Zoom schafft Umsatz­rekord, Aktie stürzt trotzdem ab

31. August 2021, 12:33
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Der Videokonferenzdienst Zoom rechnet künftig mit weniger Wachstum.

Nachdem die Coronapandemie den Wandel der Arbeitswelt kräftig beschleunigt und einen starken Trend zum Homeoffice ausgelöst hat, haben Kommunikationsplattformen wie der Videokonferenzdienst Zoom heftig profitiert. Nun aber kehren immer mehr Beschäftigte in die Büros zurück. Das trübt den Geschäftsausblick für Zoom deutlich ein, wie das Unternehmen in seinem aktuellen Quartalsbericht einräumte. Dies könnte auch für Zoom-Konkurrenten zutreffen.
"Wir haben unser erstes Quartal mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar erreicht und dabei starke Profitabilität geliefert", verkündete Zoom-Chef Eric Yuan. Doch obwohl die Zahlen für das vergangene Vierteljahr die Erwartungen übertrafen, interessierten sich Anleger weniger für die Zahlen des vergangenen Vierteljahres als für die Prognose für das laufende Quartal. Hier zeigte sich Zoom verhalten und stellte seinen Investoren deutlich schwächere Geschäftszuwächse in Aussicht als während des Booms zu Beginn der Pandemie.
Die Aktie fiel nachbörslich zeitweise rund 12% ins Minus. Dabei liefen die Geschäfte zuletzt noch rund: In den 3 Monaten bis Ende Juli verdiente Zoom unter dem Strich 316,9 Millionen Dollar und damit über 70% mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse wuchsen um 54% auf 1,02 Milliarden Dollar. Doch während die meisten anderen Unternehmen von solch starken Wachstumsraten nur träumen können, hatte Zoom in den Vorquartalen noch wesentlich kräftiger zugelegt.
Zudem geht die Firma davon aus, dass der Kundenandrang weiter nachlässt. Für das aktuelle Quartal stellte Zoom gegenüber dem Vorjahreszeitraum "nur" noch einen rund 30-prozentigen Anstieg des Umsatzes in Aussicht. Hier hatten sich einige Analysten mehr ausgerechnet. Im jüngsten Quartal gab es bereits Schwachpunkte in der Geschäftsentwicklung und Anzeichen dafür, dass der Zoom-Boom nach der Corona-Krise dauerhaft abflauen könnte. So gewann das Unternehmen beispielsweise weniger lukrative Grosskunden hinzu als angenommen.
Zoom ist zudem immer stärkerer Konkurrenz ausgesetzt. Rivalen wie Slack, aber auch Grosskonzerne wie Microsoft oder Cisco buhlen intensiv um Homeoffice-Nutzer. Zoom bereitet sich jedoch schon seit längerem auf die Zeit nach der Pandemie vor, wenn die Bedeutung von Videokonferenzen im Arbeitsalltag deutlich sinken könnte. Um das Geschäft breiter aufzustellen, leistete sich das Unternehmen im Juli mit dem fast 15 Milliarden Dollar schweren Kauf des Call-Center-Spezialisten Five9 seine bisher grösste Übernahme.

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