Zwist im Open-Document-Lager

1. November 2007, 15:27
    image

    Die kleine aber relativ bekannte "OpenDocument Foundation" hat sich vom Open-Document-Format abgewendet und will in Zukunft versuchen, das sogenannte "Compound Document Format (CDF)" zu fördern.

    Die kleine aber relativ bekannte "OpenDocument Foundation" hat sich vom Open-Document-Format abgewendet und will in Zukunft versuchen, das sogenannte "Compound Document Format (CDF)" zu fördern. Die OpenDocument Foundation ist vor fünf Jahren gegründet worden. Sie verfolgte einerseits den Zweck, die Verbreitung des ODF-Formats zu unterstützen, und andererseits ein Gegengewicht zum Einfluss der Grosskonzerne wie IBM und Sun bei OASIS zu bilden.
    Wie man auf der Website der Foundation nachlesen kann, hat die Organisation im April dieses Jahres endgültig die Hoffnung aufgegeben, eine von ihr verlangte Ausweitung des Standards bei der für ODF verantwortlichen Industrievereinigung OASIS durchdrücken zu können. Darauf habe man begonnen, an CDF zu arbeiten. Anscheinend wurde der Entschluss aber erst jetzt breiter bekannt gegeben.
    ODF, so die Foundation, berücksichtige in seiner jetzigen Ausprägung einige grundlegende Marktrealitäten zu wenig, vor allem die Notwendigkeit einer möglichst weitgehenden Kompatibilität zu ooXML und anderen Fileformaten aus der Microsoft-Welt. Dies verhindere, wie sich unter anderem in Massachusetts gezeigt habe, das grosse Verwaltungen tatsächlich Microsoft-Produkte zusammen mit ODF einsetzten könnten - in der realen Welt eine Grundanforderung an ein offenes Dokumentenformat. Etwas ähnliches gelte aber auch für Microsofts ooXML. Dieses sei für allerbreiteste Kompatibilität konzipiert worden - aber nur innerhalb der Microsoft-Welt.
    Es gibt zwar Plug-ins, mit denen Microsoft-Produkte ODF-Files öffnen und Files auch in diesem Format abspeichern können. Diese würden jedoch aus einer Reihe von Gründen nur etwa 85 Prozent "Originaltreue" erreichen. Die fehlenden 15 Prozent seien aber oft für die vielen in Abteilungen und Arbeitsgruppen enstandenen Formulare, Vorlagen, Excel-Applikationen usw. und die darauf basierenden Arbeitsabläufe entscheidend.
    Für die Originaltreue sei es einerseits entscheidend, wie genau man das ursprüngliche Fileformat übersetzten könne, und andererseits, welche der Features des Ursprungsformats überhaupt im Empfängerformat abbildbar seien. Beim letzteren liege das Problem bei ODF. Die OpenDocument Foundation arbeitete bisher unter dem Namen "da Vinci" an einem eigenen ODF-PlugIn für Office. Bei der Arbeit habe man festgestellt, dass die oben erwähnten Ausweitungen, die man unter dem Namen "ODF iX" bei OASIS eingereicht hatte, notwendig wären, um die angestrebte Originalgetreue von mindestens 98 Prozent zu erreichen.
    ODF iX sei nun aber aus der Sicht der Foundation wohl endgültig gestorben, und darum habe man sich dem ursprünglich für mobile Geräte entwickelte CDF zugewendet, wo dieses "Empfängerproblem" nicht existiere. Aus "Da Vinci" soll nun ein CDF-Plugin für Office werden. (hjm)

    Loading

    Mehr zum Thema

    image

    Der Zürcher Kantonsrat arbeitet mit CMI

    Der Rat bereitet seine wöchentliche Sitzung mit CMI vor und wickelt sie zeitgemäss digital ab. Da die Sitzungen wegen Umbauarbeiten im Rathaus in ein Provisorium ausweichen müssen, punktet die digitale Sitzungslösung durch das Minimum an nötiger Infrastruktur zusätzlich.

    image

    SASE: weit verbreitet, aber oft unterschätzt

    SASE (Secure Access Service Edge) hat sich während der Pandemie in vielen Firmen bewährt. Sie konnten damit schnell die durch Homeoffice veränderte Netzwerknutzung abfangen. Viele Unternehmen übersehen aber, dass sie damit nur einen Bruchteil der Möglichkeiten nutzen, die SASE bietet.

    image

    IT-Woche: Keine gute Woche für den IT-Journalismus

    Bei der 'Computerworld' wurde ein folgenschwerer Fehlentscheid getroffen.

    publiziert am 3.2.2023
    image

    Anti-Fake-News-Initiative ist vorerst vom Tisch

    Mit einem Vorstoss sollten Betreiber in die Pflicht genommen werden, wenn auf ihren Onlineplattformen Falschinformationen verbreitet wurden. Zunächst sind aber Abklärungen nötig.

    publiziert am 3.2.2023