Wissensmanagement: Zu viel IT, zu wenig Alltag

31. Oktober 2008, 14:49
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Wissen aufzubauen, zu erhalten und zu verbreiten ist für den langfristigen Erfolg einer Organisation unerlässlich. Dabei spielen Methodik und Kultur eine entscheidende Rolle. Doch investiert wird in Systeme...

Wissen aufzubauen, zu erhalten und zu verbreiten ist für den langfristigen Erfolg einer Organisation unerlässlich. Dabei spielen Methodik und Kultur eine entscheidende Rolle. Doch investiert wird in Systeme...
Mit Wissensmanagement ist es ein bisschen wie mit CRM (Customer Relationsship Management): Alle reden davon, dass Aufbau, Erhalt und Verbreitung von Wissen vor allem eine Frage von Kultur, Methode und Prozessen sei, investiert wird aber trotzdem vor allem in Informatik.
Dies ist eine der Erkenntnisse, die wir aus der Durchsicht der neuen Studie "Wissens-Management. Lehren aus 20 Jahren Erfahrung" (Details siehe unten) gewonnen haben. Die Untersuchung beruht auf der Online-Befragung 263 Personen im deutschsprachigen Raum. Da die Umfrageteilnehmer freiwillig mitmachten, muss man aber davon ausgehen, dass sie sich beruflich mit dem Thema auseinandersetzen und einige Resultate der Studie deshalb mit Vorsicht zu geniessen sind.
So gibt die Hälfte der Teilnehmer an, ihre Organisation betreibe aktiv Wissensmanagement, 17 Prozent wollen in den nächsten zwei Jahren damit beginnen und nur 33 Prozent befassen sich nicht damit. Diese Zahlen dürften in einer repräsentativen Studie anders herauskommen.
Investiert wird in IT - statt in den Alltag
Lösungen für die Pflege der Kundenbeziehungen (CRM-Systeme) scheitern oft daran, dass der einzelne Verkäufer gar kein Interesse daran haben kann, seine Beziehungen und sein Wissen über Kunden dem Arbeitgeber zu überlassen, da er sich damit automatisch ersetzbar macht.
Ähnlich ist es mit Wissensmanagement. Deshalb sind Erhalt und Verteilung von Wissen (über Kunden, Prozesse, erfolgreiche Methoden, ...) innerhalb einer Firma zuerst eine Frage der Kultur. Das beste Wiki nützt nichts, wenn Entwickler ihre Lösungen nicht dokumentieren und andere Entwickler und Projektleiter allenfalls dokumentierte Lösungen und Methoden nicht anschauen, weil "not invented here".
Doch die Studie zeigt deutlich auf, dass das Investitionsverhalten der Firmen zu dieser einfachen und logischen Überlegung im Widerspruch steht. Klar am meisten Geld wird in IT-Anwendungen investiert, am wenigsten hingegen in kulturelle Programme und in Wissensmanagement-Methodik. (Siehe Grafik)
Diese Diskrepanz scheint den Spezialisten durchaus bewusst zu sein. Als grösste Herausforderung wird nämlich "Verankerung im Alltag" genannt. An zweiter Stelle der Probleme, die die Leute mit Wissensmanagement haben, kommt "Erfolgsmessung", gefolgt von "Aufbau & Verankerung der Kultur", "Motivation der Mitarbeitenden" und die Sichtbarmachung des Nutzens von Wissensmanagement. (Christoph Hugenschmidt)
Die 64-seitige Studie wurde von Joe Namesnik, iKnowledge, Clemente Minonne, Wissens-Management.ch und Norbert Briner von Sieber & Partners verfasst. Sie kostet 290 Franken und kann online bestellt und heruntergeladen werden.

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