Zürcher Steueramt verteidigt Startup-Steuern

20. Mai 2016, 07:31
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Der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) hat am Donnerstag die neue Praxis bei der Besteuerung von Startups im Kanton Zürich verteidigt.

Der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) hat am Donnerstag die neue Praxis bei der Besteuerung von Startups im Kanton Zürich verteidigt. Die Jungunternehmer zeigen sich nach wie vor unzufrieden und fordern weitere Änderungen. Schützenhilfe erhalten sie von den bürgerlichen Parteien. Bereits im März hatte der Zürcher Regierungsrat Änderungen bei der Besteuerung von Startups im Kanton Zürich bekanntgegeben. Weil die Kritik aus den Reihen der Jungunternehmer sowie der bürgerlichen Parteien und der Wirtschaft seither nicht abgenommen hat, nahm Ernst Stocker (SVP) am Donnerstag vor den Medien Stellung zur neuen Praxis. "Jungunternehmen sollen in Zürich die gleichen steuerlichen Bedingungen haben wie in anderen Kantonen", sagte der Finanzdirektor.
Zusätzlich zu den bereits beschlossenen Änderungen wird das Steueramt deshalb künftig für Fälle, die den Betroffenen unangemessen erscheinen, "konkrete Einzelfallbetrachtungen" anbieten. Eingerichtet wird dafür speziell eine Anlaufstelle für Bewertungsfragen. Wie bereits bekannt, müssen Aktionäre von Startups mit externen Investoren im Kanton künftig in den ersten fünf Jahren weniger Vermögenssteuern zahlen. In den ersten drei Jahren nach der Gründung wird der Wert einer Firma, auf dem Eigentümer ihre Vermögenssteuer entrichten müssen, auf Basis des viel geringeren Substanzwerts statt des Verkehrswerts berechnet. Danach folgt ein zweijähriger, gradueller Übergang und ab dem sechsten Jahr werden die Startups ordentlich besteuert.
Grosszügiger als andere Kantone
"Ich möchte, dass Startups bei uns im Kanton bleiben", betonte Stocker. Zürich sei mit seiner Regelung sogar grosszügiger als andere Kantone. Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte der Finanzdirektor und betonte, dass eigentlich eine nationale Lösung die beste Variante wäre. Die spezielle Situation der Startups werde in Zürich heute besser berücksichtigt. Als grosse Herausforderung bezeichnete Stocker die Gleichbehandlung aller Steuerpflichtigen. Die Frist von drei Jahren, während derer die Jungunternehmen noch nicht ordentlich besteuert werden, lasse sich gegenüber anderen Aktionären vertreten. Die Kritik der Gegner zielt denn auch nicht in erster Linie auf diese drei Jahre ab. Zwar erachten die Vertreter der Startup-Szene diese Frist als "viel zu kurz", da es bis zur Marktreife oft sehr viel länger dauert - etwa in der Pharma-Industrie. Sie stören sich aber vor allem an der Bemessungsgrundlage für die Vermögenssteuer.
Aktien dürfen nicht verkauft werden
"Gründer von Startups müssen ein virtuelles Vermögen besteuern", sagte Stefan Steiner vom Startup Förderprogramm venturelab. Investoren steuern für den Aufbau einer Firma Geld bei und erhalten dafür Aktien. Verkauft werden können diese aber erst, wenn ein Startup Marktreife erreicht. "Vorher gibt es auch keine Nachfrage danach", sagte Steiner. Das Steueramt bemisst die Vermögenssteuer genau nach diesen Mitteln der Geldgeber. "Wenn ein Investor einem Unternehmen Geld gibt und dafür Anteile an den Aktien erhält, ist dieser Preis ein Indiz dafür, was die Firma wert ist", sagte Marina Züger, Amtschefin beim kantonalen Steueramt. Diese Finanzierungsrunden müssten deshalb mitberücksichtigt werden.
Etablierte KMU werden anders besteuert
Startup-Vertreter fordern stattdessen, dass ihre Unternehmen gleich besteuert werden wie KMU, nämlich nach der so genannten Praktikermethode. Unterstützung erhalten sie von den bürgerlichen Parteien. Die neue Bemessungspraxis sei sachlich falsch und könne zu exorbitanten zusätzlichen Kosten für Startups führen, heisst es in einem dringlichen Postulat von FDP, SVP und CVP, das am Montag im Kantonsparlament eingereicht wird. Für den Fall, dass die schweizerische Steuerkonferenz nicht innert nützlicher Frist auf das Thema eingehe, müsse eine Änderung des kantonalen Gesetzes geprüft werden, heisst es im Vorstoss. (sda/mik)

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