Wird der BI-Markt aufgemischt?

23. März 2011, 14:23
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Wovon SAP erst seit kurzem spricht, nämlich "In-Memory"-Technologie und der Zugriff auf Geschäftsinformationen mit mobilen Geräten, macht QlikTech schon lange. Ob nun die Karten neu gemischt werden?

Wovon SAP erst seit kurzem spricht, nämlich "In-Memory"-Technologie und der Zugriff auf Geschäftsinformationen mit mobilen Geräten, macht QlikTech schon lange. Ob nun die Karten neu gemischt werden?
Der in Schweden gegründete, heute aber in den USA angesiedelte Software-Anbieter QlikTech hat eine interessante Story zu erzählen. Denn schon 1993, als Memory-Bausteine noch ungeheuer teuer waren, glaubte man bei QlikTech an die Zukunft von In-Memory-Technologie. Erst im Sommer 2009 propagierte auch SAP-Mitgründer Hasso Plattner die Technologie, bei der komprimierte Daten zwecks Auswertung in neuartigen Datenbanken im Hauptspeicher abgelegt werden, als revolutionäre Technologie der Zukunft.
Seitdem QlikTech 2002 von Schweden in die USA umzog und sich erst mit Risikokapital und letzten Sommer mit viel Geld von der Börse ausrüstete, wächst der Anbieter rasant. So konnte der Hersteller den Lizenzabsatz letztes Jahr um glatte 45 Prozent steigern. Mit viel Geld ausgestattet holt QlikTech nun laufend Manager von der Konkurrenz. So heuerte erst letzte Woche der ehemalige Oracle- und Siebel-Mann Les Bonney als COO bei QlikTech an, DACH-Chef Wolfgang Kobek
Von Viren lernen
"Wir sehen heute eine riesige Chance für uns," sagt Kobek, den wir anlässlich einer Kundenveranstaltung in Zürich heute trafen. "Die drei grossen Anbieter (Business Objects, Cognos, Hyperion) wurden übernommen, während wir unabhängig sind. Wir sind der einzige grosse BI-Anbieter, der zur Zeit organisches Wachstum zeigen kann. Business Objects zum Beispiel verkauft neue Produkte nur an die SAP-Bestandeskunden," so Kobek.
QlikView, wie das Produkt von QlikTech heisst, hat gemäss dem Anbieter zwei grosse Vorteile: Es kann schneller implementiert werden und es erlaubt, riesige Datenmengen sehr rasch mit Google-ähnlichen, laufend neu formulierten, Abfragen zu durchforschen. Dies mache die Anwender zu ihrem wichtigsten Verbündeten, erklärt Kobek seine Strategie: "Wenn wir innerhalb einer Firma bei einem einzigen Anwender landen können, können wir unsere Verbreitung wie ein Virus expandieren." So verschenkt QlikTech - wie es beispielsweise Salesforce auch tut - seine Lösung an Einzelanwender, die damit beispielsweise Daten aus Excel-Tabellen analysieren können. Kobek: "Wir betreten die Firmen durch die Hintertür."
Kann QlikTech das Wachstum halten?
Aufwind erhofft sich Kobek auch vom Erfolg von Apples Tablet-PCs, den iPads. Mit der QlikView-Version für iPhone und iPads können Manager oder Sales-Leute unterwegs und sofort Datenbestände der Firma analysieren, ohne zuerst bei der Informatik-Abteilung neue Abfragen oder Daten-"Cubes" (analysierbare Datenbestände) beantragen zu müssen. "Wir machen die Manager unabhängiger und entlasten die IT-Abteilungen," so Kobek.
Die QlikTech-Story ist interessant und die Zahlen des BI-Spezialisten eindrücklich. Sollte es dem mit viel Geld und neuen Managern ausgerüsteten Hersteller gelingen, das rasante Wachstum aufrecht zu erhalten, so könnten die Karten im lukrativen Geschäft mit Lösungen für Business Intelligence tatsächlich neu gemischt werden. Doch noch ist QlikTech mit 100 Mitarbeitenden im DACH-Raum verglichen mit der Konkurrenz ein kleiner Fisch. Zudem kann der unabhängige BI-Hersteller jederzeit übernommen werden. Microsoft beispielsweise, hat viel Geld und ein grosses Interesse an BI. (Christoph Hugenschmidt)

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