Schweizer Studie: Digitalisierung kann dem Klima helfen

17. Juni 2024 um 12:01
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Illustration: Anja / Pixabay

Bis 2030 sollte die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen noch stark reduzieren. Forcierte Digitalisierung könnte laut einer Studie einiges dazu beitragen.

Bis 2030 sollte die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen verglichen mit 1990 um 50% reduzieren, dies schreibt das Klimaabkommen von Paris vor. Dies entspricht einer Reduktion von 55 auf 28 Millionen Tonnen CO2eq. 2023 dürfte der Ausstoss 44 Millionen Tonnen (Mt) CO2eq betragen haben, es besteht also noch eine Lücke von rund 16 Mt CO2eq bis das Ziel erreicht ist.
CO2eq (CO2 equivalent) ist ein Mass, dass den negativen Effekt von Kohlendioxid mit den Effekten anderer Treibhausgase wie Stickstoffoxid oder Methan vergleichbar machen soll. Auch die Reduktion anderer schädlicher Gase kann dadurch in die Berechnung des gesamten Treibhausgasausstosses miteinbezogen werden.
Laut einer Studie, die die Standortinitiative Digitalswitzerland und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse zusammen mit Accenture durchgeführt haben, könnte Digitalisierung einiges dazu beitragen, das Klimaziel zu erreichen. Für die Studie wurden für fünf Wirtschaftssektoren die Auswirkungen von zwei relevanten Digitalisierungsbereichen untersucht. Die Studienautoren rechnen vor, dass der verstärkte Technologie-Einsatz bis zum Jahr 2030 insgesamt die Schweizer Emissionen um 1,2 bis 3,2 Mt CO2eq senken könnte. Dies entspräche einer Reduktion der noch bestehenden "Klimalücke" um 7 bis 20%.

Standard-Digitalisierung versus ambitionierte Digitalisierung

Die tiefere Zahl entspricht dabei den Auswirkungen einer "Standard-Digitalisierung", sprich, das Tempo der Digitalisierung bleibt in etwa so wie gehabt. Die höhere Reduktion wäre mit einer "ambitionierten Digitalisierung" erreichbar, was die Herausgeber der Studie empfehlen: "Eine ambitionierte Digitalisierung in der Schweiz ist essenziell, um das volle CO2eq-Einsparpotenzial digitaler Technologien zu entfalten. Wirtschaft und Politik sind aufgerufen, notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dieser Hebel stärker genutzt werden kann."
Um die Auswirkungen der Digitalisierung in den fünf Sektoren Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft, Industrie und Energie möglichst genau abzuschätzen, wurden für die Studie pro Sektor je zwei digitale Technologiebereiche gewählt. Diese decken gemäss der Einschätzung der Studienautoren den Sektor weitgehend ab und haben andererseits ein hohes Sparpotenzial. Weitere Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung wurden jeweils nicht untersucht.
Untersucht wurden:
  • Bereich Gebäude: Smart Homes, die Anwendung intelligenter Messgeräte und Gebäudeautomation in Wohngebäuden. Gebäudemanagementsysteme, die Anwendung intelligenter Messgeräte und Gebäudeautomation in Nicht-Wohngebäuden.
  • Bereich Verkehr: Mobility-as-a-Service, die Integration verschiedener Verkehrsdienstleistungen und -anbieter, um eine nahtlose und ganzheitliche Mobilitätslösung anzubieten. Echtzeit-Routenoptimierung, die strategische Echtzeitplanung und -auswahl effizienter Transportrouten.
  • Bereich Landwirtschaft: Ortsspezifische Düngung, Digitale Technologien, die eine effiziente und gezielte Düngung und Kalkung auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ermöglicht. Digitale Nutztierhaltung, digitale Technologien zur Beobachtung und gezielten Fütterung von Nutztieren Automatisierung und Robotik.
  • Bereich Industrie: Der gezielte Einsatz von Automatisierungs- und Robotiktechnologien, um Fertigungsprozesse effizienter zu gestalten. Digitaler Zwilling und Simulation, die Nutzung von fortschrittlichen Technologielösungen, um physische Objekte und Prozesse zu simulieren.
  • Bereich Energie: Vorausschauende Instandhaltung, die Verwendung von Datenanalytik und maschinellem Lernen, um den Ausfall von Anlagen vorherzusagen, bevor es zu Ausfällen kommt. Smart Grids, fortschrittliche Stromnetzwerke, die digitale Kommunikations- und Sensortechnologien zur effizienten Steuerung integrieren.

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