Zaghaft zahme Schweizer Software-Industrie

25. Oktober 2004, 20:35
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Gibt es "swiss made" in der High-Tech-Industrie? Und wenn ja, was bedeutet es?

Wieviel wert ist "swiss made" im Zeitalter von Offshoring und Pisa-Studie? Diese interessante Frage diskutierten heute abend im gut gefüllten Zürcher Jazzclub Moods einige Vertreter der Schweizer High-Tech-Industrie. Auf dem Podium sassen neben Andrej Vckovski vom Veranstalter Netcetera, Herbert Bächler (CTO Phonak), Ernst Uhlmann (CEO Fela), Martin Künzli (ZHW), Daniel Fürst (Swiss Space Office), Carl Wich (Siemens Schweiz) und Martin Spieler (HandelsZeitung). Obwohl durchaus kontroverse Positionen vertreten wurden, gingen diese vor lauter "sich-nicht-wehtun" unter.
So wurde zwar betont, Schweizer Ingenieure seien weiterhin gut ausgebildet, hätten praxisnahe und pragmatische Lösungsansätze und seien Spitze im Entwickeln von Gesamtlösungen. Doch auf den Einwand von Phonak-CTO Bächler, das Problem liege wohl eher bei der Vermarktung denn in der Ingenieurskunst, ging man nicht weiter ein. Auch die Bemerkung von Wich (Siemens), "swiss made" werde heute innerhalb von Siemens eher mit "teuer", denn mit "gut" übersetzt, löste keine Debatte aus.
Man war sich einig, dass Ingenieure hier zu Lande ein zu tiefes Image geniessen. Bächler "Die Leute gehen lieber nach St. Gallen und wollen managen. Die sollten sich mal klar machen, woher der Stutz kommt." Doch über die Verschulung der höheren Ausbildung in der Schweiz wollte man nicht reden. Ebenso wenig darüber, dass Software-Ingenieure heute eben auch Fähigkeiten als Kommunikatoren und Verkäufer brauchen.
Ebenso blieben gesellschaftliche Forderungen unkonkret und zaghaft. Fast schien es, als versuchten die Podiumsteilnehmer den Ruf nach einem Beitritt zur EU anzustimmen, ohne das Wort "EU" (oder gar Euro) in den Mund zu nehmen. So war denn der älteste der Teilnehmer, Fela-Gründer Ernst Uhlmann, der Mutigste: "Mich stört, dass die Schweiz an der Grenze aufhört."
Mehr Frechheit und Lust zur Kontroverse hätten nicht nur der Podiumsdiskussion gut getan. Auch die helvetische Software-Industrie könnte davon noch eine gute Portion brauchen. (Christoph Hugenschmidt)
(Interessenbindung: Der Veranstalter des Podiumsgesprächs, Netcetera unsere Business-Applikation gebaut.)

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