"Wir zählen auf Ihre Solidarität!"

4. August 2020, 14:55
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Der Anbieter von ConcertoPro bat die Reseller brieflich um eine Art freiwilliger Spende. Halten die Nöte bei Proseller an? Der neue CEO nimmt Stellung.

Die Schweizer E-Commerce-Einkaufsplattform ConcertoPro geriet wegen dem E-Commerce-Boom im Lockdown sofort in finanzielle Probleme. Dies zeigt ein Brief des Betreibers Proseller an Reseller, der inside-channels.ch vorliegt. Im Brief klagte der Gründer und damalige Geschäftsführer von ProSeller am 20. März, man habe die Server-Kapazitäten wegen des Booms verdoppeln müssen und "eine Person ist zurzeit alleine mit dem Management der Server beschäftigt, da es durch die Krise zusätzlich laufend zu vermehrten Hacker-Attacken kommt".
Die dadurch entstehenden Kosten könne man nicht selbst tragen, so Proseller, der die Partner beschwört: "Indirekt betreiben wir alle den Marktplatz Concerto (...) daher zählen wir auf Ihre Solidarität!"
Diese Solidarität könne ein Reseller "freiwillig" (im Brief mit Anführungszeichen versehen) beweisen, indem er mindestens 219 Franken überweise.
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Der Brief von Proseller (Auszug)
Warum Proseller, eine private Firma, diese aussergewöhnliche "Solidaritätsaktion" startete, die in Inhalt und Form an einen Spendenaufruf eines untergehenden Hilfswerks erinnert, erklärt die Firma so: "Wie viele andere Firmen wurden auch wir von der Krise überrascht und von der Situation etwas überfordert. Gerade der grosse Ansturm auf eCommerce und HomeOffice hat uns operativ sehr belastet, ohne dass wir das mit einem Mehr an Aufträgen gegenrechnen konnten. Zusätzlich gab es eine hohe Unsicherheit bezüglich der generellen Zukunft unserer Kunden und damit auch für uns, weshalb als Vorsichtsmassnahme intern alle Optionen zur Verbesserung der Situation diskutiert wurden. Die freiwillige ProSeller-Solidaritätsaktion, bei welcher ein transaktionsabhängiger Wert berechnet und nicht als Mindestbetrag angegeben wurde, ist deshalb in diesem Corona-Kontext zu sehen," so Patrick Schnellmann auf Anfrage.

Wie steht es um Proseller und Concertopro heute?

Der "Solidaritätsbeitrag" sei bescheiden berechnet, so der Brief weiter, weil man damit rechne, dass 85% der Briefempfänger Geld überweisen würden. So stellen sich nun, einige Monate nach dem Aufruf mehrere Fragen: Welche Resultate erzielte Proseller finanziell? Wurde die erwartete Response-Quote von 85% erreicht? Fehlt weiterhin Geld? Muss Proseller nun Kosten senken oder ist die Existenz gar gefährdet? Oder können Sie Ihre Kapazitäten nun wieder herunterfahren, weil der Traffic wieder sank?
Schnellmann nimmt keine Stellung auf die einzelnen Fragen, sondern antwortet: "Es gab sehr viel positive Resonanz auf unseren Brief, verbunden auch mit Einzahlungen. Wieviel genau wird wohl erst im Jahresabschluss 2020 ermittelt werden."
Die Lage habe sich inzwischen "deutlich entspannt", und für ProSeller habe sich die eigene Strategie ausgezahlt. "Corona hat für viel Wirbel gesorgt und die Digitalisierungsanstrengungen der Firmen deutlich beschleunigt. Das Projektgeschäft profitiert nun deutlich von diesem Effekt, so dass ProSeller inzwischen auch für 2020 einen positiven Ausblick im Forecast verbuchen kann", hält Schnellmann fest.
Laut seinem LinkedIn-Profil ist Schnellmann seit März neuer CEO von Proseller. "Die Formalitäten werden derzeit gerade umgesetzt, sagt er und fügt an, Mitgründer Alfred Rossi bleibe als Inhaber weiterhin im Geschäft tätig.

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