Schweizer Startup schafft Durchbruch in der Quantenverschlüsselung

16. Juni 2023 um 09:34
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Das Startup Terra Quantum hat seinen Sitz in St. Gallen. Foto: Leonhard Niederwimmer

Die St. Galler Deeptech-Firma Terra Quantum konnte verschlüsselte Daten 10'000 Mal schneller über eine grössere Distanz übertragen, als bisher möglich war.

Das Schweizer Startup Terra Quantum hat einen neuen Rekord in der quantenverschlüsselten Datenübertragung aufgestellt. Es konnte verschlüsselte Daten 10'000 Mal schneller und über eine grössere Distanz übertragen als je zuvor, wie vom Unternehmen veröffentlichte Daten zeigen.
Das Experiment belegt laut dem Unternehmen erstmals die Möglichkeit für eine vollständige Ende-zu-Ende-Sicherheit über globale Distanzen. "Wir haben damit das Rennen gegen Quantencomputer gewonnen", sagte Terra-Quantum-Gründer Markus Pflitsch auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'Keystone-SDA'.
Quantencomputer sind für die Datensicherheit nämlich ein Problem. Aktuelle, komplizierte mathematische Verschlüsselungen lassen sich im Prinzip mit grossem Rechenaufwand trotzdem knacken. Expertinnen und Experten erwarten, dass leistungsstarke Quantencomputer solche Verschlüsselungen in naher Zukunft problemlos knacken können.
Um auch im Zeitalter der Quantencomputer geheime Daten austauschen zu können, bedarf es daher eines weiteren Werkzeugs aus dem Bereich der Quantentechnologie: der Quantenkryptographie. "Es ist physikalisch unmöglich, quantenverschlüsselte Daten zu entschlüsseln", erklärte Pflitsch.

Experiment bestätigt Theorie

Weltweit arbeiten Forschungsinstitute und Unternehmen deshalb an Technologien zur Quantenverschlüsselung. Terra Quantum tut dies mit einem Ansatz, der auf Quantenverschränkung basiert, der sogenannten "Quantum Key Distribution". Der vom Startup entwickelte technologische Ansatz ist im Jahr 2021 im renommierten Fachmagazin 'Nature' vorgestellt worden. Nun bestätigen Experimente, dass es auch wirklich funktioniert.
Über 1032 Kilometer hat Terra Quantum nach eigenen Angaben quantenverschlüsselte Daten mit einer Geschwindigkeit von 34 Bit pro Sekunde verschickt. Die bisherigen Rekordhalter von der University of Science and Technology of China erreichten eine Entfernung von 1002 Kilometern mit einer Rate von 0,0034 Bit pro Sekunde.
Zudem erfordern andere Ansätze aus diesem Bereich laut Pflitsch den Einsatz spezieller Infrastruktur. Der neue Ansatz hingegen nutzt das bestehende Glasfasernetz. Die Resultate des Experiments hat das Team um Pflitsch provisorisch veröffentlicht.

Bereits 90 Millionen Franken gesammelt

Das St. Galler Deeptech-Startup hat erst im Februar dieses Jahr einen neuen Investoren gewonnen. Die international tätige Beteiligungsgesellschaft Investcorp sei eingestiegen, um die Forschung an kommerziell nutzbaren Lösungen für Quantentechnologie zu fördern, hiess es damals in einer Mitteilung. Wie viel Geld nun nach St. Gallen fliesst, wollten die Beteiligten aber nicht preisgeben. Bereits vor einem Jahr sammelte die Firma 60 Millionen Dollar.
Bislang seien bereits 90 Millionen Dollar an Investorengeldern zusammengekommen, heisst es auf der Website. Terra Quantum beschäftigt derzeit rund 150 Quanten-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler, die über Europa und Nordamerika verteilt sind.
Terra Quantum betreibt weitere Standorte in Zürich, London, Wien und dem finnischen Espoo. Die Firma bietet nach eigenen Angaben Quanten-Services in 3 Bereichen: Algorithmen, Computing und Security. (Mit Material von Keystone-sda)

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