Schweiz fordert mehr digitale Leistungen in der Verwaltung

18. Juli 2023 um 10:35
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Foto: one photo / Shutterstock

Nicht nur beim digitalen Angebot besteht Nachholbedarf, auch in puncto Datenschutz und IT-Infrastruktur gibt es in der Verwaltung noch einiges zu tun.

Die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer ist mit dem bestehenden E-Government-Angebot der öffentlichen Verwaltung zufrieden. Einige Kritikpunkte gibt es jedoch sowohl im Umfang der Dienstleistungen als auch im Datenschutz und der IT-Infrastruktur, wie die Ergebnisse einer aktuellen Deloitte-Umfrage zeigen.
Rund zwei Drittel der befragten Personen finden es nämlich wichtig, dass sie sämtliche Dienstleistungen und Behördengänge online abwickeln können. 58% fordern gar eine proaktive Nutzung der digitalen Dienstleistungen – wie etwa die automatische Erneuerung der Identitätskarte.
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Grafik: Deloitte
Gemeinden hinken nach
Rund 43% der Verwaltungsmitarbeitenden meint, dass ihre Stelle Dienstleistungen digital anbietet. In Gemeinden sinkt diese Zahl allerdings auf 34%. "Die Bevölkerung ist bereit für den digitalen Wandel, doch die Verwaltung bleibt noch hinter den Erwartungen zurück. Es ist nun an der Zeit, die Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger stärker zu berücksichtigen und bei der Erbringung öffentlicher Dienstleistungen einen kundenzentrierteren Ansatz zu verfolgen. Die Verwaltung hat Aufholbedarf und sollte digitale Lösungen konsequent anbieten. Jetzt sind mutige und entschlossene Schritte gefragt", erklärt Rolf Brügger, designierter Leiter Regierung und Öffentlicher Sektor bei Deloitte Schweiz.
In den Gemeinden gibt es laut Deloitte besonders viel Nachholbedarf. Über alle Verwaltungseinheiten hinweg gibt etwas mehr als die Hälfte an, datenschutzrechtliche Vorgaben konsequent umzusetzen. In den Gemeinden sind es gerade mal 29%. Ausserdem seien nur knapp ein Drittel der Gemeindeangestellten auf das Thema Datenschutz geschult.

IT-Sicherheit wird angezweifelt

50% der Befragten sind der Meinung, dass sie gut in der öffentlichen Verwaltung aufgehoben sind – insbesondere jüngere Altersgruppen. Nur die Sicherheit und Krisenfestigkeit der IT in den Behörden wird noch etwas angezweifelt. Nur 41% aller Befragten stimmen hier zu; je höher ihr Bildungsniveau ist, desto kritischer fällt die Antwort aus. "Datenschutz, eine moderne IT-Infrastruktur und Vertrauen seitens der Nutzenden sind zentrale Treiber für die digitale Transformation. Eine proaktive und kooperative Herangehensweise von Politik, Unternehmen und Verwaltung ist bei diesen Themen unerlässlich, um den Anforderungen der digitalen Zukunft gerecht zu werden", sagt Brügger weiter.
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Grafik: Deloitte
Obwohl der Wunsch nach weiteren digitalen Angeboten besteht, ist die Bevölkerung nicht bereit, dafür mehr in Form von Steuererhöhungen, finanziellen Umlagerungen oder zusätzlichen Gebühren zu bezahlen.

Mangelnde Investition in Fachkräfte

Nicht nur die Finanzierung ist eine Herausforderung. Auch die mangelnde Investition in fachliche Kompetenz zeigt sich als Problem. Laut den Befragten sind gut ausgebildete Mitarbeitende der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche digitale Transformation. Beide Situationen könnte man lösen, indem staatliche Stellen für die Erbringung von E-Gov-Dienstleistungen vermehrt mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten, so Brügger. Tatsächlich ist die Bereitschaft, E-Government-Dienstleistungen von privaten Anbietern zu nutzen, im Vergleich zur Deloitte Umfrage von 2021 klar angestiegen. "Unsere aktuellen Ergebnisse deuten auf ein reduziertes Misstrauen gegenüber privaten Unternehmen hin und könnten ein Zeichen für einen Paradigmenwechsel in der Bevölkerung sein", heisst es weiter.
Zur Studie: Die Umfrage wurde im Februar 2023 mit über 1000 Teilnehmenden zwischen 18 und 80 Jahren aus allen 3 Landesteilen durchgeführt. 239 Personen unter den Befragten sind Angestellte im öffentlichen Dienst.


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