Prophezeiung #2: Das Ende von Social Media

28. Dezember 2022, 08:00
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Grabesstimmung bei Social Media à la Dall-E.

Den sozialen Netzwerken weht ein rauer Wind entgegen. Sinkende Werbeeinnahmen, strenge Regulierungen oder inflationär wachsende Investitionen setzen dem Geschäftsmodell mit der Aufmerksamkeit zu.

Der Start ins neue Jahr gestaltet sich für die grossen Social-Media-Anbieter schwierig. Trotz Milliarden von Glückwünschen zu Weihnachten, Silvester und Neujahr wird es für die Unternehmen immer schwieriger, zahlungskräftige Werbekunden zu gewinnen. Immer weniger Firmen sind aufgrund der Wirtschaftslage bereit, viel Geld für Inserate auf den Plattformen auszugeben. Besonders hart davon betroffen ist Twitter:
Elon Musk hat sich auf seinem Kreuzzug für die absolute Meinungsfreiheit so ziemlich mit allen Menschen der Welt angelegt. Alles soll und darf gesagt werden, findet der Milliardär, ausser natürlich es ist direkt gegen ihn oder eines seiner Unternehmen gerichtet. Darunter leidet die Kultur bei Twitter enorm. Sowohl Angestellte als auch Nutzende und die Werbekundschaft verlassen den Dienst fluchtartig. Nur noch 10 Mitarbeitende halten den gesamten Betrieb am laufen, Donald Trump und Kanye West sind zwei davon.
Was einst das seriöseste aller sozialen Netzwerke war, verkommt zu einem Sammelsurium an Verschwörungstheoretikern, Alternativmedizinern schrägen Vögeln und Extremisten aller möglichen Spektren. Scharenweise entschliessen sich Twitter-Userinnen und -User dazu, ihre Aktivitäten in den sozialen Medien trotz möglichen Alternativen einzustellen. Nachdem Elon Musk noch erfolglos versucht, die Plattform für einen US-Dollar zu verkaufen, wird der Service noch vor dem Ablauf des 1. Quartals 2023 abgeschaltet.

Auch Meta kämpft

Nicht viel besser ergeht es der Facebook- und Instagramm-Muttergesellschaft Meta. Dem Unternehmen von Mark Zuckerberg laufen Millionen von Kundinnen und Kunden davon, weil die beiden Applikationen immer ähnlicher wie Tiktok werden. Jüngere Nutzende wechseln häufig direkt zur chinesischen Konkurrenz, ältere Generationen wenden sich immer mehr von den sozialen Medien ab und lesen wieder Zeitung oder hören Radio.
Der Konzern kämpft auch mit den immer strenger werdenden Regulierungen. Die Möglichkeiten zur Monetarisierung der gesammelten Daten werden zum einen immer stärker eingeschränkt. Zum andern hagelt es an allen Ecken und Enden Bussen wegen Datenschutzverletzungen. Zuckerberg versucht die existenzbedrohenden Forderungen zuerst mit einer ganzen Armee von Rechtsanwälten zu bekämpfen. Als dieser Plan jedoch scheitert, entscheidet er sich dazu, seine Milliardeninvestitionen ins Metaverse zu liquidieren.
Viel Geld macht er damit allerdings nicht. Die verschiedenen Interessenten sind nicht bereit die von Zuckerberg geforderten Summen zu bezahlen. Viele sehen weder Sinn noch Zweck in einem solchen System. Zudem gibt es gibt es je länger je mehr Gerüchte, dass die Nutzung des Metaverse mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Schlussendlich reicht das eingenommen Geld nicht einmal aus, um die geforderte Busse aus der Schweiz zu bezahlen. Facebook entscheidet sich deshalb seine Dienste für immer einzustellen.

Der letzte Dominostein

Während es bei den westlichen Angeboten so richtig bergab geht, erlebt Tiktok einen kometenhaften Aufstieg. Nach den Niedergängen von Facebook, Twitter und Instagramm tummelt sich nun fast die halbe Weltbevölkerung auf der chinesischen Datenkrake. Das Geschäft floriert und die Nutzerzahlen steigen unaufhörlich.
Während westliche Unternehmen wie Google oder Facebook nie die Möglichkeit hatten, den Markt in China zu erobern, wird die chinesische App zumindest von den jungen Nutzenden mit offenen Armen empfangen. Dies wiederum ruft wieder die Regulierungsbehörden auf den Plan. Stimmen werden laut, dass Tiktok eine zu dominante Rolle im alltäglichen Leben spielt. Die USA und verschiedene europäische Regierungen ziehen ein Verbot der Plattform in Betracht.
Um der Schmach der Niederlage vorzubeugen gibt die Regierung in Peking kurz vor Ende Jahr bekannt, dass Bytedance seine Services im Ausland nicht mehr anbieten darf. Damit fällt 2023 auch die letzte grosse Social-Media-Plattform. Auf der ganzen Welt rasten Jugendliche aus, demolieren und demonstrieren, kleben sich auf Strassen fest und schütten Tomatensuppe über Gemälde - und keiner filmts. Fast so als hätte es den ganzen Hype nie gegeben.

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