USA lockert Sanktionen für IT-Firmen im Iran

26. September 2022, 10:06
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Der Fernsehturm in Teheran. Foto: Youngrobv / Lizenz: CC BY-NC 2.0

Weil die iranische Regierung den Zugang zum Internet eingeschränkt hat, versuchen sowohl Behörden als auch Private den Informationsfluss aufrecht zu halten.

Vor gut einer Woche wurde eine 22 Jahre alten Iranerin von der Sittenpolizei wegen eines Verstosses gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Verschiedenen Medien zufolge soll ihr einziger Fehler gewesen sein, dass sie zu viel Haar gezeigt habe. Nach ihrer Festnahme fiel die junge Frau durch ungeklärte Umstände ins Koma und verstarb danach in einem Krankenhaus. Kritikerinnen und Kritiker werfen der iranischen Moralpolizei Anwendung von Gewalt vor. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.
Seit dem Bekanntwerden des Vorfalls demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung. Dies, obwohl das harte Vorgehen der Polizei laut Medienberichten bereits 30 Todesopfer gefordert hat. Aufgrund der Proteste behindern die staatlichen Behörden auch den Zugang zum Internet, der Zugriff auf unzensierte Informationen im Land wird zunehmend schwieriger. Insbesondere die mobilen Netzwerke sowie Soziale Medien wie Instagram oder Whatsapp wurden weitgehend abgeschaltet.

USA lockert Sanktionen

Die US-Regierung hat nun Massnahmen getroffen, um der iranischen Bevölkerung einen besseren Zugang zum Internet und zu unabhängigen Nachrichten zu ermöglichen. Amerikanischen IT-Firmen soll es künftig wieder erlaubt sein, ihre Geschäftstätigkeit im Iran auszuweiten, teilte das Finanzministerium mit. Dafür seien teilweise bestehende Beschränkungen aufgehoben worden. Eine aktualisierte Genehmigung ermöglicht es den Firmen demnach, im Iran wieder mehr Online-Dienste anzubieten – darunter Soziale Medien, Videokonferenzsoftware oder Cloud-Dienste.
Mit der Neuerung solle der "freie Informationsfluss und der Zugang zu faktenbasierten Informationen für die Menschen im Iran" erweitert werden, teilte US-Aussenminister Antony Blinken mit. "Diese Schritte werden dazu beitragen, den Bemühungen der iranischen Regierung, ihre Bürger zu überwachen und zu zensieren, entgegenzuwirken." Die Sanktionen, die bereits 2014 gegen den Iran verhängt worden waren, hatten bislang verhindert, dass IT-Firmen ihre Dienste in dem Land vollumfänglich anbieten konnten.

Private helfen mit Browsererweiterungen

Auf den Sozialen Medien kam es auch vermehrt zu Aufrufen von Privaten, man solle die Browsererweiterung Snowflake auf seinen Geräten installieren, um die iranische Bevölkerung dabei zu unterstützen, die staatlichen Zensurmassnahmen zu unterwandern. Das Tool erleichtert den Zugriff auf das Tor-Netzwerk. Für dieses ist es von Vorteil, wenn möglichst viele Proxys vorhanden sind, um die Identität und den Standort der Nutzenden zu verschleiern.
Durch die Einrichtung eines solchen Proxys über die Browsererweiterung können Userinnen und User zum Ausbau des Tor-Netzwerkes beitragen. Was oftmals mit kriminellen Aktivitäten und verbotenen Marktplätzen in Verbindung gebracht wird, ist für Nutzerinnen und Nutzer in Staaten wie China, Syrien und eben im Iran oft die einzige Möglichkeit, unzensiert zu kommunizieren oder Informationen zu beziehen, schreibt der 'Standard'.
Je mehr Kommunikationsschnittstellen im Tor-Netzwerk vorhanden sind, desto einfacher ist es für die Nutzenden, ihren Zugriff zu verschleiern. Gemäss der österreichischen Zeitung besteht das System aus 3 Komponenten: Freiwillige, die die Proxys betreiben, Nutzende, die sich mit dem Internet verbinden wollen, und einem Broker, der die zur Verfügung gestellten Proxys an die Benutzer verteilt.
Mit der Aktivierung der Erweiterung kann man als Freiwilliger einen Proxy mit dem eigenen Internetzugang erstellen und diesen so anderen Personen zur Verfügung stellen. Die Erweiterung ist für Chrome und Firefox zum Download verfügbar. Das Errichten der Zwischenstation hilft allerdings nur, solange das Internet im jeweiligen Land lediglich eingeschränkt ist. Im Falle einer totalen Internet-Sperre wird ein Zugang nicht mehr möglich sein.

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