Zürich, Belgrad, Niš, Iasi

20. Februar 2014, 15:04
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Der Zürcher Software-Hersteller und Webspezialist Youngculture beschäftigt 170 Mitarbeitende - aber nur sieben Entwickler in der Schweiz.

Der Zürcher Software-Hersteller und Web-Spezialist Youngculture beschäftigt 170 Mitarbeitende - aber nur sieben Entwickler in der Schweiz.
Der Zürcher Software-Hersteller und Systemintegrator Youngculture hat sich still und leise in der Liga der mittelgrossen "local heroes" der Schweizer Software-Szene etabliert. Wie CEO Marco Zoppi letzte Woche an einem Medienanlass sagte, beschäftigt Youngculture unterdessen 170 Mitarbeitende. Zu den Kunden von Youngculture gehören beispielsweise Helsana, Swisscom, Swiss, Crealogix, Comparis oder das EWZ.
2008 ist Youngculture in den Markt für die Entwicklung von Mobile Apps eingestiegen. In diesem Markt arbeiten die Zürcher etwa für Ex Libris. Die Migros-Tochter gilt als recht erfolgreiche Mobile-Commerce-Pionierin.
Nearshore seit 10 Jahren
"Wir hatten Wachstumspläne und es war 2004 schwierig, hochqualifizierte Mitarbeiter in der Schweiz zu finden." Deshalb, so Youngculture-CEO Marco Zoppi, heuerten die Zürcher ein kleines, sechsköpfiges Entwicklungsteam in Belgrad an. Bereits in den 90er Jahren hat Zoppi versucht, mit Entwicklern im sibirischen Nowosibirsk zusammenzuarbeiten, allerdings ohne Erfolg.
Die ersten sechs Mitarbeitenden in Belgrad fand Youngculture über klassische Stelleninserate. Erst zwei Jahre später ging Nebojsa Jovic von Youngculture Zürich, der selbst aus Jugoslawien respektive heute Serbien stammt, nach Belgrad und übernahm die Leitung der dortigen Niederlassung.
Heute beschäftigt Youngculture 110 Mitarbeitende in Belgrad und 30 in der serbischen Industrie- und Handelsstadt Niš. Seit letztem Jahr baut Youngculture zudem eine Niederlassung in der rumänischen Universitätsstadt Iasi auf.
Das Niveau der universitären Ausbildung in Rumänien und Serbien sei mit Schweizer Universitäten durchaus vergleichbar, sagte Zoppi. "Belgrad hat eine Tradition als Ingenieursstadt. Die Universität vermittelt auch breite Allgemeinbildung und ist vergleichbar mit der ETH," so Zoppi.
Der Schritt nach Rumänien ist erfolgt, weil die Rekrutierung von EntwicklerInnen (etwa 25 bis 30 Prozent der Youngculture-Leute in Serbien und Rumänien sind Frauen) in Serbien schwieriger geworden ist. Seine Firma habe ein professionelles Recruting und aktives Mitarbeiter-Marketing aufgezogen, so Zoppi. Schliesslich haben sich in den letzten Jahren sehr viele multinationalen Firmen in Osteuropa niedergelassen
"Es wird noch schwieriger"
In der Schweiz beschäftigt Youngculture hingegen nur rund 20 Mitarbeitende, davon nur sieben Entwickler. Zoppi: "Wir rekrutieren dort, wo wir die besten Leute finden".
Und natürlich sind die Löhne in Rumänien und Serbien (noch?) wesentlich tiefer als in der Schweiz. Auch dies spiele eine Rolle, weil Youngculture vermehrt Projekte in Deutschland und Österreich gewinnen will, sagt Zoppi. Er betonte allerdings - wie alle IT-Dienstleister, die Niederlassungen in Osteuropa oder Asien haben - das tiefe Lohnniveau sei nicht ausschlaggebend.
Sollten das Freizügigkeitsabkommen mit der EU tatsächlich durch ein Kontingent-System ersetzt werden, könnte es noch schwieriger werden, IT-Ingenieure in der Schweiz zu finden. Allerdings sei es auch mit der heutigen Regelung sehr schwierig, IT-Fachleute in der Schweiz zu finden oder für den Umzug in die Schweiz zu motivieren, betonte Zoppi am Mediengespräch: "Wir suchten während einem Jahr einen Hybris-Spezialisten für unseren Standort Zürich. Auch in Deutschland war die Bereitschaft, nach Zürich zu kommen, sehr gering." Ausserdem weist der Gründer von Youngculture auf einen Aspekt der Migration hin, der in der Schweiz normalerweise ignoriert wird: Der grosse Bedarf des alten Westeuropa nach Naturwissenschaftern und Ingenieuren führt zu einem fatalen Braindrain in Osteuropa. (hc)

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