Replay: Zwangswerbung bei privaten TV-Sendern startet bald

13. September 2022, 12:15
letzte Aktualisierung: 13. September 2022, 15:29
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Foto: Erik Mclean / Unsplash

Ab dem 4. Oktober wird bei deutschsprachigen Privatsendern beim zeitversetzten Fernsehen Zwangswerbung eingeführt.

Die Zwangswerbung beim zeitversetzten TV der deutschsprachigen Privatsender startet am 4. Oktober. Die Einführung hat sich wegen technischer Herausforderungen um einige Monate verzögert. Dann wird Kunden beim Überspulen von Werbeblöcken Reklame angezeigt, sofern sie keinen Aufpreis zahlen.
Konkret wird den Zuschauern eine dreiteilige Werbung beim Spulen vorgesetzt, wie die Mediengruppe CH Media mitteilte, die eine Reihe von Fernsehsendern betreibt. Zunächst gibt es einen Werbespot von 5 bis 7 Sekunden zu Beginn des Replay-Programms. Dann folgt eine statische Display-Werbung nach und während des Drückens der Pausentaste im Live- oder im Replay-Modus. Und zuletzt kommt ein Werbeblock mit zwei bis drei Spots von maximal 130 Sekunden, der eingespielt wird, wenn die Zuschauer während des Replays den Werbeblock überspulen möchten.

Aufpreise noch nicht bekannt

Die Preisgestaltung liege bei den Verbreitern, also bei Swisscom, Sunrise, Salt, Quickline und Co., teilt CH Media weiter mit. Wie die Preise ausgestaltet werden, ist noch nicht von allen Telekomunternehmen bekannt.
Mit den Zusatzeinnahmen wollen die privaten TV-Sender Einnahmen kompensieren, die durch das Überspulen der Werbung entfallen. Die TV-Sender kritisierten, dass die bisherige Entschädigung fürs zeitversetzte TV durch die Telekomanbieter zu gering sei. Diese wiesen dies stets zurück. Der Einnahmeverlust der Sender bei der TV-Werbung sei auf die Konkurrenz durch die Onlinenutzung zurückzuführen, so die Argumentation der Telcos.

Kompromiss, nach langem Streit

Im vergangenen Jahr hatten TV-Sender, Telekomfirmen und Verwertungsgesellschaften im langen Streit um das zeitversetzte Fernsehen einen Kompromiss gefunden. Der "Gemeinsame Tarif 12" (GT12), der die Entschädigung der TV-Sender für das zeitversetzte Fernsehen neu regelt.

Sondersituation in der Schweiz

Was viele nicht wissen: Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, das Replay-TV so unkompliziert ermöglicht. Grund dafür ist ein mehrere Jahre alter Bundesgerichtsentscheid, der aufgenommene Sendungen (oder vom Anbieter zur Verfügung gestellte Aufnahmen) als Privatkopie einstuft. Im europäischen Ausland benötigt es dafür individuelle Verträge zwischen jedem Sender und Weiterverbreiter, wobei der Sender für die Einholung der nonlinearen Rechte bei den Inhaltsanbietern zuständig ist. All das ist in der Schweiz nicht nötig.

Öffentlich-rechtliche Sender machen nicht mit

Und es machen auch nicht alle Sender mit: So bleiben die öffentlich-rechtlichen Programme der SRG, ARD, ZDF oder ORF aussen vor. Auch die französischsprachigen Sender sind nicht dabei, wie es aus Branchenkreisen hiess. Bei ihren Werbeblöcken gibt es beim Überspulen auch keine Zwangswerbung. Diese startet am 4. Oktober bei fast allen Sender von RTL Deutschland (RTL, Vox, Nitro, RTLZWEI), der Seven.One Entertainment Group (ProSieben, SAT.1, Kabel Eins, ProSieben Maxx, SAT.1 Gold, Sixx, Puls 8) und von CH Media (TV24, TV25, S1, 3+, 4+, 5+, 6+, 7+/Nick Schweiz). Weitere TV-Sender wie TeleZüri, TeleBärn, Tele1, Tele M1, TVO und Swiss1, Super RTL und NTV werden voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2023 mit der Zwangswerbung starten. "Weitere Sender werden folgen", schrieb CH Media.
Update (15.50 Uhr): Der Artikel wurde um die Sender-Listen ergänzt.

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