Zentralbahn lanciert coole App, die noch viel cooler sein könnte

6. Juni 2016, 13:39
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Heute Morgen durfte ich Tourist spielen.

Heute Morgen durfte ich Tourist spielen. Ich fuhr –zusammen mit diversen Top-ManagerInnen der Zentralbahn und der Zürcher Software-Schmiede Netcetera – mit der Zentralbahn von Luzern nach Lungern und wieder zurück. Das Wetter war gut, die Aussicht vom Panoramawagen aus wunderbar und das Plättli auf der Rückreise der kurzen Strecke perfekt angepasst.
Zentralbahn-Chef Renato Fasciati liess es sich nicht nehmen, die wenigen angereisten Journalisten persönlich zu begrüssen. Anlass war der Launch einer App, von der sich die Zentralbahn einiges verspricht. Gäste können mit "LiveGuide", einer iOS- und Android-App, ihre Fahrt auf einer Karte verfolgen, ortsgenau touristische Zusatzinfos anhören, erhalten Push-Nachrichten zu wichtigen Punkten und können sich einen Film mit der Sicht aus der Führerkabine anschauen. LiveGuide gibt es in deutsch, englisch und chinesisch und funktioniert offline. Dies ist zentral, denn die Zentralbahn bietet kein Wlan in den Zügen an und für viele TouristInnen sind die Roaming-Kosten für Daten prohibitiv.
Da es in der Innerschweiz ja nicht selten regnet oder neblig ist, hat die App das Potential, TouristInnen, die bei schlechtem Wetter eher langweilige Fahrt zu versüssen. Sie ist schön gemacht, kostenlos und durchaus unterhaltend.
Entwickelt hat die App die Zürcher Software-Schmiede Netcetera. Sie ist kein Kundenprojekt, sondern wird von Netcetera unter dem Namen "RailVista" vermarktet.
Was auch noch alles möglich wäre
Trotz schönem Wetter und cooler App war ich etwas enttäuscht. Denn wirklich attraktiv wäre die App, wenn man damit mehr erleben könnte, als üblicherweise möglich ist. Warum kann man damit nicht im Cockpit mitfahren? Die Menükarten von Restaurants, an denen man vorbeifährt, studieren? Kurze Dok-Filme mit Menschen aus der Umgebung schauen (Hightech bei Maxon Motors, Slowfood beim Bauern nebenan)? Je nach Wetter den Ausflugsplan (ins Hallenbad statt auf den Berg) ändern? Bei schlechtem Wetter anschauen, was hinter dem Nebel steckt? Etwas über die Ökolgie der Voralpen lernen – samt einer Version für Kinder?
Die Zentralbahn, die einen "fünfstelligen Betrag" in die App gesteckt hat, will nun die Reaktion des Publikums testen und später allenfalls weitere Features hinzufügen. Die Sicht aus Live-Kameras hinzuzufügen, scheiterte bisher an der Schwierigkeit und wohl vor allem an den Kosten, in wechselnden Zugkompositionen ein drahtloses Netzwerk aufzubauen. Grundsätzlich bietet Netceteras "RailVista" diese Funktion bereits.
Wie Rafael Pérez Süess, bei Netcetera für "New Markets" verantwortlich, sagt, sprechen die Zürcher mit total sieben Bahnen der Schweiz. Man darf gespannt darauf sein, ob es den Schweizer Tourismus-Gebieten und "ihren Bahnen" gelingt, mittels Digitalisierung ihr Angebot für Kunden einmalig zu machen. (hc)
(Interessenbindung: Netcetera ist als Technologiepartner ein wichtiger und geschätzter Kunde unseres Verlags.)

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