Wohin Swisscom IT Services steuert

20. Oktober 2010, 12:43
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Krabbeln entlang der Wertschöpfungskette: Der IT-Outsourcing-Arm von Swisscom will vermehrt ganze Geschäftsprozesse abdecken. Zudem wird über Near- und Offshoring laut nachgedacht. Und: Swisscom lanciert Cloud-Services.

Krabbeln entlang der Wertschöpfungskette: Der IT-Outsourcing-Arm von Swisscom will vermehrt ganze Geschäftsprozesse abdecken. Zudem wird über Near- und Offshoring laut nachgedacht. Und: Swisscom lanciert Cloud-Services.
Swisscom IT Services (SITS) ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, einerseits dadurch, dass man grosse (Banken-)Deals an Land gezogen hat, andererseits aber auch durch strategische Akquisitionen. In der Schweizer Banken-IT dürfte die Goldgräberstimmung allerdings bald vorbei sein: Nur noch wenige Banken, vor allem Privatbanken, haben sich noch nicht für eine Standardisierung ihrer IT entschieden. Der Markt für Migrationsprojekte wird sich eher früher als später konsolidieren. Deshalb bereitet sich SITS schon seit geraumer Zeit auf den nächsten Industrialisierungsschub in der Finanzindustrie vor.
Fokus auf BPO
Das Auslagern ganzer Geschäftsprozesse – Stichwort Business Process Outsourcing (BPO) – werde schon in wenigen Jahren den Banken-Dienstleistungs-Markt bestimmen, hiess es an einer Medienveranstaltung von SITS heute Morgen in Zürich. Anhand einer Delphi-Studie des Unternehmens management & advisory services (mas) wurde dargelegt, dass sich die Wertschöpfungskette der Banken weiter reduzieren wird. Der Trend gehe in die Richtung von Verarbeitungszentren, die jegliche Prozesse der Banken abdecken können.
Gemäss Marktanalysen wächst der Schweizer Banken-IT-Markt jährlich mit einer Rate von 4,4 Prozent. "Prozessoutsourcing und Application Management werden in den kommenden drei bis vier Jahren überdurchschnittlich wachsen", sagte Marcel Walker, CEO der SITS-Tochter Comit. Seiner Meinung nach sind sich die meisten Banken bewusst, dass sie die steigende Komplexität langfristig nicht mehr meistern können und deshalb einen spezialisierten Partner brauchen.
SITS ist spätestens mit dem Kauf des BPO-Dienstleisters Sourcag. Nach Einschätzung von Experten hat die Konsolidierung unter den BPO-Anbietern damit erst begonnen. Tatsächlich tummeln sich in diesem Bereich schweizweit diverse Akteure, vor allem aber auch Banken: Kaum wahrgenommen wird etwa die Crédit Agricole, die in der Westschweiz führend im BPO-Bereich ist. SITS hofft nun, in den kommenden Jahren – auch durch Übernahmen – im BPO-Markt weiter Fuss zu fassen.
Offshoring ist ein Thema
SITS will aber auch in anderen strategischen Bereichen wachsen. Im Fokus stehen etwa SAP- und Workplace-Services. Auch das sind zwei Segmente, die kürzlich durch Zukäufe (Resource) gestärkt wurden. Einzig im Bereich der Infrastruktur-Services, sprich RZ-Dienstleistungen, erwartet SITS bis 2013 einen Rückgang des Marktanteils.
Da der Kostendruck auch unter Outsourcern zunehme, müsse man sich Gedanken über Near-und Offshoring machen, sagte SITS-Chef Eros Fregonas. Man spreche diesbezüglich bereits mit möglichen Partnern, so Fregonas, der aber betonte, dass noch nichts entschieden sei. Schon heute kooperiert Comit mit dem indischen IT-Dienstleister Polaris. In Zukunft könne man etwa das Software-Testing auslagern, nannte Fregonas ein Beispiel. Im Gesamtkontext von SITS sei Offshoring jedoch nach wie vor ein kleiner Teil, sagte Walker.
Fregonas kündigte heute zudem an, dass Swisscom im ersten Quartal des kommenden Jahres Cloud-Services lancieren werde. Zwar betreibe man das, was heutzutage Cloud Computing genannt werde, schon seit geraumer Zeit, sagte Fregonas. Doch nun steige man in grösserem Umfang ein. Details nannte er allerdings nicht. (Maurizio Minetti)

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