WiMAX-Konzessionen werden versteigert - Cablecom testet schon

28. November 2005, 14:34
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Die Ausschreibung für drei WiMAX-Konzessionen beginnt. Die Meistbietenden erhalten den Zuschlag.

Die Ausschreibung für drei WiMAX-Konzessionen beginnt. Die Meistbietenden erhalten den Zuschlag.
Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) haben heute die Details zur Ausschreibung der BWA-Konzessionen bekannt gegeben. BWA steht für Broadband Wireless Access, darunter versteht man verschiedene drahtlose Breitband-Übetragungstechnologien wie WLL (Wireless Local Loop), FBWA (Fixed Broadband Wireless Access) oder WiMAX (worldwide interoperability for microwave access).
Das Interesse von Internet-Providern richtet sich vor allem auf WiMAX. Der Standard IEEE 802.16 erlaubt eine theoretische Reichweite von 50 Kilometern bei einer Übertragungsgeschwindigkeit von 70 bis 100 Mbit/s. Intels WiMAX-Chip "Rosedale" erlaubt allerdings Datentransfergeschwindigkeiten von maximal 20 Mbit/s über Distanzen von bis zu 25 Kilometern. In Städten, wo keine direkte Sichtverbindung zwischen der Sendeantenne und den Kunden besteht, kann eine Reichweite von 2 Kilometern erreicht werden.
Die Ausschreibungsunterlagen für die WiMAX-Konzessionen können ab dem 29. November beim BAKOM bezogen werden. Die Bewerber haben bis am 28. Februar 2006 Zeit, die Bewerbungsunterlagen einzureichen. Die drei BWA-Konzessionen werden im zweiten Quartal des nächsten Jahres den Meistbietenden per Auktion vergeben.
Nur drei Lizenzen
In der Schweiz sollen aufgrund des knappen Frequenzbandbereichs nur drei Provider in den Genuss einer neuen BWA-Lizenz kommen. Unter den kleinen ISPs herrscht deshalb nicht gerade helle Freude. Sie fühlen sich ausgeschlossen, wie aus der Szene zu erfahren ist. ComCom-Präsident Marc Furrer sagte gegenüber inside-it.ch, dass es "leider aus qualitativen Gründen nicht möglich war, mehr als drei Lizenzen zu bestimmen. Hätten wir eine vierte bestimmt, so hätte die Qualität aller darunter gelitten."
Es habe auch keinen Sinn vier oder fünf Konzessionäre zu haben, bei denen alle schlechte Übertragungsleistungen hätten (Ausfälle, schlechte Bild- oder Tonqualität etc.). Dass die drei Lizenzen an Swisscom, Orange und Sunrise gehen werden, darüber ist sich Furrer "gar nicht so sicher." Nicht für alle sei da ein "Businesscase" auszumachen.
Grundsätzlich kann sich jedes Unternehmen, das die Konzessionsauflagen erfüllt, alleine oder im Rahmen eines Konsortiums bewerben. Pro Bewerber darf nur eine Konzession erworben werden. Ausgeschlossen sind Unternehmen, die bereits über eine Konzession im Frequenzbereich zwischen 3.41 und 3.6 GHz verfügen.
Cablecom testet schon
Sei fünf Jahren Besitzer einer solchen Konzession (genau genommen einer WLL-Lizenz) ist Priority Wireless. Das Unternehmen hatte seit 2001 keine Vertretung mehr in der Schweiz. Priority Wireless gehört zur Liberty-Gruppe, die Ende September gegenüber inside-it.ch sagte, ist dieser Frequenzplatz von Priority Wireless bzw. Cablecom jedoch "nicht besonders gut".
Wie hoch ist der Preis?
Die zu vergebenden drei Plätze im genannten Frequenzbereich unterscheiden sich in zwei verschiedene Frequenzausstattungen: Zwei Konzessionen verfügen über je 2 x 21 MHz und die dritte Konzession über 2 x 17.5 MHz. Der Preis für die kleine Frequenz beginnt bei 5,1 Millionen, für die beiden grösseren bei je 6,1 Millionen Franken. ComCom-Präsident Marc Furrer glaubt nicht, dass die effektiven Preise so hoch sein werden, wie die WLL-Konzession von Priority Wireless vor fünf Jahren (160 Millionen Franken). Dies aus drei Gründen, wie er gegenüber inside-it.ch erklärt:
"Zum einen ist der Hype von 2000 längst vorbei - man rechnet wieder, was bei der WLL-Auktion nicht der Fall war. Des weitern haben wir mit der Sealed-Bid-Auktion eine Versteigerung, die die Angebote nicht gegenseitig hochschaukeln lässt. Und zum dritten handelt es sich bei den BWA-Konzessionen nicht um sehr attraktive Lizenzen - d.h. auch die Grossen werden sich zweimal überlegen, einen Riesenbetrag dafür zu bezahlen." Furrer könne sich aber vorstellen, dass kleinere auf BWA spezialisierte Unternehmen eher bereit sind, mehr zu bezahlen.
Mit "Sealed-Bid-Auktion" ist gemeint, dass jeder Bieter ein einziges, unabhängiges und verdecktes Gebot abgibt, dass die anderen Bieter nicht sehen. Die drei "Gewinner" sind verpflichtet, bis spätestens Ende 2007 den kommerziellen Betrieb aufzunehmen und bis Ende 2009 mindesten 120 Sende- und Empfangseinheiten zu betreiben. (Maurizio Minetti)

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