Zürich kriegt eine Smart-City-Strategie (und eine offenere Verwaltung)

5. Dezember 2018, 15:09
  • politik & wirtschaft
  • smart city
  • strategie
  • zürich
image

Barcelona und Wien haben schon eine und nun hat auch die Stadt Zürich eine: Eine Smart-City-Strategie, welche umschreibt, wie die Stadt die Digitalisierung nutzen will.

Barcelona und Wien haben schon eine und nun hat auch die Stadt Zürich eine: Eine Smart-City-Strategie, welche umschreibt, wie die Stadt die Digitalisierung nutzen will.
Bislang verfolgte die Stadt mehr oder weniger isolierte Pilotprojekte. Nun sollen Schwerpunkte und Zuständigkeiten umrissen werden. Wie bei Strategien von Behörden üblich, enthält das Dokument nur Leitplanken; messbare Ziele, zu deren Erreichung notwendige Ressourcen und ein Zeithorizont sind nur bedingt enthalten.
Einige Kernpunkte: Das rot-grün geprägte Zürich will als Smart City "die Chancengleichheit und hohe Lebensqualität für alle erhalten und verbessern". Zudem soll die Entwicklung Zürichs nachhaltig sein und gleichzeitig die Innovation aktiv gefördert werden. Ursprung aller Aktivitäten seien – es musste offenbar explizit festgehalten werden – die Bedürfnisse und Herausforderungen der Bewohner und Unternehmen.
Und diese Bedürfnisse haben die Zuständigen anscheinend schon klar vor Augen, denn sie kündigen keine Umfragen, Workshops oder ähnliches an, sondern die Fortführung und Stärkung bisheriger Aktivitäten.
Drei Schwerpunkte haben die Zuständigen definiert, welche Zürich sozial, ökonomisch und ökologisch prägen sollen:
  1. "Zukunftsformen der integrierten öffentlichen Mobilität": Der sperrige Titel meint die weitgehende Elektrifizierung des ÖV bis 2030 und Massnahmen, welche den Verkehrsfluss fördern und den Strassenraum besser ausnutzen. Pilotprojekte mit autonomen und nachfragegesteuerten Transportmöglichkeiten können den Weg weisen. Die Formulierung bleibt vorsichtig im Konjunktiv.
  2. "Smarte Partizipation" heisst der dritte Schwerpunkt. Die Zürcher Bevölkerung und Interessenvertreter sollen sich aktiv einbringen. Dabei soll die "Stadtverwaltung bei eigenen Vorhaben mit gutem Beispiel vorangehen". Wie man partizipieren kann? Angedacht sind eine Kombination aus Grossgruppenkonferenzen und E-Partizipation. Es dürfte der entscheidende Erfolgsfaktor sein, wie Evaluationen von Smart-City-Projekten aus aller Welt andeuten. Und einfach ist es nicht, denn Zürich ist gross und vielfältig. Beispielsweise zählt allein das Quartier Altstetten (in welchem inside-it.ch beheimatet ist) fast gleich viel Bewohner wie der Kanton Uri und beherbergt neben Tech-Konzernen wie IBM viele Kleingewerbler und Hunderte von Neuzuzügern in neuen Grossüberbauungen. (Als Beitrag an ein "Smart Altstetten" bringen wir an dieser Stelle ein, dass die Altglas-Entsorgung massiv "smarter" werden könnte. Und das Hallenbad Altstetten, liebe Stadt Zürich, also wirklich…).

Die Verwaltung will offener und dynamischer werden
Wenn es um die Innovationen für ein "Smart Zürich" geht, richtet sich das Augenmerk der Stadt zuerst auf die eigenen Angestellten. Verwaltungsprojekte und Mitarbeiterideen können mit Geld und freier Arbeitszeit unterstützt werden. Auch verwaltungsexterne Firmen- und Hochschulmitarbeiter können ihre Ideen einfliessen lassen, dies in mehrmonatigen sogenannten "Innovation Fellowships". So sollen verwaltungsinterne Denkmuster aufgebrochen und organisatorische Mauern überwunden werden, damit gute Ideen auf Traktandenlisten und in Budgetanträge kommen.
Nicht zuletzt will Zürich ein "Smart City Lab" schaffen, wo Experten aus der Verwaltung und externe Spezialisten gemeinsam an Pilotprojekten arbeiten sollen. Der Kickstart Accelerator, in dem Early-Stage-Startups gecoacht werden, wird weiterhin unterstützt. Neu werde fokussiert auf Startups im Smart-City-Bereich.
Ganz konkret ist der Personalbedarf schliesslich seitens der Stadt definiert: Für die operative Unterstützung der genannten Schwerpunkte, Aktivitäten und Fördergefässe sollen vier neue Stellen bei der Stadtentwicklung Zürich geschaffen werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die Technologisierung der Stadt nicht als Selbstzweck endet, sondern hilft, das rasante Bevölkerungswachstum, den demografischen Wandel, die 2000-Watt-Gesellschaft und dem Standort tatsächlich voranzubringen. (mag)

Loading

Mehr zum Thema

image

Zürcher Datenschützerin zum Cloudeinsatz: "Der Regierungsratsbeschluss ändert gar nichts"

Bei Dominika Blonski häufen sich seit dem Frühling Anfragen von Behörden zur Cloudnutzung. Im Gespräch sagt die Datenschützerin: "Ich weiss nicht, was die Absicht der Zürcher Regierung war."

publiziert am 30.9.2022 7
image

Datenschützer äussern harsche Kritik an Cloud-Entscheiden von Behörden

Die Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten (Privatim) fordert: Kein Freipass für Microsoft 365.

publiziert am 30.9.2022
image

Softwareone erhält an einem Tag 2 Freihänder für fast 14 Millionen Franken

Der Stanser IT-Dienstleister ist bei Swissgrid Reseller für Standardsoftware und kann fürs Stadtzürcher OIZ die Lizenzen für die Microsoft-EDR-Lösung liefern. Dafür kassiert Softwareone Millionen.

publiziert am 30.9.2022
image

ALV braucht IT-Know-how für bis zu 55 Millionen Franken

In 8 Arbeitsgebieten sucht das Seco Digitalisierungs-Knowhow für die RAVs und die Arbeitslosenversicherung.

publiziert am 30.9.2022