden und weiter verbreitet werden. Aus dem Gewicht, das er dem Thema "Desktop-Search" und "Enterprise Search" gibt, lässt sich interpretieren, dass Microsoft offensichtlich den Rückstand auf Google aufholen will.
So holte er einen Mitarbeiter auf die Bühne, der neue Suchfunktionen in praktisch jedem Stück Microsoft-Software versprach. So soll der E-Mail-Client Outlook endlich brauchbare Suchfunktionen bekommen, und Desktop-Suche soll integrierter Teil von Windows Vista werden.
Ein weiteres wichtiges Bauteil der Microsoft-Strategie ist SharePoint, eine Serversoftware für den Bau von Intranets für eine geschlossene Benützergemeinde. SharePoint soll mit ausgefeilten Suchfunktionen ergänzt werden, die bis hin zu sozialen Funktionen ("wer hat die gleichen Interessen wie ich?") gehen soll.
Weiter wird es - Google hat solche Produkte bereits - den "Windows Live Search Client" geben, mit dem man gleichzeitig sein E-Mail, seinen oder andere PCs, das Intranet aber auch das Internet durchsuchen kann.
Erinnerungen an Netscape
Der Clou an der Sache ist, dass Microsoft nicht spezielle Produkte für das Finden, Veröffentlichen und Verwalten von Informationen aller Art entwickelt, sondern diese Funktionen in Windows, Office und SharePoint einbettet.
Erinnern Sie sich an die Urzeit des Internet und vor allem des WWW? Damals gab es praktisch nur einen Browser, denjenigen von Netscape, und viele Surf-Pioniere hatten netscape.com als Startseite eingerichtet. Man sprach davon, Microsoft habe den Trend verschlafen und Netscape sei die Microsoft des Internet-Zeitalters. Doch es kam anders: Microsoft entwickelte den Internet-Explorer und machte ihn vor allem zu einem Standard-Baustein des Betriebssystems Windows und der Büro-Software. Die folgenden Antitrust-Klagen und -Verurteilungen steckte der Software-Krösus locker weg, Netscape ist heute nur noch eine Abteilung von Time Warner.
Ähnlich wie damals Netscape mit dem Browser hat Google auf seinen überlegenen Suchfunktionen ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Und wieder schlägt Microsoft zurück, indem möglichst viele vergleichbare Funktionen direkt in Windows, Office und die Server-Software eingebaut wird. (Christoph Hugenschmidt)

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