Schweizer Think-Tanks fordern "neutrale Cloud"

13. Januar 2023, 10:05
  • innovation
  • e-government
  • cloud
  • schweiz
image
Foto: Philippe Murray Pietsch / Unsplash

In einem Arbeitspapier "Baustelle Demokratie" nennen das Gottlieb Duttweiler Institut, Avenir Suisse und weitere Think-Tanks 5 Herausforderungen für die Schweiz.

Die Demokratie ist unter Druck, und die Schweiz steht vor vielfältigen Herausforderungen. So sehen es 7 Denkfabriken, die im Arbeitspapier "Baustelle Demokratie" Ideen liefern, darunter eine neutrale Cloud und ein Grundrecht auf Einbürgerung. Die Beteiligten benennen die Herausforderungen und konzentrieren sich auf 5 Themen: die Schweiz in der Welt, verhinderte Teilhabe, erschwerte Informiertheit, schnelle Krisen und Demokratiemüdigkeit.
Angeregt wurde das Arbeitspapier "Baustelle Demokratie" von der Stiftung Mercator Schweiz und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft. Beteiligt waren die Schweizer Think-Tanks Avenir Suisse, Denknetz, Dezentrum, Foraus, Gottlieb Duttweiler Institut, Institut Neue Schweiz und Reatch. Die Think-Tanks benennen die Herausforderungen gemeinsam, geben aber individuelle Antworten auf die Frage, welche Massnahmen notwendig sind.

Neutrale Cloud für die Welt

Die Schweiz brauche neue Ideen und Allianzen für die Mitbestimmung im digitalen Raum. Darum sollte das Land über eine neutrale, humanitäre Cloud für die Welt nachdenken, fordert die Denkfabrik Foraus (Forum Aussenpolitik) mit Sitz in Bern. Ein Grossteil der Cloud sei entweder von chinesischen oder von US-amerikanischen Firmen verwaltet, heisst es im Arbeitspapier. Cyberangriffe von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren seien an der Tagesordnung.
Mit Verweis auf den Angriff auf das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) fordert Foraus: "Die Schweiz als Depositarstaat des humanitären Völkerrechts und neutraler Staat ist prädestiniert, hier Leadership zu übernehmen und einen Beitrag speziell zum Schutz von Daten vulnerabler Menschen zu leisten."
Die Verantwortung für den Aufbau einer solchen Cloud läge beim Bundesrat und Parlament. Unterstützt werden könnten sie von der Expertise der Eidgenössischen Hochschulen in diesem Bereich, heisst es weiter. Damit greift Foraus bereits bestehende Forderungen wie etwa eines Whitepapers für ein "internationales Genf" von verschiedenen Genfer Organisationen auf.

Offenes Internet in Europa

Das Gottlieb Duttweiler Institut regt ein offenes Internet an, zusammen mit Europa. Die Bevölkerung brauche besseren Zugang zu gesicherten Fakten. Monopole von grossen Tech-Konzernen sollen gebrochen werden. Dazu müssten Daten öffentlich zugänglich gemacht werden.
"Die Daten müssen in Standards offen liegen, die genügend verbreitet sind. Erst dann lohnt es sich für Anbieter alternativer Anwendungen, diese Standards zu berücksichtigen", so das GDI. Der Bund könnte darum Organisationen und Verbände dabei unterstützen, sich auf Standards zu einigen und Daten frei zugänglich bereitzustellen. Erfolgversprechender als ein Schweizer Alleingang sei eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.

Krisennetzwerk der Wissenschaften

Da plötzliche Krisen den demokratischen Prozess herausfordern, brauche es ein föderales Krisennetzwerk der Wissenschaften, fordert Reatch, nach eigenen Angaben eine unabhängige Ideenschmiede für kritische Wissenschaftler und Wissenschaftsbegeisterte in der Schweiz. Deren Ziel ist "eine wissenschaftsfreundliche Kultur, in der Wissenschaft, Gesellschaft und Politik am gleichen Strang ziehen".
"Baustelle Demokratie" ist das zweite Arbeitspapier der Think-Tanks. Das erste Papier zur Klimakrise erschien im vergangenen Jahr und stellte Ideen wie jene zu einer fleischlosen Schweiz vor. Laut den Initiatoren richtet sich das Arbeitspapier "Baustelle Schweiz" (PDF) an Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, an Lehrpersonen und Schulen sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Loading

Mehr zum Thema

image

Schwyz erhält einen neuen CIO

Im Sommer wird Marcel Schönbächler die Leitung des Amts für Informatik im Kanton übernehmen.

publiziert am 27.1.2023
image

Angeblicher Datendiebstahl: Unispital Lausanne gibt Entwarnung

Ein Hacker behauptete, im Besitz von 2 Millionen Datensätzen des Spitals zu sein. Doch das Datenpaket stammt offenbar aus Frankreich.

publiziert am 27.1.2023
image

Podcast: Wie fair und objektiv ist künstliche Intelligenz?

Der Bundesrat will, dass KI Behörden effizienter macht. Warum das zu einem Problem werden kann, diskutieren wir in dieser Podcast-Folge.

publiziert am 27.1.2023
image

Luzerner können Wille zur Organspende in App hinterlegen

Patientinnen und Patienten des Luzerner Kantonsspitals können ihre Entscheidung zur Organspende neu in der Patienten-App ablegen.

publiziert am 26.1.2023