Zürich als trendige Lok - auch im IT-Bereich

16. Mai 2011, 12:09
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Die Stadt Zürich ist das Zentrum der IT-Industrie des ganzen Kantons. Die Stadtkreise 4 und 5 sind das Mekka der so genannten Kreativindustrie.

Die Stadt Zürich ist das Zentrum der IT-Industrie des ganzen Kantons. Die Stadtkreise 4 und 5 sind das Mekka der so genannten Kreativindustrie.
Kreislauf 4 + 5 hiess der Anlass, und Schilder mit grossen Zahlen markierten über 90 Läden und Ateliers, die am vergangenen Wochenende geöffnet waren. Sie wollten auf das "Herz von Zürich, den kreativen Schrittmacher" aufmerksam machen, so das organisierende PR-Büro. Der Anlass lockte, trotz Regenschauern und Kälteeinbruch, zahlreiche Urbaniten auf und um die Langstrasse.
Als UPC Cablecom noch Rediffusion hiess
Vor einem Jahrzehnt noch war eine Geschäftsadresse in den zwei Stadtkreisen Aussersihl und Industrie nicht unbedingt begehrt: Statt eines Interdiscounts gab es im Quartier einen nerdigen Hardware-Schrauber mit obskuren Öffnungszeiten (am UPC-Cablecom-Hauptsitz gegenüber prangte übrigens noch das Rediffusion-Schild), vor der PwC-Niederlassung standen Kleindealer, und wo heute im lichtdurchfluteten Showroom Edelbrillen gezeigt werden, verscheuchte ein grimmiger Malermeister Drogenkonsumierende auf der Suche nach Salmiakgeist aus dem Farbgeschäft.
Das sind tempi passati: Wer hier wohnt oder arbeitet, gilt als trendy und hip. Das Quartier ist weitgehend gentrifiziert und luxussaniert. An Wochenenden sind Hundertschaften Partywilliger unterwegs und unter der Woche werden in Ateliers, Bürogemeinschaften oder Grossraumbüros bis spätabends Projekte und Aufträge bearbeitet. Nirgends in der Schweiz dürfte die Dichte an Macs und grossen Bildschirmen höher sein.
Traum der Standortförderer
Bereits im Jahr 2008 befanden sich knapp die Hälfte aller ICT-Arbeitsplätze des Kantons Zürich in der Stadt, wie dem ersten Cluster-Bericht 2009 - 2010 des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich zu entnehmen ist, der Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde.
Während der Stadtrat mit dem Projekt eZürich beabsichtigt, die grösste Schweizer Stadt zum Schweizer Silicon Valley zu machen, zeigt der Cluster-Bericht, dass die ICT-Branche bereits heute den Wachstumsmotor der Wirtschaft im Kanton darstellt. "Zürich, Bern und Genf ist die Achse der Schweiz mit der grössten ICT-Wertschöpfung", sagt Anita Martinecz vom Amt für Wirtschaft und Arbeit beziehungsweise der Standortförderung des Kantons Zürich gegenüber inside-it.ch. "Man muss das aber etwas grossräumiger anschauen: Auch das Glatttal und Limmattal sind wichtige und wachsende ICT-Standorte."
Banken und Kreative noch (ge)wichtiger
Insgesamt bot diese Branche demnach im Jahre 2008 an über 3700 Arbeitsstätten fast 38'000 Vollzeitstellen an, die sich 41'000 Personen teilen. Das ist ein Drittel aller ICT-Stellen in der ganzen Schweiz. Diese hätten eine Bruttowertschöpfung von 5,2 Milliarden Franken erwirtschaftet.
Überragt wird die ICT-Branche hingegen deutlich von den Banken mit 27,4 Millarden Franken Wertschöpfung und 81'000 Vollzeitstellen. Ein Fünftel dieser Bank-Stellen, also 16'000, sind allerdings wiederum Informatikerinnen und Informatiker.
Auch die in den Kreisen 4 und 5 stark ansässige Kreativwirtschaft beschäftigt mehr Personen, nämlich beinahe 56'000, und erwirtschaftet eine Bruttowertschöpfung von 5,6 Milliarden Franken. Allerdings könnten auch hier die im Cluster-Bericht den Kreativen zugerechneten Gamedesigner der ICT-Branche zugerechnet werden. "Zürich wird im Spielebereich international wahrgenommen", ergänzt Martinecz. "Regelmässig klopfen deswegen Delegationen aus dem Ausland bei uns sowie dem Disney Lab bei der ETH und der Game-Ausbildungsstätte der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK an."
Im Vergleich zu den stark naturwissenschaftlich ausgerichteten Hightech-Clustern nimmt die ICT-Branche immer noch einen wichtigen Platz ein: Der Bereich Life Sciences bietet knapp 21'000 100-Prozent-Stellen, Cleantech knapp 26'000, Luft- und Raumfahrt immerhin 18'000 und Nanotech etwas weniger als 16'000.
Standardsoftware weniger attraktiv als Dienstleistungen
Besonders attraktiv im ICT-Bereich sind Beratung und Dienstleistungen, 72 Prozent der Angestellten verdienen ihr Geld in diesen Sparten, national liegt dieser Anteil einige Prozentpunkte tiefer bei 66 Prozent. 18 Prozent der IT-Angestellten wiederum sind im umsatzstarken Handel mit Hard- und Software tätig. Wichtigster Abnehmer ist in allen Fällen der dominante Finanzsektor.
Die Autoren der Studie machen diesen indirekt wiederum für den geringen Anteil an Herstellern von Standardsoftware verantwortlich. Das Risiko einer Produkteentwicklung rechne sich offenbar seltener als ein sicheres Einkommen als Dienstleister für die IT von Banken und Versicherungen. Allerdings erwarten die Standortförderer, dass die Entwicklungszentren von Microsoft und Google einen Trend von der Individual- zur Standardsoftware auslösen könnten. (Philippe Kropf)
Bild: Hardbrücke zwischen Escher Wyss-Platz und Schiffbau. (Foto: pk)
(Interessenbindung: Die Redaktion von inside-it.ch und inside-channels.ch befindet sich im Kreis 4. Wir sind auch Medienpartner von eZürich.)

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