Zürcher Justiz bricht RIS2-Softwareprojekt ab

1. September 2016, 14:15
  • e-government
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Nach einem vorläufigen Abbruch letztes Jahr, wird die Weiterentwicklung von RIS2 nun definitiv gestoppt.

Statt der Eigenentwicklung RIS2 wird die Direktion der Justiz und des Inneren auf Standardsoftware setzen.
Vor einem Jahr hat die Zürcher Justizdirektion des neuen Rechsinformationssystem RIS2 vorläufig gestoppt. Nun hat sich Jaqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und es Innern, entschieden, das direktionseigene System nicht weiter zu bauen. Die Direktion nehme damit Abstand von Software-Entwicklungen und setze auf Standard-Applikationen, heisst es in einer Mitteilung der Direktion.
Eigenentwicklung funktioniert, Projekt zu komplex
Die Software wurde von der Zürcher Justizdirektion selbst entwickelt und sollte das 1988 in Betrieb genommene und mittlerweile technisch veraltete RIS1 ersetzen. Das Projekt sorgte schon mehrfach für Diskussionen, insbesondere weil es bedeutend teurer ist, als zunächst angenommen. Statt der budgetierten acht Millionen Franken wuchsen die veranschlagten Kosten auf über 20 Millionen Franken an. Zudem sorgte eine freihändige Vergabe im Rahmen des Projekts für Wirbel.
Ab Herbst 2014 konnten schliesslich die Zürcher Staats- und Jugendanwaltschaften mit dem neuen IT-System arbeiten. Geplant war, die Software auch bei weiteren Einheiten der Direktion der Justiz und des Innern einzuführen. Aufgrund der Komplexität der Anwendung, wurde das Projekt jedoch vergangenes Jahr vorläufig gestoppt und eine Überprüfung angeordnet. Diese sollte klären, ob eine Weiterentwicklung sinnvoll ist, oder ob die Direktion mittelfristig auf eine Standard-Lösung setzen soll. Wie die Direktion der Justiz und des Innern auf Anfrage von inside-it.ch betont, funktioniere die Software, dort wo sie eingesetzt wird. Vor einem Jahr habe man aber erkannt, dass es von den Kosten her kritisch werden könnte und deshalb die Untersuchung eingeleitet.
Jetzt wird Standardsoftware eingekauft
Die Überprüfung, an der auch Externe beteiligt war, ist nun abgeschlossen. Gestützt auf die Resultate der Untersuchung hat sich Fehr entschieden, RIS2 nicht weiter zu entwickeln.
Die Staats- und Jugendanwaltschaften arbeiten weiter mit RIS2, heisst es in der Mitteilung der Direktion. Die Anwendung wird gewartet. Gegenüber inside-it.ch erklärt die Direktion zudem, dass Änderungen oder Erweiterungen "im kleinen Umfang" vorgenommen werden, falls dies etwa durch neue gesetzlichen Anforderungen nötig werde. Wie lange RIS2 im Einsatz bleiben wird, ist noch offen. Der vorgeschriebene Abschreibungszeitraum im Kanton Zürich beträgt fünf Jahre, erklärt der Kommunikationsbeauftragte der Direktion.
Für den Bereich des Justizvollzugs leite man den Kauf einer Standard-Justizsoftware in die Wege. RIS2-basierte Anwendungen waren zudem für Bereiche der Geschäftsverwaltung vorgesehen. Als Alternative wird hier nun für alle Bereiche eine Standard-Geschäftsverwaltungssoftware beschafft. Im Rahmen dieser Beschaffungen und wird irgendwann auch RIS2 wieder abgelöst. Wie viel Geld für RIS2 ausgegeben wurde, wird auf Anfrage noch nicht kommuniziert.
In den kommenden Wochen stellt die Direktion insbesondere die finanziellen Folgen des Entscheids detailliert dar und unterbreitet zudem dem Regierungsrat einen Antrag zum weiteren Vorgehen. (kjo)

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