Zensoren freuen sich über AWS- und Google-Entscheide

3. Mai 2018, 12:46
  • security
  • google
  • russland
  • telegram
image

Ein E-Mail von AWS weckt bei den Verantwortlichen des Messengers Signal grosse Sorgen. Das E-Mail besagt nämlich, dass Signal die Nutzungsbedingungen von AWS verletze und droht dem Messenger mit Rauswurf.

Ein E-Mail von AWS weckt bei den Verantwortlichen des Messengers Signal grosse Sorgen. Das E-Mail besagt nämlich, dass Signal die Nutzungsbedingungen von AWS verletze und droht dem Messenger mit Rauswurf.
Der Vorwurf: Signal nutze die Amazon-Domain Souq.com für Domain Fronting und dies ohne Erlaubnis. Bei Domain Fronting umschifft man die Internetzensur indem man den wahren Endpunkt einer Verbindung versteckt. Google hat die Technik vor kurzem verboten.
Der End-to-End-verschlüsselte Messenger sagt, man nutze Domain Fronting, um speziell in Ägypten, Oman, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Iran verfügbar und keiner Zensur unterworfen zu sein.
Und weil man dies nicht mehr via Google tun könne, habe man AWS Cloudfront als Content-Delivery-Netzwerk-Service gewählt. Aber man glaube nicht, dass man die Nutzungsbedingungen verletze: "Unsere CloudFront-Distribution verwendet nur das SSL-Zertifikat unserer eigenen Domain und keiner anderen". Und "wir verfälschen die Herkunft des Datenverkehrs nicht, wenn unsere Kunden eine Verbindung zu CloudFront herstellen".
Unbeeindruckt unterbindet AWS Domain Fronting nun offenbar komplett.
Damit ist nach Ansicht von Signal das Domain Fronting in Ländern mit Zensur keine Option mehr, um sie zu umgehen. Die Zensoren in den genannten Ländern hätten zumindest momentan obsiegt. "Traurigerweise mussten sie nichts tun, als zu warten". Die Signal-Verantwortlichen arbeiten an einer Lösung, scheinen diese aber noch nicht gefunden zu haben.
TechCrunch' kommentiert den Schritt von Google und AWS kritisch: Die beiden Giganten würden nur solange freie Meinungsäusserungen ermöglichen, als es ihre Geschäfte nicht beeinträchtigt.
Der Entscheid kommt parallel dazu, dass Russland und Iran versuchen, den verschlüsselten Messenger Telegram zu blocken (welcher in Russland aber dank Domain Fronting bislang nicht zensiert werden konnte).
Die Tech-Giganten Google und AWS sagen, Domain Fronting sei nie ein explizites Angebot gewesen. Dies sei nur ein "Nebeneffekt". Die Technik wird nicht nur von verschlüsselten Messengern genutzt, sondern auch von Hackern. (mag)

Loading

Mehr zum Thema

image

Google will ChatGPT-Konkurrenz öffentlich zugänglich machen

OpenAI hat mit Microsoft den Kampf um die Zukunft des Internets eröffnet, nun zieht Google nach. Das bedeutet ein Umdenken im Suchmaschinenkonzern.

publiziert am 3.2.2023
image

Cyberangriff auf die Uni Zürich

Die Angreifer scheinen äusserst professionell vorzugehen, erklärt die Zürcher Hochschule. Noch gebe es keine Hinweise, dass Daten verschlüsselt oder abgegriffen worden sind.

publiziert am 3.2.2023
image

So arbeiten Googles interne Hacker

Hoodies, Plasmalampen, digitale Brandstiftung. Daniel Fabian, Leiter von Googles Team Red, zeigt Praktiken seiner Hacker-Gruppe.

publiziert am 2.2.2023
image

Cyberangriff auf Adesso Deutschland

Kriminelle haben Systeme kompromittiert und Daten kopiert. Kundendaten sind laut dem IT-Dienstleister nicht abgeflossen.

publiziert am 2.2.2023