Skaleneffekte erreichen kleine Banken nicht

3. Juni 2022, 14:30
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Foto: Micheile dot com / Unsplash

Laut dem Benchmark der IT-Kosten bei Schweizer Banken werden die IT-Investitionen weiter bedeutend zunehmen, nur wirkt sich das nicht bei allen gleich aus.

Die IT-Kosten steigen wieder und werden für kleine Banken zunehmend zur Herausforderung. Das sind 2 Ergebnisse der jüngsten Umfrage, "Benchmark der IT-Kosten für Schweizer Banken – Erhebung 2021/2022", des IT-Beraters Itopia.
Wenig verwunderlich ergab die Befragung von 40 Schweizer und Liechtensteiner Banken, 12 Privatbanken plus 28 Retailbanken inklusive 17 Kantonalbanken, dass das Corona-Jahr 2020 eine Zäsur darstellte: "Weniger Kosten, weniger Kunden, weniger Einnahmen", wird konstatiert. Der Einschnitt lasse sich daran ablesen, dass im 1. Jahr der Pandemie die Banken sehr rasch in der Lage gewesen seien, auf der IT-Seite kostenwirksame Massnahmen umzusetzen. Allerdings habe das nicht die Kosten des laufenden IT-Betriebs betroffen, die wenig kurzfristiges Optimierungspotenzial böten. Spielraum ergab sich für die meisten Banken nur bei den nicht zwingenden IT-Projekte, die jedoch nur gerade mal 21% der durchschnittlichen IT-Budgets ausmachen.

IT-Anteile wachsen wieder

Eine Konsequenz daraus spiegle sich in den neuesten Zahlen. Die zeigen für das 2. Jahr der Pandemie wieder ein Wachstum der IT-Anteile an den Gesamtkosten. Die liegen mittlerweile im Schnitt bei 22%. Grund dafür sei, dass die IT-Investitionen im Vergleich zum Geschäftsvolumen "auch 2022 weiter bedeutend zunehmen", wie die Analysten meinen.
Gelitten habe dabei aber der IT-Kostenkoeffizient, für den Itopia den IT-Aufwand der Banken in Beziehung zu deren Geschäftsvolumen (Bilanzsumme plus verwaltetes Vermögen) setzt. Hierbei zeige sich, dass nurmehr ein Viertel der teilnehmenden Banken das langjährig verfolgte Optimum von 1.0 oder darunter erzielte. Der "Median liegt zurück bei 1.15, und ist damit mehr als 6% höher als im Vorjahr", wird konstatiert.
Gerade kleinere Banken mit unter 300 Vollzeitstellen haben zuletzt die bedeutendste Abnahme der Kosteneffizienz gezeigt. Während die grösseren Institute zwar eine ähnliche Produktivität aus dem IT-Einsatz schöpfen, müssen die kleineren dafür aber nahezu 50% mehr IT-Kosten aufbringen, heisst es in dem Benchmark.
Gehe man von einem auch in der IT starken Skaleneffekten aus, zeige die Befragung, dass die Outsourcing-Partner der Banken "aktuell keine weiteren bankübergreifenden Synergien nutzen und weitergeben können". Die Kostenkoeffizienten habe sich sowohl bei Banken mit vollständig interner IT als auch bei solchen mit vollständig externem Bezug von IT-Leistungen verschlechtert. Robust habe sich die Banken gezeigt, die Infrastruktur- und Applikationsbetrieb extern beziehen und das Applikationsmanagement im Haus haben. Laut Itopia sei eine Teilauslagerung aus Kostenperspektive besser kontrollierbar, nur biete sich dieses nur für mittlere und grössere Banken an.

Kostentreiber ist die Zunahme an IT-Personal

Als Kostentreiber haben die Analysten die Zunahme an IT-Personal ausgemacht. Denn "wiederholt teilnehmende Banken beschäftigten 2021 im Durchschnitt ganze 4,7% mehr interne Spezialisten". Beachtet werden müsse dabei aber auch, dass die steigenden IT-Kosten mit einer zunehmenden Mitarbeiterproduktivität einhergehe. Das zeige der Produktivitätskoeffizient, mit dem Itopia die Anzahl der Bankmitarbeitenden in Beziehung zu deren Geschäftsvolumen setzt: "Und dieser Wert verbesserte sich über die letzten 5 Jahre zwischen 13.5% (Privatbanken) und 17.8% (Retailbanken)". Mittels Automatisierung und Digitalisierung die Mitarbeiterproduktivität so zu verbessern, dass die höheren IT-Kosten mehr als kompensieren werden, sei im "Idealfall" möglich.
Wenig Veränderungen zeigen sich hingegen in Sachen Digitalisierung. Für die Optimierung und Neugestaltung von Geschäftsmodellen mittels digitaler Technologien haben mindestens 49% der Banken seit 2019 mehr Mittel aufgebracht. Nur bei 14% der Befragten seien sie in diesen Jahren geschrumpft. Parallel zu dieser Entwicklung hat auch der Management-Fokus auf die digitale Transformation zugenommen, der nun bei über 50% der Banken bestehe, wie Itopia ermittelt hat.
Interessant ist zudem, wohin die Gelder fliessen. Laut dem Benchmark haben 44% der Retailbanken und 30% der Privatbanken einen Investitionsschwerpunkt in Sachen "Customer Experience" und "Commodity" für die bestehende Kundschaft. Zudem bewege der "Druck, steigende Kosten im Rahmen zu halten sowie strengere regulatorische Vorgaben zu erfüllen, Banken dazu, die interne Prozesstransformation zu priorisieren". Hier hätten denn auch 40% der Retailbanken und 30% der Privatbanken einen Investitionsfokus.

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