Ressourcenmangel: Armee sucht ICT-Leihpersonal für bis zu 55 Millionen Franken

5. August 2022, 14:22
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Ein Teil der FUB wird in das Kommando Cyber transformiert. Foto: VBS / Clemens Laub unter CC 3.0

Der IT-Dienstleister der Armee will viel Unterstützung anheuern, nachdem er letztes Jahr wegen schleppenden Projekten in die Kritik geraten war. Auch weitere Massnahmen laufen.

Der IT-Dienstleister des VBS schrieb im letzten Herbst Schlagzeilen, weil er mehrfach bei schlecht laufenden Projekten genannt wurde. Damals wurde auch bekannt, dass die Armee ihr IT-Budget um 100 Millionen Franken überzieht, als wichtiger Grund wurden die mangelnden Ressourcen beim betreffenden Dienstleister namens Führungsunterstützungsbasis (FUB) genannt.
Die FUB, zuständig für die IKT-Systeme und die Cybersecurity der Schweizer Armee, umfasste im letzten Herbst rund 950 Vollzeitstellen, verteilt über alle Fachleute. Man müsste 300 Personen zusätzlich einstellen, um alle Aufträge der Armee in gesetzter Frist erfüllen zu können, sagte FUB-Chef Thomas Fankhauser damals im Interview mit inside-it.ch. Auf Anfrage erklärt nun Armeesprecher Stefan Hofer, dass das FUB geringfügig auf ein Volumen von umgerechnet 987 Vollzeitstellen aufgestockt worden sei.

ICT-Leihpersonal für bis zu 55 Millionen Franken

Anlass für die Anfrage war eine Ausschreibung der FUB. Diese sucht für Betrieb und Kundenservices derzeit sehr viel externes ICT-Personal, das bis maximal Ende 2026 geliehen werden kann. Dafür wurde ein Kostendach definiert, unter dem Leistungen abgerufen werden können. Insgesamt beträgt es knapp 35 Millionen Franken an Grundleistungen und 20 Millionen an optionalen Leistungen.
Die Ausschreibung ist eine Reaktion auf die Ressourcenprobleme, wie Hofer bestätigt: "Ja, mit der Einbindung von externen Dienstleistungen werden nicht-sensitive Bereiche unterstützt." Gesucht wird eine breite Palette über 6 Teilausschreibungen, sogenannte Lose, darunter: Projektunterstützung, System-Engineering, Security-Leistungen, ICT-Operations, Support und Service-Management sowie Wirtschaftsinformatik.
Die Ausschreibung ersetzt auch auslaufende Rahmenverträge. Die Armee hat aber weitere Massnahmen ergriffen und will die IKT-Basisleistungen des VBS entflechten und so die internen Ressourcenengpässe mindern. Dies soll durch Outsourcing von Basisleistungen an das Bundesamt für Informatik (BIT), die Ruag und weitere Dritte geschehen, erklärt Hofer. Dadurch sollen die internen IT-Fachleute neue Aufgaben übernehmen können.

Kommando Cyber senkt Bedarf an externen Leistungen

Das FUB wird derzeit transformiert. Auf Anfang 2024 wird ein Teil der Organisation in ein Cyber-Kommando weiterentwickelt. Damit werde langfristig vollständig auf die IKT-Leistungen für die Armee fokussiert, so Hofer. Das FUB bediente bislang unterschiedliche Kunden innerhalb des VBS. Im Rahmen der Transformation soll auch der Bedarf nach Leihpersonal abnehmen.
2023 sind die Kostendächer der aktuellen Ausschreibung nämlich deutlich höher als in den Folgejahren. "Ab 2024 werden die getroffenen Massnahmen dazu führen, dass die eigenen Mitarbeitenden vermehrt den Betrieb der neu eingeführten Systeme übernehmen können. Zusätzlich wird mit den strategischen Kooperationen und dem Outsourcing von IKT-Basisleistungen der Bedarf an internen Leistungen und somit auch das Volumen des Personalverleihs sukzessive verringert", erklärt Hofer dazu.

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