Sorge vor Hackerangriff verzögert Ab­stimmung über Johnson-Nachfolge

3. August 2022, 09:07
  • security
  • e-government
  • international
image
Palace of Westminster, Sitz des Parlaments in London. Foto: Olenka Varzar / Unsplash

Die Wahl des nächsten Premierministers wird laut Medien­berichten auf Anraten des Nationalen Cybersicherheits­zentrums verschoben. Stimmen hätten manipuliert werden können.

Die Aussendung der Stimmzettel für die Wahl der Nachfolge für den scheidenden britischen Premier Boris Johnson an die Mitglieder der konservativen Tory-Partei hat sich wegen Sicherheitsbedenken verzögert.
Das beim Geheimdienst GCHQ angesiedelte National Cyber Security Centre (NCSC) habe davor gewarnt, dass Hacker die Abstimmung beeinflussen könnten, berichtet der 'Telegraph' unter Berufung auf Insiderquellen. Eine konkrete Bedrohung durch einen feindlichen Staat soll es demnach jedoch nicht gegeben haben.
"Wie von der nationalen Cybersicherheitsbehörde des Vereinigten Königreichs nicht anders zu erwarten, haben wir die Konservative Partei zu Sicherheitsaspekten bei der Online-Wahl des Parteivorsitzenden beraten", so ein Sprecher gegenüber dem 'Telegraph'.
Eigentlich hätten die Stimmzettel Anfang dieser Woche an die mindestens 160'000 Parteimitglieder verschickt werden sollen. Nun soll es möglicherweise bis zum 11. August dauern, bis sie in den Briefkästen landen.

Änderung der Stimme möglich

Der ursprüngliche Plan sah gemäss dem 'Telegraph' vor, dass die Tory-Mitglieder einen Briefwahlschein mit einem bestimmten Code erhalten. Mit diesem sollten sie dann per Post oder – erstmals auch – online abstimmen können. Zudem sei vorgesehen gewesen, dass die Tory-Mitglieder, solange der Wahlgang offen ist, die Möglichkeit haben, ihre Stimme zu einem späteren Zeitpunkt per Post oder online zu ändern.
Die Möglichkeit, online abzustimmen, soll erhalten bleiben. Allerdings werde es nicht mehr möglich sein, die Stimme im Nachhinein zu ändern. Denn dieses Verfahren hätte die Möglichkeit offengelassen, dass Hacker Stimmen manipulieren könnten. Nach dem neuen System werde der Code jedes Mitglieds deaktiviert, sobald die Stimme abgegeben wurde.
"Der Schutz der demokratischen Prozesse und der Wahlen im Vereinigten Königreich hat für das NCSC Priorität. Wir arbeiten eng mit allen politischen Parteien im Parlament, den lokalen Behörden und den Abgeordneten zusammen, um Beratung und Unterstützung in Sachen Cybersicherheit zu bieten", so das Zentrum in einem Statement.

Loading

Mehr zum Thema

image

Basel-Stadt bricht Ausschreibung für E-Rechnungen ab

Gesucht wurde ein Service Provider für die Abwicklung der stark zunehmenden E-Rechnungen. Doch kein Angebot erfüllte die technischen Spezifikationen.

publiziert am 18.8.2022
image

Berner Polizei will "Herzstück der Informatik" in Riesenneubau unterbringen

Der Grosse Rat soll 343 Millionen für ein neues Polizeizentrum bewilligen. Dort sollen auch die Einsatzzentralen untergebracht werden.

publiziert am 18.8.2022
image

Die SBB wussten viel länger über ernste Sicherheitslücke Bescheid, als sie zugaben

Im Januar 2022 hatten die SBB eine Lücke geschlossen, die Millionen Kundendaten betraf. Offenbar war schon seit 2018 mehrfach auf das Problem hingewiesen worden.

publiziert am 18.8.2022
image

EFK: Konsularische Dienste müssen digitaler werden

Konsulate haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung, findet die Eidgenössische Finanzkontrolle.

publiziert am 18.8.2022