"Wintel" ist endgültig Vergangenheit

23. Januar 2007 um 16:31
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Fazit aus dem Sun-Intel-Deal

Fazit aus dem Sun-Intel-Deal
Die gestrige Nachricht, dass Sun und Intel das Kriegsbeil begraben und Sun künftig auch Maschinen mit Intel-Prozessoren bauen würde, hat sich bewahrheitet. Gestern Nacht traten Sun-Chef Jonathan Schwartz und Intel-Boss Paul Otellini vor die Presse und sprachen über ihre künftige Zusammenarbeit.
Es geht um mehr als nur um den Fakt, dass Sun neben den eigenen Sparc- und AMDs Opteron- auch Intel-Xeon-Prozessoren verbauen wird. Denn im Gegenzug wird Intel seinerseits Suns Betriebssystem den OEM-Kunden anbieten. Sun hat jahrelang - bis zur Veröffentlichung des Betriebssystems als Open-Source-Software eher halbherzig - versucht, Solaris auch Kunden anzubieten, die nicht Sun-Maschinen einsetzen. Zudem will Intel Sun dabei helfen, das Betriebssystem und die "NetBeans"-Entwicklungsumgebung auf den Xeon-Chips lauffähig zu machen. Und der mächtige Chiphersteller Intel wird ausserdem Software-Hersteller dazu ermutern, ihre Produkte für Solaris zu entwickeln. Otellini sprach von Solaris als einem "Mainstream"-Betriebssystem und Schwartz nannte das Bündnis eine "natürliche Kooperation."
Ende einer Epoche: Alle mit allen gegen alle
Diese Ankündigung werde den Markt verändern, sagte Sun-Boss Schwartz in einer im Internet übertragenen Videosendung. Tatsächlich verändert der Sun-Intel-Deal zwar nicht gerade die Welt, aber er markiert das Ende einer Epoche in der IT-Industrie. Die Zeiten des ehernen Bündnisses zwischen Microsoft und Intel, die zusammen als "Wintel"-Allianz (Windows + Intel) den Siegeszug antraten und den PC zum Allgemeingut machten, sind nun definitiv vorbei.
Alle paktieren in irgendeiner Form mit (fast) allen: Dell-Maschinen gibt es unterdessen nicht nur mit Intel-Chips, sondern auch mit solchen von AMD, Windows und Linux laufen auf Sun-Maschinen, IBM vertreibt gleich alle möglichen Betriebssysteme (Z-OS, OS/400, AIX, Windows, diverse Linuxe) auf drei verschiedenen Prozessor-Plattformen (Intel, AMD, den eigenen PowerPC), HP gibt die eigenen CPUs (Alpha) auf und setzt dafür auf Intel - und als zweites Gleis auch AMD. Und so weiter.
Suns Dilemma
Sun Microsystems befindet sich in diesem Spiel "alle gegen alle mit allen" in einer gefährlichen Situation. Denn das Betriebssystem Solaris (stabil, skalierbar, schnell, gut für Entwickler) ist für den Hersteller von hochmargigen Hochleistungs-Maschinen mit eigenen Prozessoren (Sparc) ein wichtiges Argument. Wird Solaris nicht zu einer Art Standard wie es Linux und Windows sind, sinkt der Anreiz, Sun-Maschinen zu kaufen, da die Kunden befürchten könnten, sich etwas "exotisches" anzuschafffen und in einer technologischen Sackgasse zu landen.
Wird Solaris hingegen ganz zu einem weit verbreiteten Standard und ist auf irgendwelchen Servern von irgendwelchen Herstellern einsetzbar, so braucht man nicht mehr unbedingt eine "teure" Maschine von Sun, um von den Vorteilen des Betriebssystems zu profitieren. (Christoph Hugenschmidt)

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