Winti lagert Telefonie an Swisscom aus - ohne Ausschreibung

1. Juni 2015, 12:16
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Stadt Winterthur rechtfertigt freihändige Vergabe: "Keine angemessenen Alternativen".

Stadt Winterthur rechtfertigt freihändige Vergabe: "Keine angemessenen Alternativen".
Die Stadt Winterthur hat einen millionenschweren Auftrag zur Auslagerung der Festnetztelefonie an Swisscom erteilt. Die Miet- und Dienstleistungskosten betragen dabei jährlich 900'000 Franken bei einer Laufzeit von drei Jahren. Mit der Verlängerung um weitere drei Jahre ergibt dies ein Gesamtvolumen von rund 5,3 Millionen Franken.
Veröffentlicht wurde der Zuschlag bereits Mitte Mai - mittlerweile ist die Beschwerdefrist abgelaufen. Swisscom kam konkurrenzlos zum Auftrag; eine Ausschreibung fand nicht statt. Zur Begründung heisst es im Zuschlag, es gebe "keine angemessenen Alternativen". Die bisher erbrachten Leistungen durch Swisscom hätten "zu einem engen Kooperationsverhältnis zur Stadt Winterthur geführt." Die Austauschbarkeit dieser Dienstleistungen sei deshalb "nicht ohne weiteres und insbesondere nicht ohne erhebliche technische und finanzielle Risiken" möglich. Weiter wird argumentiert, Swisscom kooperiere eng mit dem Hersteller der Anlage (Unify, ehemals Siemens): "Die Position der Swisscom ist in diesem speziellen Falle nicht austauschbar."
Da Swisscom beim vorliegenden Outtasking die bestehenden Anlagen zu einem erheblichen Betrag zurückkaufe und dies nicht durch einen anderen zertifizierten Leistungsanbieter durchgeführt werden könne, bestehe keine eigentliche Alternative zu Swisscom.
"Sehr hohe Risiken"
Markus Freuler, der die Informatikdienste der Stadt leitet, erklärt gegenüber inside-it.ch, dass Swisscom bereits heute wichtige Schlüssel-Betriebsleistungen teilweise übernommen habe. "Die Austauschbarkeit dieser Dienstleistungen ist deshalb nur mit massivem zeitlichem Verzug und grossem Aufwand und insbesondere nicht ohne erhebliche technische und finanzielle Risiken möglich. Swisscom hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Stadt Winterthur den umfassenden Ausbau der Telefonie-Systeme vorangetrieben und zu einem reibungslosen Betrieb massgeblich beigetragen."
Auch aufgrund der Komplexität der Telefonie-Anlage, sowie wegen sicherheitsrelevanter Aspekte (Telefonie der Stadtpolizei Winterthur), wäre ein möglicher Wechsel des Providers und der gesamten Infrastruktur gemäss Freuler "mit sehr hohen Risiken verbunden". Swisscom verfüge über die höchsten Zertifizierungen über alle eingesetzten Telefonie-Systemen von Siemens/Unify und habe auch eine Vielzahl von Technikern, welche sehr schnell bei der Stadt Winterthur aktiv werden könnten. "Swisscom verfügt auch über breite Erfahrungen bei Transitionsprojekten im Bereich Siemens-HiPath-Telefoniesystemen bei öffentlichen Kunden und kann somit einen reibungslosen Transfer garantieren", so Freuler.
Durch die Auslagerung will Winterthur jährlich 550'000 Franken einsparen. Indem die Stadt diese Leistungen nicht mehr selbst erbringt, fallen die damit verbundenen Personal-, Betriebs- und Unterhaltskosten weg, sodass über den Zeitraum der nächsten sechs Jahre per Saldo ein Betrag von rund 3,3 Millionen Franken eingespart und auf Investitionen von rund vier Millionen Franken verzichtet werden könne. (mim)
Bild: "View of Winterthur" by Simon Aughton - originally posted to Flickr as Winterthur. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

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