Zum Erfolg verdammt – Swisscom Quartalsbericht Q3

8. November 2006, 11:48
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Erfolg bedeutet heute nicht länger sehr gut zu sein, sondern besser als je zuvor. Da kann selbst die Swisscom AG nicht mithalten. Den Preis zahlen einmal mehr die Mitarbeiter mit ihren Jobs.

Die gute Nachricht vorweg. Die Swisscom AG weist in ihrem Zwischenbericht Januar bis September 2006 eine operative Marge von 39,7 Prozent aus. Die schlechte: Im Vorjahr betrug sie noch 44,8 Prozent. Den Wandel in der Telekommunikationsindustrie, weg von klassischer Festnetz-Telefonie hin zu ADSL und Mobile-Phones kann man auch in diesem Quartal deutlich aus der Bilanz des Exmonopolisten herauslesen. Aber auch der öffentliche Druck, besonders aus den EU-Staaten, in Bezug auf überzogene Auslands-Roaming-Gebühren lässt die einstigen Traummargen schmelzen.
So sank der Nettoumsatz in den ersten drei Quartalen 2006 um 1,4 Prozent auf 7,196 Milliarden Franken, der EBITDA, das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, sank sogar um 12,7 Prozent auf 2,855 Milliarden Franken. Wie schon in der Vergangenheit sind es die Bereiche Fixnet, wo gute Umsatzzahlen bei den ADSL-Anschlüssen den Rückgang der Gesprächsumsätze nicht auffangen konnten und Mobile, wo die Einbussen durch Preissenkungen höher waren als die Erträge aus dem Neukundengeschäft, die für die schlechteren Zahlen im Geschäftsbericht sorgten.
Schwer unter Druck ist auch weiterhin der Geschäftsbereich Solutions, der sich vor allem um den nationalen und internationalen Festnetzverkehr und Mietleitungen kümmert. Trotz der Ende Februar erfolgten Eingliederung des Geschäftsbereichs Telefonanlagen und IP-Kommunikation von Siemens sank der Nettoumsatz um 52 Millionen Franken auf nun mehr 888 Millionen Franken. Der EBITDA brach sogar um 25 Prozent ein. Solutions erwartet auf Grund des anhaltenden Preis- und Konkurrenzdrucks daher einen weiteren Rückgang der Erträge.
Die Antwort des Managements ist einmal mehr Stellenabbau. Trotz einer gestiegenen Gesamtzahl an Mitarbeitern, die ausschliesslich aus Übernahmen herrührt, gingen 2006 allein in der Schweiz 200 Arbeitsplätze verloren. 2007 sollen weitere 390 heimische Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen.
Nicht zuletzt auf Grund dieser Massnahmen ist man bei Swisscom zuversichtlich, das avisierte Umsatzziel für 2006 von 9,5 Milliarden Franken und ein Betriebsergebnis (EBITDA) von 3,7 Milliarden Franken erreichen zu können. In Zukunft soll der Wandel hin zum Multimedia-Anbieter weiter forciert werden. Die Stichworte und Hoffnungsträger sind Bluewin TV und Heimvernetzung. Der Gegenwind für die "alte" Swisscom wird heftiger, nach dem Kurswechsel will die "neue" Swisscom ihn für reichlich Vortrieb nutzen. (tm)

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