Staatstrojaner-Hersteller Finfisher meldet Insolvenz an

28. März 2022, 14:44
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Foto: Tatjana Shyshkina / Unsplash

Nach einer Strafanzeige stellt der deutsche Spyware-Anbieter den Betrieb endgültig ein. Die Konten wurden gepfändet.

Um Finfisher, den Münchner Hersteller der Überwachungssoftware Finspy, ist es schon länger ruhig geworden. 2019 hatten die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), Reporter ohne Grenzen, Netzpolitik.org und das European Center for Constitutional and Human Rights Strafanzeige gegen das Unternehmen eingereicht. Sie warfen Finfisher unter anderem vor, Spionage-Software ohne Genehmigung an die Türkei geliefert zu haben.
Im Oktober 2020 kam es zu einer Razzia durch die Münchner Staatsanwaltschaft. Ermittler des deutschen Zollkriminalamts durchsuchten 15 Wohn- und Geschäftsräume von Finfisher im In- und Ausland. Wie die GFF jetzt in einer Mitteilung schreibt, habe die Staatsanwaltschaft im März 2022 auf Grund der Strafanzeige die Unternehmenskonten der Finfisher Gruppe gepfändet.
Wie 'Netzpolitik.org' berichtet, hätten die drei Firmen Finfisher GmbH, Finfisher Labs GmbH und Raedarius m8 GmbH Insolvenz angemeldet, die entsprechenden Verfahren seien eröffnet. Der Geschäftsbetrieb sei eingestellt, das Büro aufgelöst und alle 22 Mitarbeitenden seien entlassen worden.
Der Insolvenzverwalter schreibt auf Anfrage von 'Netzpolitik.org': "Die Geschäftsbetriebe der genannten Gesellschaften waren bereits bei Antragstellung nahezu eingestellt bzw. sind zwischenzeitlich vollständig eingestellt worden. Arbeitnehmer werden in den Gesellschaften nicht mehr beschäftigt. Die Geschäftsräumlichkeiten wurden im Zuge der Eröffnung des Insolvenzverfahrens aufgegeben." Im Zuge des Insolvenzverfahrens würden die Gesellschaften abgewickelt und aufgelöst.
Laut dem Bericht hat das Ende der Firmen aber keine Auswirkungen auf die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft habe bestätigt, dass das Verfahren weiterlaufe und noch nicht abgeschlossen sei. Staatsanwaltschaft und Zoll würden die beschlagnahmten Dokumente auswerten und Zeugen befragen, darunter auch mehrere ehemalige Angestellte von Finfisher. "Wann das Ermittlungsverfahren abgeschlossen werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar", so die Münchner Staatsanwaltschaft.
Sarah Lincoln, Juristin und Verfahrenskoordinatorin bei GFF, erklärt: "Die Finfisher GmbH ist aufgelöst. Ihr Geschäft mit illegalen Exporten von Überwachungssoftware an repressive Regime ist gescheitert. Das ist ein direkter Erfolg unserer Strafanzeige."

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