Prantl behauptet: Software-as-a-Service setzt sich definitiv durch

27. Juni 2022, 12:57
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Unser Kolumnist erklärt, wo seiner Meinung nach die unbestreitbaren Vorteile von SaaS-Lösungen liegen.

Mir ist schon klar. Nach meiner kritischen Mai-Kolumne "Bexio wird definitiv zum Lakaien der Mobiliar" klingt meine heutige Behauptung "Software-as-a-Service setzt sich definitiv durch" etwas seltsam.
Unter Software-as-a-Service (SaaS) verstehe ich hier eine in der Cloud betriebene Software, die ich on demand miete (und auch jederzeit wieder "ent-mieten" kann) und für deren Betrieb und Unterhalt der Anbieter sorgt. Ob die Software in der Public Cloud oder in einer Private Cloud läuft, spielt keine Rolle. Auf meinem Rechner brauche ich nicht mehr als einen Webbrowser und die Daten befinden sich physisch auf dem Server des Anbieters, der damit im Rahmen des SaaS-Vertrags auch für deren Sicherheit sorgt. Bexio ist sicher ein typischer Fall einer SaaS-Lösung.
Wieso bin ich nun davon überzeugt, dass sich SaaS klar durchsetzen wird? Ganz einfach weil der (potenzielle) Kundennutzen die zweifellos auch vorhandenen Risiken massiv übersteigt. Als ich darüber vor gut 10 Jahren das erste Mal in einem Blogbeitrag schrieb, war noch vieles Spekulation. Die praktischen Erfahrungen fehlten schlichtweg. Mittlerweile sind aber viele SaaS-Lösungen im täglichen Einsatz, so dass sich ihr extrem hoher Nutzen deutlich bewahrheitet hat.

Nutzen(potentiale) von SaaS

SaaS birgt gewaltige Nutzenpotentiale, welche mittel- bis langfristig die Chance eines "IT-Tornados" aufweisen. Als da sind (nicht abschliessend):
  • Geringe Anfangsinvestitionen und liquiditätsschonend: Leasing und damit die liquiditätsschonende Verteilung einer grossen Investition auf die Zeitachse hat sich erfolgreich durchgesetzt. Das gilt für Software-Investitionen auch.
  • Pay per Use: Der SaaS-Kunde bezahlt nur für das, was er effektiv benötigt. Nachdem viele SaaS-Anbieter auch kurze Kündigungsfristen und flexible Anpassungsmöglichkeiten an den Funktionsumfang ihrer Software anbieten, lässt sich die ideale Lösung deutlich passgenauer an die aktuellen Bedürfnisse massschneidern. Das führt zu tieferen Gesamtkosten und einer höheren Kostentransparenz beim Betrieb von Business-Software.
  • Software ist stets up-to-date: Als Anwender einer SaaS-Lösung kann ich mich darauf verlassen, dass ich stets die aktuelle Version der Software nutze, denn darum kümmert sich mein Anbieter.
  • Hohe Software-Qualität: Business-Software im SaaS-Modell in der Cloud betrieben muss qualitativ besser und weniger fehlerbehaftet sein. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Benutzer bei online verwendeter Software generell weniger fehlertolerant sind als bei Software auf dem persönlichen Rechner und auch damit, dass SaaS sofort "scharf" geschaltet werden muss und daher auch auf Anhieb richtig funktionieren muss.
  • Entlastung von IT-Aufgaben: Kombiniert mit anderen IT-Services entlastet SaaS den Kunden wesentlich von IT-Aufgaben, so dass er sich deutlich ertragsbringender auf sein Kerngeschäft fokussieren kann. Kommt hinzu, dass die Kunden aktuell ohnehin kaum eigens IT-Personal finden, die die IT betreiben könnten.
  • Last but not Least – höhere Datensicherheit: Ja, Sie lesen richtig! Auch die Daten sind in einer SaaS-Lösung sicherer als On Prem. Das gilt ganz besonders beim Schutz vor Datenverlust, aber auch beim Schutz vor unberechtigtem Zugriff oder Weitergabe der Daten. So wird ein SaaS-Betreiber immer einen höheren und professionelleren Aufwand in Sachen Datensicherheit betreiben können als ein einzelnes Unternehmen. Wenn nun einige Softwareanbieter meine Bexio-Kolumne als Beweis dafür sahen, dass SaaS wegen des Themas der Datenweitergabe an die Mobiliar eben doch nicht funktioniert, dann hatte das wohl mehr damit zu tun, dass sie selbst ihre alte Software verkaufen wollten. Und nicht damit, dass SaaS-Betreibern aus Prinzip nicht vertraut werden kann und darf.

Aus "Alt" wird nicht einfach "Neu"

Für Software-Anbieter hat die Transformation aus der alten Welt (Client/Server oder noch älter) in die neue Welt einschneidende strategische Auswirkungen auf drei Ebenen, die nicht einfach "mal so" bewerkstelligt werden können.
  • Eintritt neuer Player in den Software-Markt: Es treten auf einmal neue Mitbewerber in den Software-Markt ein, an die niemand vorher gedacht hat. Oft verfügen diese von Beginn an über komplett andere Geschäftsmodelle und lösen die Grundprobleme der Softwarekunden deutlich besser als die "alten Hasen". Damit entsteht eine neue Konkurrenz-Kategorie, die es von Anfang an ernst zu nehmen gilt.
  • Grundlegende Veränderung der bestehenden Geschäftsmodelle: SaaS-Lösungen werden in aller Regel in Form von Mietgebühren und teilweise zusätzlich in Abhängigkeit der Nutzung (z.B. pro Transaktion) in Rechnung gestellt. Es fallen keine einmaligen hohen Lizenzgebühren mehr an. Und SaaS-Anwender können oftmals ohne Hilfe und direkte Betreuung seitens des Softwareanbieters zu Kunden werden, sogenanntes "Self-Service".
  • Technologische Auswirkungen: Um (echtes) SaaS anbieten zu können, müssen Software-Anbieter ihre Software technisch massiv anpassen, oder, noch besser, sogar komplett neu bauen. Diejenigen, die das bereits hinter sich haben, wissen um diese Herkulesaufgabe. Ganz abgesehen von der damit verbundenen Investition in Millionenhöhe.
Ich bin mir absolut sicher. Die (Business) Software der Zukunft läuft im Kontext von Software-as-a-Service in der (Public)Cloud. Die damit verbundenen Risiken in Sachen Abhängigkeit vom SaaS-Anbieter sind vertraglich und datenschutzrechtlich lösbar. Kann sein, dass es dazu noch den einen oder anderen Skandal braucht, am Ende des Tages wird aber SaaS als der strahlende Gewinner dastehen.
Urs Prantl war über 20 Jahre als Softwareunternehmer tätig. Seit 2012 begleitet er IT- und Software-Unternehmen auf ihrem Weg zu nachhaltig gesundem Wachstum und ist als M&A-Transaktionsberater in Nachfolgesituationen tätig. Er äussert als Kolumnist für inside-it.ch seine persönliche Meinung.

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