ZKB: "Wir müssen Trauerarbeit leisten"

29. August 2008, 16:02
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Die Zürcher Kantonalbank verlocht durch das Scheitern der IT-Kooperation mit der Waadtländer Kantonalbank 10 Millionen Franken. Doch die IT-Kosten werden in Zukunft höher ausfallen als bei einem Gelingen des Projekts.

Die Zürcher Kantonalbank verlocht durch das Scheitern der IT-Kooperation mit der Waadtländer Kantonalbank zuerst einmal 10 Millionen Franken. Doch die IT-Kosten werden in Zukunft höher ausfallen, als bei einem Gelingen des Projekts.
"Milliarden-Flop der Zürcher Kantonalbank" titelte heute Freitag der 'Tages-Anzeiger'. Dabei geht es um das am Donnerstagabend bekannt gewordene IT-Debakel der ZKB. Wie berichtet, stellte die ZKB fest, dass es viel länger dauern würde und das Ganze zu teuer gewesen wäre.
Aber: Ist es tatsächlich ein "Milliarden-Flop"? Nicht wirklich. So hat der 'Tagi' selbst in der Online-Ausgabe daraus schon einen "Millionen-Flop" gemacht.
Der Flop aber bleibt. Heute Morgen sagte ZKB-Chef Martin Scholl an einer Medienkonferenz in Zürich, dass die Bank durch den Stopp dieses Projekts einen Abschreibungsbedarf von "weniger als zehn Millionen Franken" habe. Die BCV ihrerseits sagte gestern, sie habe zwei Millionen Franken verloren.
"Virtuell" 40 Millionen im Jahr verloren
Trotzdem bleibt unklar, wie viel die beiden Banken wirklich verloren haben. ZKB-Sprecher Urs Ackermann sagt gegenüber inside-it.ch, dass heute die IT-Kosten 18 Prozent des Betriebsertrags der ZKB ausmachen. Das sind 360 Millionen Franken im Jahr. Wäre das Projekt zu Ende gebracht worden, hätte man diese Quote auf 10 bis 12 Prozent (200 bis 240 Millionen Franken) runterdrücken können. Nun, ohne Partner, geht man davon aus, dass im Jahre 2012 die IT-Kosten 240 bis 280 Millionen Franken betragen werden. Das wären 12 bis 14 Prozent des Betriebsertrages. So gesehen, verliert die ZKB "virtuell" jedes Jahr 40 Millionen Franken.
Was das Personal angeht, weist Ackermann darauf hin, dass noch keine externen Projektleute engagiert worden seien. Diese hätten für die Mandantenfähigkeit der Plattform sorgen müssen. Die ZKB arbeitet mit SAP für Buchhaltung, Finanzen und Kontenführung, mit Avaloq für die Wertschriftenverwaltung sowie mit Siebel als CRM. Wie Ackermann zu inside-it.ch sagt, gab es keine technologischen Schwierigkeiten bei der geplanten Zusammenführung. Man habe aber festgestellt, dass das Projekt zu zeitaufwendig, zu teuer – und folglich zu risikoreich – sei.
Trauerarbeit leisten
Die ZKB betont immer wieder, dass die IT-Plattform, unabhängig vom gescheiterten BCV-Projekt, seit 1999 kontinuierlich erneuert wird. Laut Ackermann hat man dafür bisher 1,1 Milliarden Franken ausgegeben. Bis 2012 – dann soll die Erneuerung abgeschlossen sein – sollen noch Investitionen von 250 Millionen Franken hinzukommen.
Die Idee einer Kooperation mit einem IT-Dienstleister oder mit einer anderen Bank scheint momentan ziemlich abwegig. Die grösste Schweizer Kantonalbank scheint kapiert zu haben, dass es nicht einfach ist, einen Partner zu finden mit ähnlich hoher Komplexität. Immerhin ist die BCV die zweitgrösste Kantonalbank in der Schweiz. Wenn es mit ihr nicht geklappt hat, mit wem soll es dann klappen? Die ZKB denkt jetzt jedenfalls nicht an eine neue Partnerschaft. Sprecher Ackermann: "Wir müssen jetzt zuerst mal Trauerarbeit leisten..." (Maurizio Minetti)

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