Woran IT-Abteilungen in den nächsten Jahren zu beissen haben

16. Oktober 2008, 11:42
  • it-strategie
  • gartner
  • zukunft
image

Nicht mehr Geld, aber weiter steigende Anforderungen an IT-Abteilungen: Konzentration auf das Wesentliche und viel Diplomatie ist angesagt, meint Gartner.

Nicht mehr Geld, aber weiter steigende Anforderungen an IT-Abteilungen: Konzentration auf das Wesentliche und viel Diplomatie ist angesagt, meint Gartner.
Das renommierte Marktforschungsinstitut Gartner versucht wieder einmal einen Blick in die Zukunft. In den nächsten zwei Jahren werden sich CIOs und ihre IT-Abteilungen weltweit mit den Folgen der wirtschaftlichen Krise einerseits und den weiter steigenden Forderungen andererseits, wichtige Unternehmensziele besser zu unterstützen, auseinandersetzen müssen. Mit Geld werden sie solche Probleme aber nicht "erschlagen" können, da die IT-Budgets kaum steigen.
Gartner glaubt, dass die IT-Abteilungen am erfolgreichsten sein werden, denen es gelingt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und einige Hauptknackpunkte zu lösen. Dabei handelt es sich aber weniger um technologische Herausforderungen als um kritische Punkte in der Beziehung zwischen IT-Abteilungen und ihren Unternehmen. Um damit umzugehen wird teilweise einiges diplomatisches Geschick erforderlich sein.
Knackpunkt 1: Die Erwartungen von der Business-Seite übersteigen die Möglichkeiten der IT-Abteilungen, sie zu erfüllen
In den letzten Jahren, so Gartner, haben Unternehmen von ihrer IT verlangt, sich immer stärker "extern" zu orientieren, auf Kunden, neue Produkte und Services, neue Prozesse oder neue Vertreibsgebiete. Dummerweise hätten aber nur wenige CIOs die geigneten Mannschaften, um solche Ansprüche wirklich gut zu erfüllen. In der nächsten Zeit, so Gartner, sollten CIOs diesen "Skills Gap" stärker berücksichtigen und davon Abstand nehmen, Personal allein aufgrund von technischen Fähigkeiten einzustellen.
Knackpunkt 2: Wie modernisiert man möglichst schnell Infrastrukturen und Betriebsprozesse und senkt gleichzeitig die Kosten?
Investitionen in die Modernisierung von Infrastrukturen und ihrem Betrieb sind der einzige Weg, um mit steigenden Leistungsanforderungen mitzuhalten. Dies muss aber mit dem Zwang, Kosten zu senken, vereinbart werden können. Gartner rät dazu, vor allem Projekte ins Auge zu fassen, die sich schnell "selbst bezahlen" können. Dies sei oft bei Konsolidierungs- und Virtualisierungsprojekten der Fall.
Knackpunkt 3: Nicht nur die Informatik sollte für Security- und Risiko-Management verantwortlich sein
Sicherheit und die Vermeidung von Risiken sind nicht nur ein IT-Problem, das verantwortungsbewusste Verhalten von Angestellten ist mindestens ebenso wichtig. Das ist unter Security-Experten ein Gemeinplatz, sollte aber, so Gartner, in Unternehmen auch ganz offiziell anerkannt werden. Risiko-Manager aus der IT - möglichst mit einer gewissen Überzeugungskraft gesegnet - sollten darum IT-Anwender und Abteilungsleiter dazu überreden, einen Teil der Verantwortung für Risiken zu übernehmen, welche die von ihnen gebrauchten IT-Systeme und -Prozesse betreffen. Und zwar schwarz auf weiss und mit Unterschrift.
Knackpunkt 4: Wer kümmert sich um die BI-Strategie?
IT-Verantwortliche beklagen sich häufig darüber, dass es in ihren Unternehmen an einer konsistenten Strategie für Business Intelligence mangelt und dass es unklar ist, wer BI-Anliegen fördert und dafür zuständig ist. Gleichzeitig gibt man sich auf der Business-Seite oft damit zufrieden, für wichtige Entscheidungen improvisierte Ad Hoc-Werkzeuge zu Rate zu ziehen. Gartner rät dazu, sich nach 'Best Practices' umzuschauen und, nicht ganz uneigennützig, zum Beispiel das Gartner-eigene ‘Business Intelligence and Performance Management Framework’-Modell zu benützen, um eine komplette und integrierte BI-Strategie zu entwerfen.
Knackpunkt 5: Wie kriege ich meine Lieferanten dazu, ihre Versprechungen zu erfüllen?
Gerade bei Dienstleistungs-Verträgen gibt es immer wieder Dispute. Kunden tragen zwar einen Teil der Verantwortung dafür, "kompetente Einkäufer" von Dienstleistungen zu sein. Beide Seiten sollten aber flexibler bei der Interpretation von Vertragsbedingungen und -Optionen werden. Gute Dienstleister, die ja naturgemäss die grössere Erfahrung haben sollten, würden ihre Kunden warnen, wenn sie beim Aufsetzen von Veträgen Fehler begehen, findet Gartner.
Knackpunkt 6: Territorialkämpfe in der IT-Abteilung
Oft gibt es zwischen verschiedenen IT-Abteilungen und IT-Architekten Spannungen darüber, wer wofür zuständig ist. Reviere, und das damit verbundene Machtgefühl, werden nicht gerne abgegeben. Dies ist besonders ausgeprägt der Fall, wenn viele Bereiche übergeordnete Planungskommitees unterhalten. Gartner rät, die Planungskompetenzen in den drei Bereichen Enterprise-Architektur, Business Process Management und Service Management zu konzentrieren, um Konflikte zwischen verschiedenen Standpunkten zu minimieren.
Knackpunkt 7: Sollten wir Applikationen modernisieren? Und wenn ja, wann?
Das Problem der Legacy-Applikationen und -Infrastrukturen ist seit Jahren ein Dauerthema. Viele Business-kritische Anwendungen basieren aber auch heute noch auf Code, der vor Jahrzehnten von Entwicklern programmiert wurde, die ihre Unternehmen längst verlassen haben, und läuft auf Infrastruktur, die obsolet ist. Solche Applikationen sollten eigentlich dringend modernisiert werden. Aber der starken Motivation zur Migration stehen auch grossen Hinderungsgründe entgegen, sowohl technischer als auch finanzieller Natur. Viele Unternehmen beschränken sich daher, so Gartner, auf Debatten konkrete statt Projekte anzureissen oder ignorieren das Problem lieber ganz.
Wer die Modernisierung wirklich anpacken will, so Gartner, wird anerkennen müssen, dass die Komplexität und Grössenordnung solcher Projekte die normalen IT-Budgets und -Ressourcen bei weitem übersteigt. Man wird daher nicht darum herumkommen, dafür ein einmaliges Restrukturierungsbudget zu reservieren.
Knackpunkt 8: In welche Abteilung gehören die Business-Prozess-Spezialisten?
Gartner glaubt, dass Experten für Business-Prozesse nicht in bestehende Strukturen eingegliedert werden sollten, sondern in eigene "hybride" Abteilungen, die direkt dem Betriebsleiter bzw. COO unterstehen. Diese Kompetenzzentren für Business-Prozesse hätten relativ wenige feste Mitarbeitende. Experten aus den einzelnen Business-Bereichen und der IT sollten je nach Bedarf für die Dauer von Projekten beigezogen werden.
Knackpunkt 9: Wie viel Bürokratie braucht es im Projektmanagement?
Gemäss Gartner galuben viele Betroffene, dass zu viel "Bürokratie" Projekte lähmen kann. Ihnen gegenüber stehen die Vertreter von immer mehr formell festgelegten Prozessen und mehr Aufsicht, die glauben, dass nur so die Erfolgsquote von Projekten verbessert werden kann.
Die Wahrheit liegt hier gemäss Gartner nicht etwa in der Mitte, sondern in einer ganz anderen Richtung: In Zukunft würden Änderungen und laufende Anpassungen in einem Projekt immer normaler und auch erwartet. Adäquate Management-Methoden würden daher Projekte in zunehmend kleinere Arbeitsschritte aufteilen, um solche Richtungsänderungen mitten im Projekt besser zu ermöglichen. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Daten sollen strategisches Gut sein

Eine Befragung zeigt, dass Unternehmen noch wenig Wert aus ihren Daten generieren. HPE AI Advisor Bernd Bachmann erklärt, warum das so ist und wie sich das ändern könnte.

publiziert am 8.12.2022
image

Ob- und Nidwalden erhalten gemeinsame Informatikstrategie

Beide Kantonsparlamente stimmen einer IT-Zusammenarbeit zu. Das E-Government soll ausgebaut werden.

publiziert am 1.12.2022
image

Halbleiter-Umsätze werden sinken

Gartner prognostiziert einen Rückgang im Halbleiter-Markt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen und die geschwächte Nachfrage würden sich negativ auswirken.

publiziert am 30.11.2022
image

Kostendruck lässt IT-Budgets steigen

Die IT-Ausgaben im EMEA-Raum sollen nächstes Jahr wieder steigen, prognostiziert ein Report von Gartner. Umsatztreiber sollen die Cloud und Business-Software sein.

publiziert am 10.11.2022