Prophezeiung #4: Die Public Cloud beim Bund startet durch

30. Dezember 2022, 08:00
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Dall-E hat lustige Vorstellungen der Bundesverwaltung.

Der Bund kommt endlich zu seiner Public Cloud. Sogar die Datenschützer sind zufrieden.

Die Vorteile der Public Cloud liegen auf der Hand: schnelle Skalierbarkeit, erhöhte Sicherheit und ein einfaches Management. Aus diesen und weiteren Gründen hat sich der Bund entschieden, für gewisse Applikationen auf die Public-Cloud-Services amerikanischer und chinesischer Hyperscaler zu setzen.
Doch so einfach, wie die Regierung sich das vorgestellt hat, ist es nicht. Denn Netzaktivisten, Politikerinnen und Datenschützer sind ganz und gar nicht zufrieden mit den Plänen. Was, wenn Daten von Schweizer Bürgerinnen und Bürger in den Händen der US-Regierung landen?

Klagen und der Cloud Act

Nicht nur die Regierung, auch die grossen Cloud-Anbieter sind sich diesen Problemen bewusst, Zugeständnisse werden gemacht. Nicht umsonst haben die Hyperscaler ihre "Sovereign Swiss Regions" lanciert und, das nur nebenbei, Milliarden in unser kleines Land gesteckt. "Datenstandort Schweiz!", hört sich doch gut an, so der Schluss nach einer bundesrätlichen Sitzung.
Damit zufriedenstellen lassen sich aber erst ein paar wenige Mitte-Politiker. Datenschützer drohen mit neuen Klagen. "Und was ist mit dem Cloud Act?", heisst es von links wie rechts.
Es muss also noch ein bisschen souveräner werden, raunt es in der nächsten Regierungssitzung durch den Saal. Keinerlei Verbindung zum Ausland soll es sein. Statt in den Rechenzentren der Hyperscaler könnten die Services ja auch in den bundeseigenen RZs betrieben werden. Stichwort: "Swiss Cloud". Nicht umsonst wurden die Rechenzentren des Bundes für teures Geld modernisiert. Wir erinnern uns an das Projekt Fitania mit den Datacentern "Fundament", "Campus" und "Kastro II".

Ist das Private RZ wirklich abhörsicher?

"Public Cloud im Private DC", heisst somit die neue Strategie, die im bundesrätlichen Kämmerchen erarbeitet worden ist. Daran wird wohl kaum mehr etwas auszusetzen haben. Tatsächlich lässt sich die Fraktion rechts beruhigen. "Im Chastro isch sMilitär underbraacht", hört man aus dem Parlamentssaal. Dann wird es wohl auch für zivile Daten reichen.
Aber, einer Minderheit reicht auch das noch nicht. Ist man mit diesem Konstrukt wirklich abhörsicher aufgestellt? Schliesslich müssen sich die Angestellten von ihren PCs aus irgendwie mit den Hyperscaler-Dashboards der Public Cloud – wenn auch "im Private RZ" – verbinden. Kann garantiert werden, dass diese Verbindung nicht von ausländischen Behörden missbraucht wird?
Also gut, die "Public Cloud im Private DC" muss noch ein bisschen privater und noch ein bisschen souveräner werden, hört man sehr spät aus dem bundesrätlichen Kämmerchen. Keine Verbindung zu den Hyperscalern, keine Datenübertragung quer durch die Schweiz, … da bleiben nur noch die Rechner der Angestellten.
Aus "Public Cloud im Private DC" wird "Public Cloud im Private PC". Und siehe da – Datenschützerinen und Netzaktivisten haben keine Einwände mehr. Das Arbeiten auf dem eigenen PC kann den Bundesangestellten schliesslich schlecht verboten werden. 2023 können somit Open Government Data, Meteo-Schweiz-Modelle und Swisstopo in die Public Cloud – also natürlich die "Public Cloud im Private PC" – ausgelagert werden.

Und die Skalierbarkeit?

Elegant gelöst, dank Hardware-as-a-Service. Reichen die Kapazitäten auf den PCs der Angestellten nicht aus – schliesslich geht es rechenintensive Modelle –, kann per Knopfdruck neue Hardware bestellt und beliebig skaliert werden. Um dabei auch fast die gleiche Geschwindigkeit zu erreichen, wie dies in einem echten Hyperscaler RZ möglich wäre, haben sich die Behörden kurzerhand entschlossen, Teile ihrer Schweizer Datacenter in Logistikzentren zu verwandeln.
Eng könnte es nur mit dem 100-Millionen-Kostendach werden. Schliesslich ist die Hardwarebeschafferei doch ein bisschen aufwändiger, als die blosse Login-Erstellerei.

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