Xerox arbeitet an mehrfach bedruckbarem Papier

2. Mai 2008, 15:00
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Die nächste Revolution bei Printing-Technologien?

Die nächste Revolution bei Printing-Technologien?
Viele bahnbrechende Neuerungen - so etwa ein grafisches Mensch-Maschine-Interface für Computer, das wir heute unter dem Namen "Windows" jeden Tag antreffen - stammen aus dem 'Palo Alto Research Center' (PARC) von Xerox. Nun scheint den PARC-Ingenieuren ein weiteres Mal ein Coup gelungen zu sein: Die Entwicklung eines Papiers, dessen Inhalt sich selbst löscht und das damit vielfach wiederverwendbar ist. Da viele Ausdrucke, zum Beispiel E-Mails, nur kurze Zeit benötigt werden, könnte man mit wiederverwendbarem Papier viel Energie sparen, ist die Überlegung hinter der Neu-Entwicklung.
Das im PARC entwickelte, mehrfach bedruckbare Papier wurde mit einer lichtempfindlichen Chemikalie bestrichen. Dazu kommt ein LED-Drucker, der mit Licht einer bestimmten Frequenz arbeitet und mit dem man das Papier ganz normal bedrucken kann. Das Gedruckte verschwindet aber bei Zimmertemparatur innert 16 bis 24 Stunden, so dass sich das Papier danach wieder verwenden lässt. Es ist auch möglich, die Bedruckung des Papiers innert Sekunden, während des Druckvorgangs zu löschen. Wie einem kleinen Film auf der Webseite des PARC zu entnehmen ist, kann das Papier theoretisch unendlich oft wiederbedruckt werden, solange es nicht zerknittert oder sonstwie beschädigt wird.
Gemäss Eric Shrader, der beim PARC für die Entwicklung von industriellen Inkjet-Systemen verantwortlich ist, ist man aber noch weit von einer kommerziellen Verfügbarkeit eines solchen Papiers entfernt. "Unsere Experimente zeigen, dass mehrfach bedruckbares Papier grundsätzlich möglich ist. Das ist der erste Schritt, aber nicht der einzige, hin zu ein einem kommerziell verwertbaren System", wird Shrader in einer Pressemitteilung des PARC zitiert.
Keine Tinte, kein Toner mehr
Die potentiellen Folgen der Neuentwicklung des PARC sind kaum abschätzbar. Drucker, die das neue "Wunderpapier" verwenden würden, würden weder Tinte noch Toner brauchen und könnten deshalb auch sehr viel kleiner gebaut werden. Damit würden sich natürlich auch die Geschäftsmodelle der Hersteller und Händler verändern. Statt Drucker sehr günstig zu verkaufen und danach mit Tinte oder Toner Geld zu verdienen, müssten die Hersteller entweder die Drucker wieder zu profitablen Preisen verkaufen, oder dann aber mehr für das Papier verlangen. Die Xerox-Forscher haben sich allerdings zum Ziel gesetzt, das Papier zu vergleichbaren Kosten herstellen zu können, wie Paul Smith vom kanadischen Xerox-Labor in einem interessanten Interview mit 'Black and White" sagte.
Aus dem gleichen Interview geht auch hervor, dass die mögliche Auflösung des Drucks auf solchem Papier schier unbegrenzt hoch ist. Da das ultraviolette Licht die Farbe des mit einer Chemikalie getränkten Papiers Molekül für Molekül verändert, könnte man mit dem neuen Druckverfahren nicht nur Geld sparen, sondern auch noch in bisher unbekannter Schärfe drucken.
Grosse Einsparungen von Energie
Der grösste Vorteil der neuen Drucktechnologie würde aber in der Einsparung von Energie, die bekanntlich in Zukunft wesentlich teurer werden wird, liegen. Shrader machte zu Cnet news.com folgendes Rechenbeispiel: Die Herstellung eines Blatt Papiers benötigt etwa 204'000 Joules, diejenige eines Blatts Recycling-Papiers ungefähr 114'000 Joules. Das konventionelle Bedrucken eines Blatts benötigt etwa 2'000 Joules, so Schrader.
Ein Blatt mit der neuen Technologie zu bedrucken, benötigt hingegen nur etwa 1000 Joules, wenn man die Bedruckung nicht im Drucker löscht, sondern einfach verblassen lässt, sogar nur 100 Joules. Es lässt sich damit einfach ausreichnen, dass mit wiederverwendbarem Papier rasch sehr grosse Mengen an Energie eingespart werden könnten. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: © by Xerox. Paul Smith zeigt die Verblassung des mit der neuen Technologie bedruckten Papiers.)

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