Soko Maier: Was Entwickler zu Jobwechseln motiviert

3. August 2022, 14:25
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Ist es der Einsatz einer bestimmten Programmiersprache? Ein interessantes Jobumfeld? Oder doch eher das Gehalt? Unsere Kolumnistin ist der Frage nachgegangen.

In der letzten Ausgabe dieser Kolumne ging es um die Programmiersprache der Zukunft. Die nicht ganz befriedigende Antwort: Es kommt auf die Ziele an, die man verfolgt.
In der Zwischenzeit haben wir Hochsommer. Passend zum aktuellen Wetter ist auch der Markt für qualifizierte Software-Experten überhitzt, wenn nicht sogar ausgetrocknet. Und irgendwie machen immer die Firmen mit den "coolen" Jobs das Rennen im Wettbewerb um Talente. Was sind das für Jobs und gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Angeboten und eingesetzten Technologien?
Entwickler wünschen sich neben einem angemessenen Gehalt und interessanten Fringe Benefits immer mehr eine attraktive Arbeitsumgebung mit spannenden, anspruchsvollen Herausforderungen und innovativen Technologien.

Wunschliste der Programmiersprachen

Und welche Programmiersprachen und Technologien stehen oben auf der Wunschliste der Schweizer Software-Experten? Gemäss der aktuellen Umfrage von Swiss made Software sind dies Python, Kotlin, Typescript, Rust und Go. Im Alltag sieht es jedoch anders aus: Die Rangliste der in Unternehmen am meisten eingesetzten Programmiersprachen wird angeführt von Javascript gefolgt von Java, Typescript, Python und C#. Fun Fact: Mit Ausnahme von Java (8% Rückgang) haben diese Programmiersprachen im Jahresvergleich sogar zwischen knapp 1% (C#, Python) und 6% (Javascript, TypeScript) zugelegt.
Wie können Arbeitgeber diese Diskrepanz auflösen? Eine Möglichkeit ist ein grosszügiges Weiterbildungsangebot, damit sich Entwickler mit neuen Technologiethemen auseinandersetzen können. Die Vertiefung der gewonnenen Kenntnisse im Rahmen von internen und externen Hackathons, Codecamps oder Innovations- und Forschungsprojekten sind weitere Optionen. Werden Programmiersprachen im Unternehmen jedoch nicht nachhaltig und über Fortbildungsmassnahmen hinaus eingesetzt, kann sich der beabsichtigte Effekt umkehren. Mitarbeiter verlernen die neu erworbenen Kenntnisse wieder, Motivation weicht der Frustration.

Ein kleine Umfrage zu den Gründen für einen Jobwechsel

Aber ist die Wechselwirkung zwischen Programmiersprachen und dem Entscheid für einen neuen Arbeitgeber wirklich so gross? Eine Recherche nach Auswertungen von grossen Personalvermittlern zeigt, dass die Wechselgründe für Software Professionals meistens in schlechter Bezahlung, schwierigem Arbeitsklima oder fehlender Anerkennung bzw. Wertschätzung begründet liegen. Bei den meisten Studien folgen erst dann Gründe, die Arbeitsinhalte betreffen. Zu diesen zählen fehlende Weiterentwicklungsperspektiven und Abwechslung.
Diese Aussage wollte ich persönlich für Sie verifizieren und habe mein Netzwerk dazu befragt. Das Ergebnis: Bei den wenigen technologisch begründeten Jobwechseln handelte es sich um Ansätze oder Programmiersprachen, die sehr selten auf dem Markt vertreten sind. Das schmälert die Karrierechancen und führt teilweise sogar zu einem Lock-in-Effekt. Andere Statements, vor allem von erfahrenen Entwicklern, bezogen sich weniger auf die Programmiersprache selbst als auf das Umfeld, in dem sie eingesetzt werden. Zu den in diesem Kontext erwähnten Faktoren gehören:
  • Interessante Projekte und abwechslungsreiche Business Cases, in denen eine Programmiersprache zum Einsatz kommt.
  • Ein aktueller und zuverlässiger Technologie-Stack, der es erlaubt, Projekte effizient und in hoher Qualität umzusetzen.
  • Eine grosse und vor allem aktive Community, die die Weiterentwicklung neuer Ansätze, Features und Tools im Umfeld einer Programmiersprache vorantreibt.
Stimmen diese Aussagen, ist die Programmiersprache in den wenigsten Fällen der Treiber für einen Wechsel. Oder andersherum betrachtet: Arbeitgeber sollten Entwicklern ein interessantes Projektumfeld bieten, den Technologie-Stack up-to-date halten sowie aktiv attraktive Weiterbildungen und Engagement in der Community anbieten. Das sorgt nicht nur für Aussenimpulse und Innovation, sondern ist auch der Nährboden für die coolen Jobangebote.
Mein Tipp an Sie: Trotz aller Ausführungen über Technologien geht es beim Recruiting immer um mindestens zwei Menschen. Und da hilft in heissen Zeiten wie diesen oftmals auch schon ein kühler Kopf wesentlich weiter.
Soko Maier ist die Software-Kolumne von inside-it.ch. Hier schreibt Karakun-CEO Elisabeth Maier regelmässig über Themen rund um Software und Programmiersprachen.

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