Wird Microsoft zum Spyware-Hersteller?

30. Juni 2005, 17:09
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Microsoft in Übernahmegesprächen mit Claria (Ex-Gator Corp.)

Microsoft in Übernahmegesprächen mit Claria (Ex-Gator Corp.)
Gemäss übereinstimmenden Berichten von 'New York Times' und 'Wall Street Journal' hat Microsoft in den letzten Tagen Übernahmegespräche mit dem kalifornischen Unternehmen Claria Corp. geführt haben – einem Unternehmen, das vielen Surfern noch unter dem Nahmen Gator Corp. in unangenehmer Erinnerung sein dürfte.
Gemäss 'NYT' bot Microsoft bis zu 500 Millionen Dollar für die Übernahme. Sowohl die Times als auch das 'Wall Street Journal', die sich beide auf Insiderquellen stützen, berichten aber auch, dass die Verhandlungen an einem dünnen Faden hängen und Microsoft sie eventuell abbrechen werde.
Inbegriff für Adware
Gator war bekannt für seine Adware und Spyware, die viele Benutzer zum Beispiel beim Installieren von Shareware-Programmen ohne ihr Wissen mitinstallierten. Diese teilweise schwer wieder zu entfernenden Programme zeichneten darauf das Verhalten eines PC-Benützers beim Surfen auf, und die Adware-Komponenten blendeten entsprechende Werbung ein. Gator war ein bekannter Name und wurde oft von Datenschützern als einer der schlimmsten Verletzer der Privatsphäre in der Adware-Szene bezeichnet.
Nach der Umbenennung in Claria scheint das Unternehmen allerdings Besserung gelobt zu haben, und versucht seither sogar, mit Datenschützern zusammenzuarbeiten.
Sogar Ballmer und Gates im Streit?
Trotzdem befürchten gemäss 'NYT' viele Leute bei Microsoft, dass eine Übernahme das Image von Microsoft empfindlich schädigen würde. Microsoft könnte dann als "Big Brother" dargestellt werden, der versucht, jeden einzelnen Mausklick der Surfer aufzuzeichnen.
Die Pro-Fraktion bei Microsoft glaube dagegen, dass der Betriebssystemriese das Adware-Gebiet sogar aufräumen und Regeln durchsetzen könnte, um die Privatsphäre zu schützen. Der Disput soll dabei auf höchster Ebene ausgefochten werden, sogar CEO Steve Ballmer und Bill Gates höchstpersönlich sollen darin verwickelt sein (Leider wird nicht berichtet, wer auf welcher Seite steht). Der Haupthintergrund soll allerdings der Konkurrenzkampf mit Google sein. Die Claria-Technologie könnte zum Beispiel gebraucht werden, um die Services (und die Werbeeinblendungen) auf MSN auf die Gewohnheiten der User zuzuschneiden. (Hans Jörg Maron)

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