Exklusiv: Prime Computer vor dem Aus

21. September 2022, 05:14
letzte Aktualisierung: 21. September 2022, 14:14
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Der St.Galler Assemblierer stellt seinen Betrieb bereits per Ende Oktober ein. Unseren Quellen zufolge wird seit Frühjahr über die Auflösung von Prime Computer spekuliert.

Prime Computer habe seine Mitarbeitenden darüber informiert, dass die St. Galler Firma im Herbst ihre Arbeit einstellen werde. Dies bestätigten uns mehrere Quellen. Auch auf mehrmalige Nachfragen hat sich das Unternehmen uns gegenüber bislang nicht zu den Berichten äussern wollen.
Soeben hat die Firma ihre Partner über den Schritt informiert. Der Verwaltungsrat habe sich entschieden, die Geschäftstätigkeit von Prime Computer per 31. Oktober 2022 einzustellen, heisst es in einem Schreiben von CEO Sacha Ghiglione, das inside-it.ch vorliegt. Trotz diverser Bemühungen sei es dem Unternehmen in den letzten Jahren nicht gelungen, in eine Gewinnzone zu kommen. Man verfüge letztlich nicht mehr über die notwendigen Investorengelder, um den Erhalt und die weitere Durchführung der Geschäftstätigkeiten zu gewährleisten, so der Firmenchef.
Das Unternehmen habe zuletzt noch gehofft, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person, dass einer der bestehenden Investoren nochmals Mittel zur Verfügung stellen werde.
Prime Computer wurde 2013 gegründet. Der St.Galler Assemblierer von lüfterlosen Servern und PCs hat in den vergangenen Jahren versucht, sich über Distributoren und Partner wie Bechtle neue Regionen zu erschliessen. Anfang 2021 gründete das Unternehmen eine Niederlassung in Deutschland. Vergangenes Jahr beschäftigte das Unternehmen knapp 20 Personen in der Schweiz, 3 in Deutschland und 1 Person in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Gegenüber dem 'St. Galler Tagblatt' erklärte Prime letztes Jahr, dass 2020 aufgrund der Coronakrise und der damit einhergehenden Planungsunsicherheiten herausfordernd gewesen sei. 2021 sei es besser gelaufen, die Nachfrage bei Kunden ziehe wieder an. Allerdings würde man bei den Zulieferern noch Lieferschwierigkeiten bemerken, erklärte ein Prime-Computer-Sprecher letzten Sommer gegenüber der Ostschweizer Zeitung.
Diese Schwierigkeiten sind wohl für eine kleine Firma nicht zu unterschätzen. Dies betont auch eine unserer Quellen, laut der seit dem Frühjahr über die Auflösung von Prime Computer spekuliert wurde. Ein kleines Unternehmen kann schlechter verhandeln, beziehungsweise hat für Lieferanten schlicht geringere Priorität als ein grosser Abnehmer. In der aktuellen Mitteilung an die Partner fügt Prime Computer an, dass die Aufbauarbeit in letzter Zeit durch Lieferengpässe erschwert worden sei.
Was dies für bestehende Kunden und mögliche Garantiefälle bedeutet, ist unklar. Prime schreibt lediglich, laufende Bestellungen würden wie gewohnt abgewickelt.
In wenigen Wochen geht somit die Geschichte einer der wenigen Assemblierer unseres Lands zu Ende.
Update (10.40 Uhr): Der Artikel wurde mit Links und Informationen aus unserem Archiv ergänzt.

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