Zwangsarbeit bleibt Problem in IT-Lieferketten

30. Juni 2016, 12:07
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Die zu Humanity United Foundation gehörende Organisation KnowTheChain hat in einer Benchmark-Studie 20 grosse IT-Hersteller nach deren Bemühungen untersucht, Zwangsarbeit in ihrer Lieferkette zu verhindern.

Die zu Humanity United Foundation gehörende Organisation KnowTheChain hat in einer Benchmark-Studie 20 grosse IT-Hersteller nach deren Bemühungen untersucht, Zwangsarbeit in ihrer Lieferkette zu verhindern. Wie 'The Times of India' schreibt, arbeiten weltweit über 20 Millionen Menschen unter Konditionen, die Zwangs- oder Sklavenarbeit entsprechen. Daraus entstehe ein illegal erwirtschafteter Profit von rund 150 Milliarden US-Dollar jährlich. Die ICT-Industrie sei ein gefährdeter Sektor, so die Studie. Arbeiter in den Zulieferfirmen der Hersteller seien häufig Migranten, die besonders wehrlos seien.
Am positivsten bewertet die Studie insgesamt HP Inc., mit 72 von möglichen 100 Punkten. Darauf folgen Apple, Intel, Cisco und Microsoft. 18 der 20 Hersteller würden zwar gerne öffentlich kundtun, dass sie gegen Zwangsarbeit in ihren Lieferketten vorgehen. Doch hätten nur wenige der Unternehmen institutionalisierte Prozesse, um dieses Engagement auch effizient umzusetzen. Am unteren Ende der Bewertung von KnowTheChain befinden sich die beiden Halbleiterhersteller SK Hynix (Südkorea) und BOE Technology (China), Canon sowie der japanische Anbieter von Automatisierungstechnik-Komponenten Keyence.
Vermittlungsagenturen als grosses Problem
Insgesamt würden die untersuchten ICT-Unternehmen kaum sicherstellen, dass die Arbeiter in ihren Zulieferfirmen Gehör und Anerkennung erhalten. Dazu gehört etwa das Recht, Gewerkschaften zu gründen oder allgemein die Möglichkeit, Missstände und Beschwerden aufzuzeigen. Insgesamt sind die Löhne sehr tief und die Arbeitstage sehr lang.
Ebenfalls schlecht schneiden die meisten Unternehmen laut dem Benchmark beim Recruitment ab. Ein grosses Problem stellen hierbei Vermittlungsagenturen dar. Diese verlangen von den Arbeitern hohe Vermittlungsgebühren und ziehen teilweise deren Pässe ein, bis die Schulden beglichen sind. Ein Grossteil der untersuchten Unternehmen hätten keinen Prozess institutionalisiert, der das Risiko von Menschenhandel und Zwangsarbeit effizient anspricht. KnowTheChain nennt jedoch einige positive Beispiele. So bezahle Apple etwa die Vermittlungsgebühren für die Arbeiter. Auch HP Inc stelle vertraglich sicher, dass Angestellte beim Lieferanten selbst und nicht bei einem Vermittler unter Vertrag genommen werden.
Positiver hingegen bewerten KnowTheChain die Beschaffung. Die meisten Unternehmen würden ihre Materialbeschaffung prüfen. Dazu gehört etwa die Überprüfung, ob Mineralien aus Konfliktregionen, etwa dem Osten der Demokratischen Republik Kongo, verwendet werden
Die vollständige Benchmark-Studie gibt es auf der Website von KnowTheChain als Pdf. Die Organisation plant zudem ähnliche Benchmarks in der Lebensmittel- und Textilindustrie durchzuführen. (kjo)

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