Prophezeiung #1: Das EPD wird zum Mastodon der Gesundheitsbranche

27. Dezember 2022, 08:00
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Das meint Dall-E zu: "A doctor using Mastodon". Nun denn.

Die Gemeinsamkeiten zwischen dem elektronischen Patientendossier (EPD) und dem sozialen Netzwerk sind frappant. Jetzt muss Farner beide retten.

Ob die Anzahl der registrierten digitalen Patientenakten aktuell schon fünfstellig ist? Das ist nicht sicher – könnte aber knapp hinkommen. Sicher ist jedenfalls, dass sogar ein Kindergärtner jene Menschen zählen kann, die aktiv ein EPD, eben so ein elektronisches Patientendossier (das muss man ja immer noch erklären), aktiv nutzen.
Ich gehöre ja zu den ganz frühen Vögeln, also zu jenen, die ein EPD besitzen (ohne es zu nutzen). Den Registrierungsprozess habe ich leidlich beschrieben. Da und da. Dieser Prozess wird 2023 besser, sozusagen voll digital, wie man hört. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Der zweite Schritt, der sogar Sekundarschüler beim Zählen an ihre Grenzen bringen könnte, wäre eine einheitliche, zentrale Anlaufstelle. Wäre.

Die EPD-Nutzer und die Mastodöner

Noch ist ja das Eröffnen eines solchen Dossiers mit der Registrierung eines Mastodon-Kontos vergleichbar. Welcher Server, äh Anbieter, ist der richtige? Kann ich später wechseln und kann ich überhaupt mit anderen Mastodönern, ich meine natürlich Patientinnen und Patienten, Daten austauschen? Einfach gesagt: Ja, das geht. Beim EPD und bei Mastodon. Aber wie bei so vielem ist es auch hier eben einfacher gesagt als getan.
Nun zum dritten Schritt, um auch Gstudierte aus dem Hüsli zum bringen: Die Alternative muss den Bach runtergehen. Bei Twitter tut sich diesbezüglich zwar einiges, aber noch zu wenig, als dass die ganze Userschaft den beschwerlichen, langen Weg rüber zu Mastodon auf sich nehmen würde. Zumal Elon jetzt auch noch sämtliche Wegweiser dorthin (lies Links) abschrauben liess.

Tote Bäume sind untötbar

Aber die EPD-Alternative ist untötbar, weil sie eben schon aus toten Bäumen besteht: nämlich dieses "Papier". Von dem sind noch ganz viele Ärztinnen und Ärzte megagrosse Fans. Und wenn ihnen kein gut angezogener Mann mit wenig Haaren sagt: "Ihr müsst jetzt!", dann machen sie es halt nicht. Das mit der Eigenverantwortung ist hierzulande ein schwieriges Thema, gerade in der Gesundheitsbranche.
Aber item: Wenn schon der Bundesrat nicht erklären kann, was ein EPD ist, muss das 2023 jemand anderes übernehmen. Wie gut, dass es die Kommunikationsagentur Farner gibt! Diese hat sich das Mandätli, um das digitale Dossier zu erklären, für läppische 6 Milliönli gesichert. Läppisch, weil die Aufgabe so schwierig ist, dass das aufseiten Farner quasi unter pro bono verbucht werden muss.

Farner muss die Welt gleich zweimal retten

Aber es ist klar: Wenn Farner das EPD erklärt kriegt, müssen sie sich als nächstes Mastodon vornehmen. So sorgt die Agentur 2023 nämlich nicht nur für die Digitalisierung des Gesundheitswesens, sondern auch noch für die Weltherrschaft von Mastodon – wow!

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