"Wir werden uns noch lange mit der Finanz­branche beschäftigen"

2. Oktober 2015, 14:17
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Unblu-CEO Luc Haldimann erklärt im Interview, wo seine Firma heute steht und wie es weitergehen soll.

Der Softwarehersteller Unblu bietet eine Co-Browsing-Lösung, die insbesondere im Finanzbereich Kunden findet. Im Interview erklärt Mitgründer und CEO, Luc Haldimann, wie es um das Jungunternehmen steht.
Sie haben Unblu 2007 gegründet. Wo steht das Unternehmen heute?
Luc Haldimann: Insgesamt beschäftigen wir etwas über 20 Mitarbeitende. In der Kernentwicklung arbeiten sechs Personen, hinzu kommen Verkauf, Marketing, Produktmanagement und Kundendienst. Noch sind wir mit "Expansionsgeld" unterwegs und damit möchten wir weiter wachsen. Wir könnten zwar schon heute auf eigenen Beinen stehen, aber dies würde auf Kosten der Expansion gehen. Gemeinsam mit Investoren sind wir somit daran, Unblu weiter wachsen zu lassen.
Unblu wurde 2008 gegründet. Haben sich ihre Erwartungen von damals erfüllt?
Luc Haldimann: Wir sind jetzt an einem Punkt, den wir uns für 2012 erwartet haben. Die digitale Transformation geschieht zwar, aber langsamer als gedacht. Interessant ist jedoch, dass sie gerade im Finanzbereich schneller voranschreitet.
Wieso gerade in diesem Bereich?
Luc Haldimann: Der Finanzmarkt ist in der Schweiz stark und auch international interessant. Es gibt im Banking-Bereich viele Einsatzmöglichkeiten für unsere Co-browsing-Lösung. Denn hier besteht ein grosser Bedarf an Erklärung bei digitalen Interaktionen für die Kunden. Eine Bank kann zwar ihre Informationen online zur Verfügung stellen. Wer aber etwa eine Hypothek abschliessen möchte, wird sich dennoch gerne individuell beraten lassen – zunehmend ohne in die Filiale zu gehen.
Sie erwähnen Investitionskapital: Wohin fliesst das Geld und was plant Unblu als Nächstes?
Luc Haldimann: Vorerst investieren wir noch einen grossen Teil des Geldes in die Technologie und das Produkt. Unser Kernprodukt ist die Co-browsing-Lösung. Aktuell arbeiten wir daran, Voice- und Video-Chat-Funktionen weiter aufzubauen. Hinzu kommt das Dokument Co-browsing. Damit kann gemeinsam ein PDF am Bildschirm angeschaut werden, ohne dass etwas heruntergeladen oder installiert werden muss.
Oho. Dann hat Unblu ja bald Konkurrenten wie Microsoft oder Cisco?
Luc Haldimann: Es geht uns darum, passende Zusatzfunktionen zu unserem Produkt anzubieten. Co-browsing bleibt unser Fokus und hier haben wir auch die Nase vorne. Wir möchten aber ein Produkt anbieten, bei dem es nicht nötig ist, dass der Kunde für Zusatzfunktionen einen weiteren Anbieter braucht, wie etwa Microsoft für die Video-Chat-Funktion. Nutzt der Kunde diese jedoch bereits, kann er alleine die Co-browsing-Lösung von uns beziehen.
Wer sind Ihre wichtigsten Kunden?
Luc Haldimann: In der Schweiz sind dies UBS, ZKB, Postfinance, Migros Bank und diverse Kantonalbanken. Ausserdem gehören Banken in Osteuropa, Italien, Deutschland, England und USA zu unseren Kunden. Die Mehrheit unseres Umsatzes erzielen wir bereits international.
Daneben arbeiten wir mit Partnern, wie Avaloq, Finnova, Crealogix, Verint oder auch MISYS. Dies sind wichtige Channel-Partner für uns. Hinzu kommen die Betreiber der Plattformen. In der Schweiz sind dies unter anderem Swisscom, Inventx und B-Source, in Deutschland z.B. die Finanzinformatik.
Die Lösung eignet sich potentiell für eine Reihe von Märkten. Man kann sich beispielsweise vorstellen, dass Unblu im Kundendienst eingesetzt würde. Wo möchte Unblu als nächstes hin?
Luc Haldimann: Wir konzentrieren uns auf die Finanzindustrie und dort auf Banken. Ein weiterer Bereich sind Versicherungen; auch hier haben wir bereits schon längere Zeit Kunden. Der Fokus wird noch lange auf dem Finanzbereich liegen, denn hier haben wir Expertise. Schon nur mit diesem Markt werden wir uns in Zukunft noch einige Jahre beschäftigen können und dabei stark wachsen.
Auch die internationale Präsenz werden wir im Finanzbereich weitertreiben. Es gibt Vieles, das mit unserer Technologie möglich wäre. Aber wir möchten uns nicht mit neuen Einsatzgebieten verzetteln.
Und wann wird Unblu von einem der grossen Software-Anbieter gekauft?
Luc Haldimann: Der Verkauf der Firma war und ist nicht unser Ziel. Wir wollen ein starkes Unternehmen mit eigener Kultur und marktführender Technologie etablieren. Aber ich müsste ein Angebot natürlich im Sinne der Aktionäre prüfen.
Wäre es nicht einfacher, in Polen oder noch weiter weg programmieren zu lassen?
Luc Haldimann: Wir haben in der Schweiz ausgezeichnet ausgebildete Fachleute. Diese verstehen zudem, was unsere Kunden brauchen. Dazu gehören nicht nur Architektur und Design, sondern auch Konzept und Implementierung. Ich glaube nicht, dass wir davon profitieren würden, wenn wir die Softwareentwicklung ins Ausland verlegen würden. Im Gegenteil. (Das Gespräch führten Katharina Jochum und Christoph Hugenschmidt)

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