Wollen Telcos Gratis-VoIP killen?

17. August 2006, 15:41
  • telco
  • infineon
image

Infineon entwickelt eine Technik, die es erlaubt, Internet-Telefonie zu unterbinden.

Infineon entwickelt eine Technik, die es erlaubt, Internet-Telefonie zu unterbinden.
Der Münchner Chiphersteller Infineon hat eine Technik patentieren lassen, mit der Telcos oder Provider Gespräche über Voice over IP (VoIP) "stören" können. Dies melden deutsche Medien unter Berufung auf eine routinemässige Veröffentlichung des deutschen Patentamtes. Offensichtlich besteht für eine solche Technik ein Bedürfnis, denn Unternehmen, die Internet- und Telefonanschlüsse anbieten, haben nichts davon, wenn ein Kunde gratis über Skype telefoniert. Im Gegenteil: Der Datentraffic ist beachtlich.
Die Infineon-Technik ist eigentlich recht einfach: Es wird eine grosse Menge Voice-Daten gleichzeitig durch die Leitung gepusht, damit Kapazitätsprobleme auftreten. Weil viele Netzwerkknoten die verschiedenen Datentypen trennen, kann gezielt der Strang mit den Telefondaten mit Anfragen gestört werden. Wer dabei versucht, zu telefonieren, wird es wohl schnell aufgeben. Laut 'Financial Times Deutschland' lösche ein spezieller Filter die Stördaten am anderen Ende der Leitung. Dadurch könne man nicht nachweisen, dass eine Stör-Technik verwendet wird.
Der beliebteste Anbieter von Internet-Telefonie, Skype, wäre vermutlich von einer solcher Störung nicht betroffen, schreibt 'FTD'. Skype übermittle die Gespräche "verschlüsselt nach einem eigenen geheimen Verfahren". Dadurch seien die Voice-Daten unterwegs schwerer als Telefonat zu erkennen als bei anderen Programmen. So landen sie nicht in der Warteschlange für Telefongespräche und erreichen die andere Seite unbeschadet.
Noch ist nicht bekannt, ob Infineon die Erfindung für ein Produkt nutzen will. Das Unternehmen hat sich bisher nicht offiziell dazu geäussert. 'Die Zeit' zitiert einen Sprecher des Unternehmens, der behauptet, die Technik sei aus ganz anderen Gründen entwickelt worden. Sie diene dem "Management des Datenflusses". Ziel sei es Internet-Telefonie durch das Unterscheiden von Voice-Daten besser handhaben zu können. (mim)

Loading

Mehr zum Thema

image

Meinung: Big-Tech-Beteiligung an Netzausbaukosten ist absurd

Das wäre, wie wenn sich Mercedes und VW sich am Strassenausbau oder Samsung und Miele am Stromnetzunterhalt beteiligen würden, kommentiert Chefredaktor Reto Vogt.

publiziert am 27.9.2022 3
image

Swisscom und EU-Telcos fordern Big-Tech-Beteiligung an Netzkosten

16 CEOs von europäischen Telekomunternehmen wollen, dass sich Google, Meta, Netflix & Co. am Netzausbau beteiligen. Die Forderung ist nicht neu, doch der Ton gewinnt an Schärfe.

publiziert am 26.9.2022
image

268 Millionen IPv4-Adressen sind verschwunden

Ein Forscher bezichtigt Adobe, Amazon und Verizon der unrechtmässigen Verwendung von reservierten IPv4-Adressen. Dadurch werden diese praktisch unbrauchbar.

publiziert am 20.9.2022
image

Huawei Schweiz ehrt seine "Partner des Jahres 2022"

Der chinesische Technologiekonzern betont bei der Award-Vergabe 2022 "bedeutende Projekte" der öffentlichen Hand.

publiziert am 20.9.2022