"Wir werden von SAP in Ruhe gelassen"

29. April 2010, 09:08
  • business-software
  • sap
  • übernahme
  • software
image

Der Gründer der Thurgauer Softwareschmiede SAF, Andreas von Beringe, über die Zukunft des Forecasting-Spezialisten unter dem Dach von SAP.

Der Gründer der Thurgauer Softwareschmiede SAF, Andreas von Beringe, über die Zukunft des Forecasting-Spezialisten unter dem Dach von SAP.
Europas grösster Softwarehersteller SAP hat letztes Jahr erstmals in der langjährigen Unternehmensgeschichte ein grösseres Schweizer Unternehmen gekauft. Der in Deutschland börsenkotierte Thurgauer Softwarehersteller SAF gehört mittlerweile zu über 70 Prozent SAP und soll in Zukunft ganz übernommen werden. Trotzdem bleibe SAF ein unabhängiger Hersteller von Prognose- und Bestellsystemen für Handel, Logistik und Industrie, wie SAF-Mitgründer Andreas von Beringe (Foto) im Gespräch mit inside-it.ch sagt.
"Nicht mehr jeden Tag sechzehn Stunden arbeiten"
Nach der Übernahme durch SAP entschieden sich der damalige SAF-CEO von Beringe, Mitgründer Gerhard Arminger (der allerdings nicht im Vorstand war) sowie Finanzchefin Susanne Bergsteiner und COO Oliver Drehmann, das Unternehmen zu verlassen. Er wie auch die anderen hätten nach über zehn Jahren bei SAF den Drang verspürt, etwas anderes zu machen, so von Beringe. Es sei auch Zeit gewesen, die Leitung der jüngeren Generation zu überlassen, sagt der 58-jährige Österreicher.
Da SAP ihn gebeten habe, länger zur Verfügung zu stehen, bleibt er als Verwaltungsratspräsident von SAF an Bord. Von Beringe geht davon aus, dass er diese Funktion noch fünf Jahren ausüben wird – falls die Aktionäre nichts dagegen haben. Auf operativer Ebene will er sich künftig im Bereich der Firmengründungen und Private Equity bewegen. "Ich glaube, dass ich mit meiner Erfahrung einen Beitrag leisten kann", so von Beringe. Entscheidend für den Erfolg von SAF sei gewesen, dass man eine Nische entdeckt und eng mit der Wissenschaft zusammengearbeitet habe. Zurzeit nehme er sich aber vor allem für die Familie Zeit. "Ich will nicht mehr jeden Tag sechzehn Stunden arbeiten und ständig im Flugzeug sitzen", sagt von Beringe.
Gemäss von Beringe hat SAF im vergangenen Jahr nicht nur mit SAP, sondern auch mit anderen Branchengrössen über einen Verkauf verhandelt. Namen wollte er aber verständlicherweise keine nennen. Rückblickend sei der Verkauf an SAP eine gute Sache gewesen, sagt von Beringe, der 20 Prozent der SAF-Anteile besass und Mit-Entscheider beim Verkauf an SAP war. Um weiter zu expandieren, sei die Verbindung mit SAP richtig gewesen. Von Beringe glaubt, dass SAP an der Eigenständigkeit von SAF festhalten werde. Bisher laufe es sehr gut: "Wir werden von SAP komplett in Ruhe gelassen, um unsere Stärken als Hersteller von automatischer Bestellsoftware weiter ausbauen zu können", so von Beringe.
Coop ist Kunde – Migros nicht
Bereits vor der Übernahme verwendete SAP die Technologie von SAF für das Modul Forecasting & Replenishment. Es dürfte naheliegend sein, dass die SAF-Technologie nun überall dort eingesetzt wird, wo SAP Forecasting-Funktionen benötigt. Darüber entscheide allein SAP, sagt von Beringe. Im deutschsprachigen Raum gibt es jedenfalls gemäss von Beringe keine vergleichbaren Anbieter, die Produkte für grosse Unternehmen anbieten: "Die meisten vergleichbaren Unternehmen sind nach dem Platzen der Dot-Com-Blase verschwunden."
SAF beschäftigt zurzeit 100 Personen, davon zirka 70 in der Schweiz. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 16,6 Millionen Euro. Der Nettogewinn sank aufgrund einmaliger Belastung durch den Verkauf an SAP um 65,7 Prozent auf 0,7 Millionen Euro. Ein bekannter Schweizer Anwender von SAF-Technologie ist der Detailhandelsriese Coop. Zu den internationalen Kunden zählen unter anderem Home Depot und Metro. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

W&W Immo Informatik übernimmt Fairwalter

Das Portfolio des Anbieters von Immobiliensoftware soll durch die Applikation von Fairwalter komplettiert werden.

publiziert am 26.1.2023
image

Die Entlassungswelle schwappt nach Europa

Bis jetzt haben die Entlassungen bei Big Tech vornehmlich den US-Arbeitsmarkt getroffen. Nun will auch SAP 3000 Jobs streichen und Kosten senken.

publiziert am 26.1.2023
image

Mitel will Unify-Business von Atos kaufen

Der Kommunikationsspezialist will den Bereich Unified Communications & Collaboration von Atos übernehmen. 3000 Mitarbeitende könnten ihren Arbeitgeber wechseln.

publiziert am 25.1.2023
image

Aktivistischer Investor steigt mit Milliarden bei Salesforce ein

Beim SaaS-Anbieter könnte es noch turbulenter werden: Die aktivistische Investment­firma Elliott Management beteiligt sich mit mehreren Milliarden Dollar an Salesforce.

publiziert am 25.1.2023