Zuger IT-Debakel: Politiker murren

6. Februar 2013, 14:24
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Zuger Kantonsräte und Parteien kritisieren die Kantonsregierung wegen IT-Flop.

Zuger Kantonsräte und Parteien kritisieren die Kantonsregierung wegen IT-Flop.
Vor gut einer Woche verkündete der Zuger Regierungsrat, man habe das Projekt zur Einführung einer neuen Software für die Einwohnerkontrolle gestoppt. Was der Regierungsrat nicht sagte, unsere LeserInnen aber wissen: Es geht um die Einführung einer neuen Version der Gemeindesoftware von IBM, ISOV EK V5.
Der Zuger Regierungsrat hat lange an dem Projekt, dessen Realisierung sich seit Jahren verzögert, festgehalten. So verschob man die Einführung der neuen IBM-Software zuerst vom Herbst 2010 auf Dezember 2011 und danach auf Dezember 2012. Im Juli 2012 wurde bekannt, dass das St. Galler Verwaltungsrechnungszentrum VRSG die Software von IBM zwar gekauft hat, aber danach nicht eingeführt hat, sondern selbst eine neue Version entwickelt.
Parlamentarier und Parteien sind sauer
Der Zuger Regierungsrat geht davon aus, dass das nun abgebrochene Projekt bis jetzt 2,8 Millionen Franken gekostet hat - Geld, das nun wohl verloren ist.
Nun reagiert die Zuger Politik auf den "Informatik-Flop" (Neue Luzerner Zeitung). "Es kann doch nicht sein, dass die Regierung verlauten lässt, alles sei auf bestem Weg, und ein Jahr später wird das ganze Projekt abgebrochen", so FDP-Fraktionschef Daniel Burch zur 'Neuen Luzerner Zeitung'. Ähnliches ist gemäss der Zeitung von der SP zu hören, wo man zudem auf andere "harzende" EDV-Projekte verwies.
Die CVP-Politiker Georges Helfenstein und Kurt Balmer, die bereits früher kritische Fragen im Zusammenhang mit dem Zuger IBM-Projekt gestellt haben, hakten nun letzte Woche mit einer Interpellation, die inside-it.ch vorliegt, im Zuger Kantonsrat nach. Sie fragten, ob die Zuger Regierung dem Lieferanten (IBM) Forderungen stelle, wieso der bisherige "Entwicklungs- und Systempartner" (VRSG) ausgestiegen sei, ob es zu einem Rechtsstreit komme und wie die zu erwartenden Kosten zwischen Kanton und Gemeinde aufgeteilt würden.
Wichtiger noch: Helfenstein und Balmer wollen wissen, wer für das Scheitern des Projektes verantwortlich sei und welche Schlussfolgerungen der Regierungsrat für zukünftige Projekte ziehe. Auch wir warten gespannt auf die Antwort des Regierungsrats.
Was man in Zug noch nicht weiss: Gemäss IBM wurde die "vorliegende Lösung", als ISOV EK V5, "vor mehreren Monaten funktional wie auch formell vorbehaltlos abgenommen", wie uns IBM-Sprecherin Orozco letzten Mittwoch schrieb. Ein Rechtsstreit zwischen dem Kanton und dem US-IT-Giganten scheint unvermeidbar. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: Das Regierungsgebäude des Kantons Zug. Autor: Baikonur. Lizenz unter Creative Commons)

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