Youtube.ch: Lokalisierung bringt nicht allen etwas

9. April 2013, 12:49
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Glückliche Gesichter bei Google: Heute ging die lokalisierte Version von Youtube live. Neue Möglichkeiten für Inhalte-Anbieter und Werber. Aus User-Sicht gibts nicht viel zu jubeln.

Glückliche Gesichter bei Google (v.l.n.r.): Andreas Brise (Strategic Partner Development Youtube im deutschsprachigen Raum), Oliver Heckmann (Director of Engineering Youtube), Matthew Glotzbach (Managing Director Youtube EMEA) und Patrick Warnking (Country Director von Google Schweiz) stellen Youtube.ch vor.
"I couldn't be more excited!" - Kaum ein anderer Satz gehört so sehr zum Lieblingsvokabular angelsächsischer Manager. So äusserte ihn heute Morgen in Zürich Matthew Glotzbach gleich zwei Mal. Glotzbach ist für den Internetkonzern Google in der Region EMEA für den Videodienst Youtube zuständig. Er und weitere lokale Google-Manager stellten heute am Zürcher Hauptsitz Youtube.ch vor.
Auswirkungen für Nutzer, Inhalte-Anbieter und Werber
Die Lokalisierung von Youtube hat im Wesentlichen drei Auswirkungen: Erstens für die Nutzer, zweitens für die Inhalte-Produzenten und drittens - für Google essenziell - für die Werbetreibenden. Die Nutzersicht wurde heute Morgen nicht stark gewichtet. Google-Schweiz-Chef Patrick Warnking sagte bloss, dass Schweizer Nutzer ab heute mehr Schweizer Content finden sollen.
Der zweite Punkt betrifft das Partnerprogramm, dessen Launch bereits bekannt war. Dieses Programm startete bereits 2008 in Europa und ermöglicht es jedermann, Inhalte direkt bei Google zu monetarisieren. Bislang wurden Schweizer Partner aber nur selektiv zum Partnerprogramm hinzugefügt. Nun ist dieses für alle offen. Weltweit gibt es bereits eine Million Partner. Google konnte sich allerdings noch nicht mit der Schweizer Verwertungsgesellschaft Suisa einigen. Schweizer Musiker können ihre Werke also bislang nicht monetarisieren.
Da Google vor allem mit Werbung Geld verdient, ist der dritte Punkt für Google der wesentliche: Werbeauftraggeber und Agenturen bekommen mehr Möglichkeiten, auf Youtube zu werben. So können sie zum Beispiel die Homepage von Youtube.ch für 24 Stunden buchen. Die Werbeformate sind international gleich, man kann also für viel Geld eine globale (Video-)Kampagne lancieren. Werbevideos, die vor normalen Videos ausgestrahlt werden, können User nach fünf Sekunden wegklicken. Werden die Videos nicht angeschaut, bezahlt der Werbetreibende nichts dafür.
Spezialisten am Werk
Google erlaubte heute auch einen seltenen Einblick in die Räumlichkeiten an der Zürcher Brandschenkestrasse 110. Überhaupt eine Premiere sei, dass man den Medien zeige, was das Youtube-Team mache, erklärte ein Presseverantwortlicher. Allzu tief ins Detail ging es natürlich nicht, doch immerhin erfährt man, dass das hiesige Youtube-Team unter anderem für die Zählung und die Auswertung der Klicks zuständig ist. Unter anderem sorgen sie auch dafür, dass mittels der Content ID Urheberrechte eingehalten werden. Wenn also jemand ein Home-Video mit einem Song von Bob Dylan auf Youtube lädt, klingeln die Alarmglocken und Google löscht das Video oder sorgt dafür, dass der Urheber des Songs an allfälliger Werbung mitverdient. Dafür müssen die Inhalte-Anbieter zuvor den sogenannten "Finger-Abdruck" ihres Videos oder Songs Google übermitteln.
Von der Schweiz aus arbeiten auch jene Spezialisten, die dafür sorgen, dass der Dienst möglichst immer online bleibt. Ist Youtube doch einmal nicht erreichbar, erscheint im englischsprachigen Raum unter Umständen die Meldung: "Sorry, something went wrong. A team of highly trained monkeys has been dispatched to deal with this situation." Nun, diese "trainierten Affen" arbeiten von Zürich aus. Wie Oliver Heckmann, Director of Engineering Youtube, zu inside-it.ch sagte, sind rund 90 Prozent der Angestellten im Schweizer Youtube-Team Software-Entwickler - und zwar aus unterschiedlichsten Ländern.
Google Schweiz ist mit über 800 Angestellten der grösste Entwicklungsstandort des Unternehmens ausserhalb der USA. Das hiesige Youtube-Team sei nach jenem in Kalifornien das grösste überhaupt, hiess es heute. Wie viele "Youtuber" hier arbeiten, gibt Google nicht bekannt. (Maurizio Minetti)

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