Schweizer Firma in Cyberwaffendeal verwickelt

26. Januar 2023 um 13:56
  • politik & wirtschaft
  • Seco
  • Cybersicherheit
  • justiz
image
Eine Genfer Treuhandfirma führt die Adresse der "Toru Group Limited Switzerland". Foto: Pablo Velasquez / Unsplash

Die Schweiz sei attraktiv als Drehscheibe für den Verkauf von Spähsoftware, berichtet die 'Handelszeitung' und deckt einen Fall auf. Nun wird das Seco aktiv.

Im Frühling 2022 wurde von Athen ein mit Antennen, Servern, Laufwerken, Monitoren und Software aufgerüsteter Van nach Bangladesch ausgeflogen. Mit der Cyberwaffe "Spearhead" sollen bis in 500 Meter Distanz von jedem Smartphone beliebig Daten und Nachrichten ausgelesen und Trojaner installiert werden können.
Dies berichtet die 'Handelszeitung' (Paywall), der die Lieferdokumente vorliegen. Darin steht laut Artikel auch: Orchestriert wurde das Ganze von einer Schweizer Firma, ohne dass das genehmigungspflichtige Geschäft dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bekannt war. Spearhead-Technologie unterliege aber strengen Exportkontrollen, auch wenn eine Schweizer Firma nur als Vermittlerin auftrete, hiesst es im Bericht.
Bangladesch gilt aus Schweizer Sicht als kritisches Bestimmungsland. Von 2015 bis 2022 seien zwar Ausfuhren von Dual-Use-Gütern und militärischen Waren für 2,9 Milliarden Franken bewilligt worden, 2015 habe das Seco aber zwei Gesuche für die Ausfuhr von Überwachungstechnologie in das Land abgelehnt, so die Wirtschaftszeitung.
Die Firmen im Spearhead-Deal hätten sich indes grosse Mühe gegeben, ihre Wege zu verschleiern, schreibt die 'Handelszeitung', die die Firmenkonstrukte durchleuchtet hat. Demnach wurde die Technologie von der National Telecommunication Monitoring Center (NTMC) gekauft, die für die Überwachung von Internet und Social Media in Bangladesch zuständig ist. Als Verkäufer war in den Dokumenten "Toru Group Limited Switzerland" eingetragen, deren Büroadresse wiederum von einer Genfer Treuhandfirma geführt wird.
Geliefert hatte den Van mit der Sonderausrüstung die zypriotische Firma Passitora. Im Kern der Cyberwaffe steckt aber israelische Software. Die Komplexität der Geschäftsvorgänge hat auch mit einer israelischen Besonderheit zu tun: Die dortigen Firmen haben in anderen Ländern Gesellschaften eingetragen, um mit Nationen zu handeln, mit denen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält.
Offenbar ist die Schweiz ein interessantes Land für mit Israel verbundene Firmen, um diese internationalen Deals zu vermitteln und abzuwickeln, hält die 'Handelszeitung' fest. Zugleich hat die Schweiz aber Abkommen unterzeichnet, die Exportbestimmungen beinhalten, die auch in diesem Fall greifen würden. Die Strafen reichen von einer blossen Verwarnung bis zu 10 Jahren Haft.

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

USA und China kämpfen um die Vormachtstellung bei KI

Die beiden Weltmächte haben sich in Genf zu Gesprächen getroffen. Die USA befürchten, dass China die Technologie missbrauchen könnte.

publiziert am 16.5.2024
image

Schwyz will ein zentrales E-Gov-Portal aufbauen

Im Innerschweizer Kanton soll die Bevölkerung in Zukunft mehr Behördendienstleistungen online in Anspruch nehmen können.

publiziert am 16.5.2024
image

EFK: Bund sollte Office ohne Cloudanbindung so lange wie möglich einsetzen

Die Eidgenössische Finanzkontrolle kritisiert den Bund für die Einführung von M365. Die Verlängerung einer On-Premises-Lösung sei zu wenig geprüft worden und die Komplexität für Mitarbeitende nehme zu.

publiziert am 16.5.2024 4
image

Finanzkommission: Beim Bund laufen zu viele IT-Projekte gleichzeitig

Die Finanzkommission des Ständerats empfiehlt dem Bundesrat mehr Zurückhaltung bei der Aufgleisung neuer Projekte.

publiziert am 16.5.2024